Olympia 2024: Reit-Star Charlotte Dujardin suspendiert - Dressursport in der Krise nach Video von Misshandlungsskandal

Der Dressursport steht vor einer ernsthaften Krise: Charlotte Dujardin, dreifache Olympiasiegerin, wurde nach einem Skandal um Misshandlungen ihres Pferdes vom Weltverband FEI für Olympia 2024 in Paris suspendiert. Ein Video zeigt, wie Dujardin ihr Pferd 24 Mal schlägt, was eine Welle der Empörung ausgelöst hat. Dieser Fall könnte einen Wendepunkt für den Tierschutz im Dressursport markieren.

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Quelle: Eurosport

Die Longierpeitsche ist circa zwei Meter lang, sehr flexibel und leicht. Sie besteht aus robustem Material wie Fiberglas oder Carbon und hat einen ergonomischen, rutschfesten Griff. Der Peitschenschlag ist lang und dünn, meist aus Nylon oder Leder. Im Dressursport ist sie ein unverzichtbares Hilfsmittel, um dem Pferd Signale zu geben, ohne direkten Kontakt. Nochmal: Ohne direkten Kontakt.
Charlotte Dujardin, dreifache Olympiasiegerin und als Commander of The Order of The British Empire geehrt, missachtete diese Vorgabe. 24 Mal schlug sie im Training zu, auf die Hinterbeine ihres panisch reagierenden Pferdes. Das Handy-Video, für die gesamte Welt am Mittwoch vom britischen Sender "ITV" öffentlich gemacht, zeigt die Wahrheit. Die Misshandlung ist nicht nur schmerzhaft, sondern könnte als ein Verrat an einem besten Freund gesehen werden.
"Es gibt keine Entschuldigung. Ich schäme mich zutiefst", hatte Dujardin erklärt. Die Folge ist bekannt: Sie wurde vom Weltverband FEI für Olympia 2024 in Paris suspendiert, während die Ermittlungen weiterlaufen.
Der Dressursport steht vor einer Krise, da die Balance zwischen sportlichem Erfolg und ethischer Verantwortung zunehmend gefährdet ist. Der Fall Dujardin könnte ein Wendepunkt sein - hin zu einem rigoroseren Tierschutz und höheren ethischen Standards oder zu einem weiteren Ansehensverlust einer traditionsreichen olympischen Disziplin.
Selbst vor den dramatischen Ereignissen dieser Woche stand der Dressursport bereits unter genauer Beobachtung. Ein Schreiben an die FEI - im Mai versandt - hätte nicht deutlicher sein können: "Die aktuellen Skandale und der schlechte Ruf bedrohen unsere Existenz und könnten das Ende von Dressur und Para-Dressur als olympische Disziplinen bedeuten", hieß es in dem Brief, der von Reitern, Trainern und Offiziellen verfasst wurde.
Im November wurde der dänische Milliardär Andreas Helgstrand bis nächstes Jahr von seiner nationalen Dressurmannschaft gesperrt - und auch von Paris 2024 ausgeschlossen - nachdem ein Undercover-Dokumentarfilm, der in einer seiner Reitschulen gedreht wurde, Pferde zeigte, die während des Trainings aus dem Maul und den Flanken bluteten.

Fans sind schockiert

Die Aufnahmen zeigten auch, wie Pferde in der Rollkur trainiert wurden, wobei der Reiter das Maul des Pferdes so stark mit den Zügeln nach unten zieht, dass das Tier fast in seine eigene Brust beißt, was von der FEI verboten ist. Die natürliche Bewegungsfreiheit und Haltung des Pferdes wird eingeschränkt und kann sowohl physische als auch psychische Schäden verursachen.
Dann wurde im Februar der führende US-Dressurreiter Cesar Parra vorläufig wegen "abstoßender und missbräuchlicher Trainingstechniken" suspendiert, nachdem ein Video ihn beim Peitschen eines Pferdes zeigte.
Dass der wachsende Skandal nun auch die beliebte Reiterin Dujardin erfasst hat, hat Fans regelrecht schockiert. Die Technik, bei deren Einübung Dujardin mit einem Reiter im Video zu sehen ist, nennt sich "Piaffe", ein langsamer Trab im Stand. Das geschieht normalerweise durch leichtes Klopfen des Pferdes, um es zu ermutigen, die Beine zu heben.
"Man kann sicherlich sehen, dass einige der Peitschenhiebe das Pferd trafen und es dadurch gestresst wurde."
Und während Experten sagen, dass eine Peitsche ein nützliches Trainingswerkzeug ist, erklärten sie auch, dass Dujardins Gebrauch weit über das Akzeptable hinausgehe. "Was in diesem Video gezeigt wird, ist erstens zu keinem Zeitpunkt und in keinem Stadium des Pferdetrainings akzeptabel", sagte FEI-Tierarzt Goran Akerstrom. "Man kann sicherlich sehen, dass einige der Peitschenhiebe das Pferd trafen und es dadurch gestresst wurde."
Der Druck in der Dressur ist in den letzten Jahren gestiegen, die Bewegungen schwieriger und technischer geworden. Und auch nicht zu vergessen: Die Belohnungen sind größer und gehen in die Millionenwerte - es gibt lukrative Sponsorenverträge und große Honorare für Unterricht.
Kritiker werden jetzt laut. Der Eindruck, dass das gesamte Training von Pferden und jegliche Verwendung von Ausrüstung grausam ist, verstärkt sich. Die Tierrechtsorganisation "PETA" erneuerte bereits ihre Forderung, Reitsportveranstaltungen von den Olympischen Spielen ganz zu verbannen.

FEI installiert Pferdeschutzkoordinator

Im prunkvollen Versailles, wo am Samstag die olympischen Wettbewerbe beginnen, erhalten die Pferde aus 28 Nationen aktuell ihre abschließenden medizinischen Untersuchungen. Sie wurden in klimatisierte Ställe mit extra großen Boxen und Rund-um-die-Uhr-Überwachung gebracht, da der Sportverband seine Bemühungen zur Priorisierung des Tierschutzes demonstrieren möchte. Die FEI hat zum ersten Mal auch einen speziellen "Pferdeschutzkoordinator" ernannt, der ein Team von Stewards leitet.
Für das britische Dressur-Team bedeutet der Verlust von Charlotte Dujardin einen schweren Schlag. Lottie Fry und Carl Hester verbleiben im Team, doch ohne Dujardin, die bei der EM im Vorjahr erneut herausragende Bewertungen erzielte, sind die Chancen auf Gold erheblich gesunken.
Die niederländische Mannschaft hingegen kann nun auf eine Medaille hoffen. Auch die deutschen Chancen sind gestiegen. Diese Veränderung im Kräfteverhältnis nährt Spekulationen, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Videos gezielt gewählt wurde, um die britischen Medaillenchancen zu schmälern. Das ist denkbar, denn auch der so edel anmutende Dressursport ist ein knallhartes Business. Aber der Vorfall spricht in diesem Fall für sich.
Er ist eine weitere Niederlage für den Kampf um die "Social License" des Pferdesports - die gesellschaftliche Akzeptanz und das Vertrauen in die ethischen Standards der Disziplin.
Um diesen Eindruck wieder umzukehren, ist der gesamte Reitsport in Zukunft stark in der Pflicht.
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Quelle: Eurosport


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