Straßenrad-WM: Das Zeitalter von Tadej Pogacar ist angebrochen - Slowene siegt nach Belieben gegen Konkurrenz

Tadej Pogacar setzte sich im Straßenrennen der Weltmeisterschaften in Zürich die Krone auf. Fast im wörtlichen Sinne, da der Slowene von jetzt an im Regenbogentrikot unterwegs sein wird - aber auch symbolisch, denn sein überlegener Sieg zeigt: Die Radsportwelt gehört ihm, und alle anderen sind nur zu Gast. Die geschlagene Konkurrenz wird sich für die Zukunft etwas einfallen lassen müssen.

Pogacars aberwitzige Attacke mit Gold belohnt: Die WM-Highlights

Quelle: Eurosport

"Ich dachte, er schmeißt das Regenbogentrikot weg", sagte Mathieu van der Poel im Ziel über die Attacke von Pogacar 100 Kilometer vor dem Ziel. "Eigentlich war das nicht der klügste Move, aber für ihn anscheinend schon."
Für den neuen Weltmeister scheint es bei einem Radrennen keine Grenzen zu geben. Alleine bei diesem WM-Rennen verschob er die Grenzen des vermeintlich Möglichen ein weiteres Stück nach hinten.
Nach seinen bisherigen Rennen in dieser Saison konnte man erwarten, dass er 50, 60, oder 70 Kilometer vor dem Ziel attackieren würde. Bei Strade Bianche im März waren es sogar 80 Kilometer, die er als Solist unterwegs war.
Wie konnte der Slowene seine Konkurrenten also überraschen? Mit einer Attacke 100 Kilometer vor dem Ziel!

Pogacar: "Eine dumme Attacke"

"Das Rennen ist früh explodiert", sagte der Sieger im Interview nach dem Rennen lapidar. "Es war eine starke Gruppe vorne und dann bin ich eine dumme Attacke gefahren. Aber mein Teamkollege Jan Tratnik war vorne und konnte mir helfen und dann hieß es: Vollgas bis ins Ziel."
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"Vielleicht eine dumme Attacke": Pogacar über das wilde WM-Rennen

Quelle: Eurosport

Während dieser Flucht fuhr er nicht nur einige hochkarätige Kontrahenten von seinem Hinterrad, durchfuhr mithilfe von Tratnik die von ihm angesprochene starke Spitzengruppe als kurze Andockstation und ließ 50 Kilometer vor dem Ziel als letztes Pavel Sivakov stehen.
Derweil hatte sich im Feld eine starke Allianz aus Belgien und den Niederlanden formiert, die in Mannschaftsstärke versuchten, ihn wieder einzuholen.
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‘I’m happy’ – Van der Poel ‘really proud’ with podium finish despite losing rainbow jersey

Quelle: Eurosport

Eine nie dagewesene Dominanz

Die anderen Mitfavoriten waren sich natürlich auch nicht die gesamte Zeit über einig - das gehört zur Wahrheit dazu. Van der Poel und Remco Evenepoel belauerten sich gegenseitig, ließen auch andere Fahrer wegspringen und schienen eher daran interessiert zu sein, den jeweils anderen am Erfolg zu hindern.
Trotzdem: Pogacar fuhr zwei Attacken, denen kein Favorit folgen konnte oder wollte und fuhr 100 Kilometer vor dem Feld, davon 50 alleine. Das gab es auf diese Weise höchstens noch zu den besten Zeiten von Eddy Merckx in den 70er-Jahren.
"Natürlich waren wir von der Attacke überrascht", sagte Evenepoel. "Es war 100 Kilometer vor dem Ziel. Normalerweise ist so etwas Selbstmord. Für ihn anscheinend nicht." Die anderen Favoriten wirkten nicht einmal besonders unzufrieden - sie haben alles gegeben und einer war stärker, viel stärker.
Auch Eurosport-Experte und Co-Kommentator Jens Voigt sprach von "Merckx-Style": "Wir dachten auch zuerst, es sei ein Testbalon. Eine gigantische Leistung, das muss man echt sagen."
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Evenepoel: Hielt Pogacar-Attacke für "selbstmörderisch"

Quelle: Eurosport

Im Jahr 2024 ist Pogacars Alleinherrschaft allerdings kein neues Bild. 55 Renntage bestritt der Slowene in dieser Saison. Inklusive der Erfolge in der Gesamtwertung bei Rundfahrten steht er bei 23 Siegen. Das hat es seit Merckx nicht gegeben. Der "Kannibale" ist der einzige historische Vergleich für Pogacar, der sich erlaubt. Wie der Belgier 1974 gewann er nun das Triple aus Giro d'Italia, Tour de France und WM-Straßenrennen in einem Jahr. Stephen Roche gelang das Kunststück im Jahr 1987.

Die Entwicklung zum neuen "Kannibalen"

Die Erinnerung an Merckx drängt sich natürlich auch durch die Art und Weise auf, wie der 26-Jährige seine Siege einfährt. Pogacar ist immer auf Attacke aus, er verteilt keine "Geschenke" und kann nun schon auf sehr viele beeindruckende Solo-Fahrten in seinem Palmares verweisen.
Diese Dominanz begann nicht erst in diesem Jahr, sie hat nur ein neues Level erreicht. Pogacar fährt diese Art Siege ein, seit er 20 Jahre alt ist. Damals gewann er bei der Vuelta drei Etappen und wurde überraschend Dritter. Im Jahr darauf schockierte er mit seinem Tour-Sieg im abschließenden Zeitfahren am Planche des Belles Filles. 2021 dominierte er die Frankreich-Rundfahrt mit zwei langen Solofahrten in den Alpen - bei anderen Rundfahrten und Eintagesrennen dominierte er ohnehin.
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Tadej Pogacar (Tour de Francia 2024)

Fotocredit: Getty Images

Er blieb in seiner - noch immer erschreckend jungen - Karriere nicht ungeschlagen. Jonas Vingegaard gelang es zweimal bei der Tour de France. Mailand-Sanremo konnte er in drei Versuchen noch nicht gewinnen, vergangenes Jahr wurde er von Van der Poel bei der WM in Glasgow geschlagen.
Gerade in diesem Jahr galt aber: Was sich Pogacar zum Ziel setzt, das gewinnt er auch. Es ist zu erwarten, dass das bei der Lombardei-Rundfahrt am 12. Oktober auch gilt. Er ist der stärkste und bedeutendste Fahrer dieser Generation. Und führt den Radsport in ein neues Zeitalter.

Die Konkurrenz muss umdenken

Das bedeutet aber nicht, dass auf dieses "Jahr des Tadej" zahlreiche weitere dieser Art folgen müssen. Pogacar wird auch in den kommenden Jahren viel gewinnen, doch das schöne an diesem neuen Zeitalter ist, dass die Konkurrenz ein klares Ziel vor Augen hat.
Der Sport verläuft in Zyklen, und die Fahrweise und Dominanz des Slowenen zwingt die anderen Topfahrer zu einer neuen Herangehensweise. Vingegaard kann in einem sturzfreien Jahr eine Rundfahrt gegen Pogacar auf Augenhöhe bestreiten, für Evenepoel wird das wohl auch bald gelten.
Und auch die anderen Fahrer, in dessen Hoheitsgebiet der Eintagesrennen Pogacar seit einiger Zeit wildert - Van der Poel, Van Aert und andere - werden ihm dieses Feld nicht kampflos überlassen.
Der Radsport ist durch Pogacar ein anderer als früher. Seine Rivalen wissen jetzt, dass eine Attacke 100 Kilometer vor dem Ziel ernstzunehmen ist und nicht bedeutet, dass er das Rennen "wegwirft".
Und darauf werden sie sich einstellen.
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Pogacar genießt Triumphfahrt - Verfolger sprinten um WM-Podium

Quelle: Eurosport


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