Der Pferdesport verliert mit Marion Jauß eine wichtige Stütze

Marion Jauß ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Lange Zeit selbst im Sattel und im Sulky aktiv und sehr erfolgreich, war sie in den letzten 20 Jahren vor allem als Pferdebesitzerin und treue Unterstützerin von Springreiter Christian Ahlmann bekannt. Mit ihr verliert sowohl der Trabrennsport wie auch der Springsport eine wichtige Stütze.

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Marion Jauß hat Zeit ihres Lebens den Pferdesport unterstützt. Wie ihre zwei Jahre jüngere Schwester Madeleine Winter-Schulze. Von Kindesbeinen an waren die beiden Schwestern im Sattel unterwegs. Den Kontakt zu den Pferden hatte Vater Eduard Winter hergestellt und gefördert. Sein Vermögen machte der passionierte Reiter als Autohändler, investierte klug und sicherte sich die Lizenzen von Coca-Cola Braunschweig. Ein kluger Schachzug, der bis heute dafür sorgt, dass viel Geld in den Pferdesport fließt. Marion Jauß und Madeleine Winter-Schulze sind zwei der wichtigsten Pferdebesitzerinnen im Springsport, sicherten immer wieder Top-Pferde für die Springsport-Größen Ludger Beerbaum und Christian Ahlmann.
Ursprünglich selbst im Springsattel aktiv unterwegs, war Marion Jauß auch dem Trabrennsport sehr verbunden. Mit 30 Jahren nahm sie zum ersten Mal die Leinen in die Hand, im Rahmen eines Gästerennens. Die Erfahrung begeisterte sie und führte dazu, dass Marion Jauß umsattelte, vom Reitsport zum Trabsport. Mehr als 1.500 Rennen beendete sie mit einem Sieg, war eine der ersten Frauen im Sulky und hocherfolgreich. Eine Ikone des Trabsrennsports. Sie heiratete den Trabrennfahrer Gottlieb Jauß und gründete Gestüt Neritz in der Nähe von Hamburg. Dort züchtete sie erfolgreich Traber, begleitete das Training und fieberte bei Starts von Fräulein Wunder, Portland, Pablo As und Baltimore As auf den großen Rennbahnen dieser Welt mit. Sie war zudem Mitbesitzerin von Mack Lobell, dem besten Traber der Welt. Kurz: Marion Jauß hat den Trabsport geliebt, gelebt und intensiv unterstützt. Sie war in jeder Hinsicht eine Trabsport-Legende, hat als Amateurfahrerin und Züchterin Geschichte geschrieben. 
Als der talentierte Sohn von Trabrennfahrer und Trabertrainer Georg Ahlmann ein gutes Pferd für den Springsport benötigte, war Marion Jauß der Familie Ahlmann bereits lange eng verbunden. Sie erkannte das Talent von Christian Ahlmann und unterstützte ihn. Im Jahr 2001 erwarb sie den Holsteiner Schimmel Cöster, mit dem Christian Ahlmann bei den Europameitserschaften Doppelgold gewinnen konnte. Es blieb nicht bei dem einen Pferd. Auch bei Codex One, Tokyo und Epleaser van’t Heike steht Marion Jauß gemeinsam mit ihrer Tochter Isabell als Besitzerin in den Papieren eingetragen. 
Trotz der finanziellen Unabhängigkeit, die Marion Jauß durch die Investitionen ihres Vaters genießen konnte, war ihr Leben keineswegs nur rosig. Gottlieb Jauß kam im Jahr 1999 bei einem Verkehsrunfall ums Leben. Auch wenn das Paar zu diesem Zeitpunkt getrennt war, ein harter Schlag. Im Jahr 2014 setzte ein Blitzschlag ihr Gestüt Neritz in Brand und verursachte einen großen Schaden. Erfahrungen, die die gebürtige Berlinerin mit ihrer geradlinigen Art meisterte. Harte Zeiten begriff sie als Herausforderung.
Springreiter Christian Ahlmann hat im Laufe seiner sportlichen Karriere ebenfalls Höhen und Tiefen durchlebt. Stets an seiner Seite war dabei Marion Jauß. „Ich habe meine größte Förderin und meine treueste Unterstützerin verloren,” so Christian Ahlmann. “Ich bin sehr traurig über ihren Tod. Marion Jauß war meiner Familie seit vielen Jahren eng verbunden. Sie war immer eine starke Persönlichkeit, die völlig unabhängig von der Meinung anderer ihren Weg machte, die selbstbewusst entschied, wie und wen sie fördern wollte. Sie hatte einen ganz besonderen Charakter, geprägt von ihrem Geburtsort Berlin könnte man es wohl als „Berliner Schnauze“ bezeichnen, sie hatte Spaß an geselligen Zusammentreffen mit ihren Schützlingen aus dem Trabrennsport und ihren Springreitern, war lustig, hatte ein großes Herz und enormes Wissen bezüglich des Pferdesports. Aufgrund ihrer eigenen Karriere im Sattel und im Sulky war sie wettkampforientiert und liebte es, ihre Pferde gewinnen zu sehen. Doch der Erfolg stand nicht an allererster Stelle. Vielmehr ging es ihr darum, sich positiv einzubringen, als Pferdefrau mitzudiskutieren und die Entwicklung der Pferde zu fördern. Sie hielt mir in den besten und den schwersten Stunden meiner Karriere die Treue. Das werde ich ihr nie vergessen. Es war mir eine große Freude und Ehre, die Pferde von Marion Jauß reiten zu dürfen.“  (sts)
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