WM 2025: Tadej Pogacars Zeitfahr-Niederlage Zeichen für Straßenrennen? An Ausnahmetalent Remco Evenepoel gescheitert

Keine Medaille, nur Platz vier im WM-Zeitfahren von Kigali und dazu die "Höchststrafe" durch das Überholmanöver des 2:30 Minuten nach ihm gestarteten Remco Evenepoel: Für Tadej Pogacar war der Auftakt zu den Titelkämpfen in Ruanda eine ungewöhnlich, herbe Schlappe - für die es aber gute Gründe gibt. Wie groß die Bedeutung für das Straßenrennen zum Abschluss am Sonntag sein wird, ist fraglich.

Machtdemonstration! Evenepoel überholt Pogacar im Zeitfahren

Quelle: Eurosport

Pogacar selbst ordnete seine Niederlage bereits ein: Gerade in der entscheidenden Phase der Zeitfahrvorbereitung sei er krank gewesen, die beiden Rennen in Kanada als Vorbereitung für das Straßenrennen am Sonntag (ab 9:45 Uhr im Liveticker) waren wichtiger als weitere Kilometer auf dem Zeitfahrrad.
Das Kalkül: Mit weiteren Trainingseinheiten und mehr Adaption an die besonderen Verhältnisse in Ruanda kann der Titelverteidiger im Straßenrennen in Topform antreten und seinen Rivalen Evenepoel in die Schranken weisen.
Trotzdem rieben sich Experten und Fans verwundert die Augen: 2:37 Minuten auf 40 Kilometern? Das ist mehr als eine "einfache" Niederlage, zumal der Slowene noch ganz vom Podium purzelte.
"Ich habe am Samstag gesagt, dass es ein 50:50-Rennen sein wird, weil ich wirklich dachte, dass es ein Kurs für Pogacar sein würde", sagte etwa der belgische Nationaltrainer Serge Pauwels. "Ich dachte, sie wären auf Augenhöhe. Aber es gab nicht mal einen Zweikampf."

Evenepoel ein Ausnahmetalent im Zeitfahren

Pogacar hat seine Erklärung abgegeben - und es scheint in jedem Fall glaubwürdig, dass der Slowene von seiner Topform ein Stück entfernt war. Ganz im Gegensatz zu Evenepoel, der schon vor dem Zeitfahren vor Selbstvertrauen strotzte: "Ich will es nicht herausposaunen, aber ich glaube nicht, dass ich in dieser Saison schon einmal so gut in Form war", sagte der Belgier.
Nach dem Sturz im Winter, der seine Saisonplanung über den Haufen warf und einer gestörten Vorbereitung auf die Tour de France lief mit Blick auf die WM für Evenepoel alles glatt. Und er ist mit seinen Beinen endlich da, wo er das ganze Jahr über schon sein wollte.
Dazu kommt - und das ist weder neu noch überraschend, aber es zeigte sich in Kigali einmal mehr ganz klar - dass Evenepoel der beste Zeitfahrer dieser Generation ist. Der Belgier arbeitete seine ganze Karriere über akribisch an seiner Position, er fühlt sich auf der Zeitfahrmaschine pudelwohl und ist mit einem unglaublichen Talent ausgestattet, eine bestimmte Leistung über einen längeren Zeitraum zu halten.
"Schon früh konnte man sehen, dass Pogacar aufrechter auf dem Rad sitzt – wenn beide 50 km/h fahren, muss Pogacar mehr Watt drücken als Evenepoel, da bin ich mir sicher", analysierte Eurosport-Experte Jens Voigt. "Remco ist natürlich das Rollenmodell eines Zeitfahrers, kaum jemand sitzt so aerodynamisch auf dem Rad wie er."
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Tadej Pogacar beim Einzelzeitfahren der WM in Kigali

Fotocredit: Getty Images

Rundfahrer selten beim WM-Zeitfahren erfolgreich

Das ist entscheidend - insbesondere, wenn das Zeitfahren wie bei der WM ein losgelöstes Event ist und nicht im Rahmen einer größeren Rundfahrt stattfindet. Dort können die Klassement-Fahrer den Spezialisten Paroli bieten, bei Titelkämpfen gelingt das selten.
Das zeigt ein Blick auf die Ergebnislisten der seit 1994 ausgetragenen Zeitfahr-WM. Wenn mal ein Rundfahrten-Spezialist das Regenbogentrikot eroberte, dann hatten diese klare Stärken im Kampf gegen die Uhr: Jan Ullrich, Miguel Indurain, Bradley Wiggins zum Beispiel. Mit Fabian Cancellara und Tony Martin sind ausgewiesene Spezialisten die Rekord-Titelträger.
Pogacar erzielte mit Rang vier sogar sein bestes Ergebnis bei einer Zeitfahr-WM - zuvor wurde er Zehnter (in Belgien 2021), Sechster (in Australien) und 21. (in Schottland). In Glasgow rauschte der 2:40 Minuten vor ihm gestartete Filippo Ganna an ihm vorbei, Evenepoel hatte sogar mehr als drei Minuten Vorsprung auf den Slowenen bei seinem ersten Zeitfahr-Titel.
Der Tour-de-France-Sieger scheint seiner Niederlage (an seinem 27. Geburtstag) nicht nachzutrauern. Im Training spaßte er bereits mit Freundin Urska Zigart und dem slowenischen Nationalteam gemeinsam mit Locals und dem Nationalteam Ruandas.

Ein Fingerzeig für das Straßenrennen?

Diesmal war die Topographie des Rennens deutlich bergiger und somit mehr auf Pogacars Fähigkeiten zugeschnitten. Doch auch auf diesem Kurs, vor allem in den Abfahrten und Flachstücken, zeigte sich die überragende Technik des Belgiers, der Pogacar - und auch niemand sonst - etwas entgegensetzen konnte.
Der Sieg ist eine riesige Motivationsstütze für Evenepoel, doch auch er weiß, dass das Straßenrennen am Sonntag nach anderen Regeln abläuft. Trotzdem: Es besteht "Hoffnung" wie es belgische Medien formulieren.
"Ich kenne seine Situation nicht, aber vielleicht ist der Jetlag noch in seinem Körper. Der könnte in einer Woche verschwinden und das könnte ihm zugutekommen", schätzte der belgische Nationalmannschaftsarzt Kris Van der Mieren die Situation Pogacars ein. "Aber wenn der Jetlag nicht die Ursache für seine schwache Leistung war, dann denke ich, dass er es am Sonntag gegen einen super Remco Evenepoel schwer haben wird."
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Highlights: Evenepoel feiert Gold-Hattrick - Pogacar geht leer aus

Quelle: Eurosport

Der Belgier als Topfavorit? "Darauf sind wir vorbereitet", antwortete der Bundestrainer Pauwels gegenüber "Sporza". "Es ist nicht so, dass wir jetzt entspannt sind, weil wir gewonnen haben. Wir haben für Sonntag eine sehr starke Mannschaft und einen guten Plan, der teilweise schon besprochen wurde. Das gibt Zuversicht oder zumindest Hoffnung. Pogacar wird auf Revanche aus sein, aber auch wir haben Selbstvertrauen gewonnen."
Die Wahrheit wird sich auf dem 270 Kilometer langen Kurs mit mehr als 5000 Höhenmetern zeigen - nur die Stärksten können sich auf dieser Strecke durchsetzen.
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Zeitfahr-Pleite nagt an Pogacar: "Natürlich bin ich enttäuscht"

Quelle: Eurosport


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