Bundestrainer André Greipel über den Nachwuchs im internationalen Vergleich: "Jahrhunderttalente auf anderem Niveau"

André Greipel wird im August bei den Weltmeisterschaften im schottischen Glasgow erstmals als Sportlicher Leiter für die Nationalmannschaft der Männer auftreten. Auf dem Weg dorthin liegt noch viel Arbeit vor ihm. Im Velo Club hat er Eurosport erklärt, wie seine neue Rolle genau aussieht und auch über den Nachwuchs gesprochen - den deutschen sowei den internationalen.

Greipel über Jungstars: "Von solchen Werten habe ich früher geträumt"

Quelle: Eurosport

"Es gibt sicher viele junge Rennfahrer mit viel Talent", erklärte Greipel am Mittwoch bei Eurosport im Anschluss an die 17. Etappe des Giro d'Italia mit Blick auf den deutschen Nachwuchs.
"Gerade im U23-Bereich mit Emil Herzog oder Hannes Wilksch, um nur einige zu nennen - und auch ein Marco Brenner von DSM hat sehr, sehr viel Talent. Aber es gibt eben auch einige echte Jahrhunderttalente momentan international, die auf einem Niveau sind, auf das viele deutsche Fahrer erst noch kommen müssen."
Der Radsport habe sich in den vergangenen Jahren sehr verändert und die Youngster seien international immer früher immer besser.
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"Von solchen Werten habe ich früher geträumt"

"Wenn man heute Wattwerte hört, davon habe ich früher geträumt - vielleicht nicht im Sprintbereich, aber im Ausdauerbereich", erklärte Greipel und sprach auch seinen Dauerrivalen Mark Cavendish an, der am Saisonende ebenfalls seine Karriere beenden wird.
"Ich hatte mit ihm zu Saisonbeginn Kontakt und da hat er auch gesagt: Das Sprinten ist nicht das Problem, alles andere ist es. Es wird alles schneller - und dann noch ins Finale zu kommen, darauf kommt es an."
In Deutschland, wo mit Herzog, dem Junioren-Weltmeister von 2022, sowie Brenner oder auch dem Tour de l'Avenir-Dritten des Vorjahres Michel Heßmann - aktuell beim Giro für Jumbo - Visma im Einsatz - und dem Tour de l'Avenir-Siebten Hannes Wilksch einige echte Rohdiamanten heranzureifen scheinen, hat man den Anschluss an die Jungstar-Überflieger im Profibereich noch nicht ganz geschafft. Das Potential ist für die nächsten Jahre, das zeigen nicht nur diese vier, aber durchaus da.
Greipel erklärte, dass er vor allem an der Basis in den Vereinen, die nicht unbedingt an Olympiastützpunkte angeschlossen sind, Handlungsbedarf sehe. Dort brauche es Unterstützung, um bezahlte Trainerstellen zu schaffen, durch die junge Sportler und Sportlerinnen gefördert und so Talente gefunden werden könnten.
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Der 40-Jährige selbst ist aber nicht damit betraut, sondern seit April mit der Nationalmannschaft der männlichen Profis. Sie soll er künftig bei den internationalen Titelkämpfen - Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympische Spiele - zu Medaillen führen.
Allerdings betonte er auch, dass sein Aufgabenbereich mit dem in der Öffentlichkeit kursierenden Wort 'Bundestrainer' an sich nicht ideal umschrieben ist. "Das hört sich immer so an, als würde ich die Jungs trainieren. Das ist nicht der Fall", erklärte er.

"Bin nicht allein für die Nominierung zuständig"

Viel mehr plant Greipel die Kaderzusammenstellung für die Großevents, hält dazu Rücksprache mit den Rennställen und den 36 deutschen Profi-Radsportlern und bespricht dann mit dem Präsidium des Bundes Deutscher Radfahrer die Nominierungen. "Passend für den Kurs, der uns bei der WM erwartet", so Greipel.
"Ich bin nicht allein dafür zuständig, welche Fahrer nominiert werden. Das macht ein ganzes Nominierungs-Team. Wir sind vier, fünf Personen die gemeinsam die Entscheidungen fällen. Dabei lege ich meinen Plan vor, mit welchen Fahrern ich es gerne versuchen würde und warum - und dann entscheiden andere, ob sie den Plan mitgehen oder nicht."
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Zwischen jetzt, Ende Mai, und dem WM-Straßenrennen von Glasgow am 6. August werden daher noch sehr viele Gespräche geführt - momentan in erster Linie mit den in Frage kommenden Fahrern selbst.
"Wir müssen erstmal abwarten, wie bei wem die Vorbereitung aussehen würde. Meiner Meinung nach ist eine Tour de France in diesem Jahr die perfekte Vorbereitung für die WM. Aber man kann es auch aus dem Training heraus machen - eventuell mit einer Österreich-Rundfahrt oder dem einen oder anderen kleineren Rennen in Spanien", meinte Greipel.
Wer im August für Deutschland um WM-Medaillen kämpfen wird, ist also noch alles andere als klar.
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