Olympia 2024 in Paris - Top-Gymnastin Darja Varfolomeev exklusiv: "Ich habe es noch nicht wirklich realisiert"

Darja Varfolomeev gehört zu den Besten der Welt in der Rhythmischen Sportgymnastik. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport erklärt die 17-Jährige, woher sie das große Selbstvertrauen auch vor großen Wettkämpfen nimmt und wie sie mit dem frühen Umzug von Russland nach Deutschland umgegangen ist. Varfolomeev verrät zudem, warum sie so mancher Fehler im Trainingsalltag trotzdem zum Lachen bringt.

Darja Varfolomeev

Fotocredit: Getty Images

2023 war ihr Jahr. Darja Varfolomeev räumte bei den Weltmeisterschaften in Valencia ab.
Fünfmal Gold brachte die Teenagerin mit nach Hause. Reifen, Ball, Keulen, Band, Mehrkampf - die Sportgymnastin vom TSV Schmiden in Baden-Württemberg setzte sich in allen Wettkämpfen durch.
Sie sei sich "wie in einem Traum" vorgekommen, sagt Varfolomeev gegenüber Eurosport. In diesem Jahr wird sich nun ein weiterer Traum erfüllen: die erste Teilnahme an Olympischen Spielen.
Das Finale ihrer Sportart bei den Sommerspielen von 2016 habe sie nachts um 3:00 Uhr im TV verfolgt. "Das hat mir unglaublich gut gefallen und ich hatte den Wunsch, irgendwann selbst dabei zu sein", betont die 17-Jährige.
Sie haben eine beachtliche Sammlung an Medaillen, die Sie bei Welt- und Europameisterschaften gewonnen haben. Wie bewahren Sie die denn zu Hause auf?
Varfolomeev: Ich habe einen Schrank mit fünf Fächern drin. Ganz oben liegen alle Medaillen, die ich für meine WM- und EM-Titel bekommen habe. Darunter habe ich die Medaillen chronologisch nach den Jahren 2024, 2023, 2022 abgelegt. Ganz unten finden sich noch jene der deutschen Meisterschaften. Die Medaillen liegen also schön in Reihenfolge im Schrank.
Beim Reifen ist es Rock, beim Ball Michael Jackson, bei der Keule Dance - und beim Band dann eher ernste, epische Musik.
Wie können wir uns den Trainingsalltag einer Topathletin in der Rhythmischen Sportgymnastik vorstellen?
Varfolomeev: Am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag machen wir zwei Trainingseinheiten, am Mittwoch und Samstag jeweils eine. Nehmen wir den Montag: Da geht es um 8:00 Uhr mit Ballett los. Das dauert dann etwa eineinhalb Stunden, bevor wir mit Reifen und Ball die ersten beiden Geräte einsetzen. Um 14:00 Uhr lege ich eine Pause ein, um 16:30 geht es weiter. Ein kurzes Aufwärmen, dann Training mit Keule und Band bis um 20:30 Uhr oder 21:00 Uhr.
Welche Rolle spielt die Musik in Ihrem Sport und was hören Sie privat gerne?
Varfolomeev: Privat höre ich, generell gesagt, Pop. Allerdings gar nicht so viel, denn ich habe ja jeden Tag in der Halle viele Stunden Musik. Die passende Musik zu den Übungen auszuwählen, ist sehr schwer. Du musst das täglich fünf-, sechsmal anhören. Ich treffe die Wahl immer zusammen mit der Trainerin. Je nach Gerät entscheiden wir uns für etwas anderes. Beim Reifen ist es Rock, beim Ball Michael Jackson, bei der Keule Dance - und beim Band dann eher ernste, epische Musik.
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Darja Varfolomeev in Aktion

Fotocredit: Getty Images

Was macht für Sie die Rhythmische Sportgymnastik aus und was gefällt Ihnen nicht so gut dabei?
Varfolomeev: Die Verbindung der Elemente und Schwierigkeiten mit Musik. Und zwar so, dass es leicht aussieht, obwohl es im Training sehr schwer ist. Was mich an meinem Sport nervös macht, sind Dinge, die nicht klappen. Man weiß dann nicht mehr, was man noch tun kann, um es zu korrigieren. Zum Glück findet meine Trainerin meistens eine Lösung - und alles ist gut.
Ich habe um etwa 3:00 Uhr in der Nacht zusammen mit meiner Mutter das Mehrkampf-Finale geschaut.
Was darf in Ihrem Koffer für die Olympischen Spiele in Paris keinesfalls fehlen, haben Sie einen Glücksbringer?
Varfolomeev (lacht): Also was in jedem Fall im Koffer ist, ist meine Tasche mit meinen ganzen Glücksbringern. Da ist zum Beispiel einer drin von meiner ersten Trainerin und deren Mutter, die uns früher auch trainiert hat. Dazu Glücksbringer, die ich von meiner Mutter, meinem Vater, meinem Bruder und von Oma und Opa habe. Da wird eine ganze Tasche voll, und die nehme ich zu den Wettkämpfen mit.
Wann ist bei Ihnen aus dem Traum Olympia das konkrete Ziel geworden, dort dabei zu sein?
Varfolomeev: Ein Traum waren die Sommerspiele schon immer, wie für jeden Sportler und jede Sportlerin. Als ich 2019 mit zwölf Jahren nach Deutschland kam, wurde daraus das Ziel, an Olympia teilzunehmen.
Welche Erinnerungen aus Ihrer Kindheit haben Sie an Olympia?
Varfolomeev: Ich kann mich besonders an die Olympischen Spiele von 2016 in Rio de Janeiro erinnern. Da wir damals noch in Sibirien gelebt haben, liefen die Übertragungen meist nachts. Also habe ich um etwa 3:00 Uhr in der Nacht zusammen mit meiner Mutter das Mehrkampf-Finale geschaut. Das hat mir unglaublich gut gefallen und ich hatte den Wunsch, irgendwann selbst dabei zu sein.
Wieso sollte Angst aufkommen, wenn man etwas schon 100 Mal gemacht und gekonnt hat?
In Paris wird es so weit sein. Wie groß ist die Vorfreude?
Varfolomeev: Die Freude ist sehr groß. Ich arbeite quasi schon mein ganzes Leben daraufhin, bei Olympia dabei zu sein. Ich fand es immer faszinierend, wie stark die Athletinnen bei den Spielen sind, ohne Angst, dort zu turnen.
Vieles geht ja mit Humor leichter. Worüber können Sie lachen?
Varfolomeev: Im Training kommt es manchmal vor, dass ich eine Übung absolviere, alle Schwierigkeiten meistere - und dann das Gerät verliere. Das ist teils traurig, aber hin und wieder mega witzig. Die Witze meiner Familie sind aber auch meist recht lustig.
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Darja Varfolomeev (Mitte) bekommt bei der WM in Valencia Gold am Gerät Ball

Fotocredit: Getty Images

Dazu gehen Sie mit großem Selbstvertrauen in die Wettkämpfe, haben nach eigener Aussage keine Angst. Wie schaffen Sie das mit gerade einmal 17 Jahren?
Varfolomeev: Wenn man im Training zehn Stunden am Tag arbeitet, weiß man, dass man kann, was man da tut. Wieso sollte Angst aufkommen, wenn man etwas schon 100 Mal gemacht und gekonnt hat? Es geht dann einfach darum, es zu zeigen.
Sie sind mit zwölf Jahren ohne Ihre Eltern nach Deutschland ins Internat des Deutschen Turner-Bundes (DTB) nach Fellbach-Schmiden gezogen. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?
Varfolomeev: Der Weg nach Deutschland war mega schwer für mich - ohne die Eltern in einem anderen Land mit einer anderen Sprache. Man weiß nicht, wie man verschiedene Dinge machen soll, denn der Unterschied war groß. Es wurde dann mit kleinen Schritten immer leichter, heute ist es sehr einfach für mich, in Deutschland zu leben. Ich fühle mich absolut wohl hier.
Die Ergebnisse spiegeln das wider. Alleine im vergangenen Jahr sind von den Weltmeisterschaften in Valencia mit fünf Goldmedaillen nach Hause gekommen. Wie fühlte sich das an?
Varfolomeev: Der Weg zu diesen Medaillen war hart und die Arbeit hat sich gelohnt. Als ich sie dann nacheinander gewonnen habe, kam ich mir wie in einem Traum vor. Das hielt auch lange an und eigentlich habe ich es noch nicht wirklich realisiert. Vielleicht habe ich auf eine Medaille gehofft, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass es so laufen würde. Jetzt arbeite ich weiter, denn das größte Ziel ist ja noch nicht erreicht.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Varfolomeev.

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Von Rock bis Dance: Musik der rhythmischen Sportgymnastik macht Laune

Quelle: Eurosport


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