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Tobias Wendl und Tobias Arlt im exklusiven Interview: "Einfach heruntersteigen und nie mehr drauf"
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Publiziert 07/07/2023 um 15:42 GMT+2 Uhr
Tobias Wendl und Tobias Arlt gehören zu den erfolgreichsten Winterolympioniken in der Geschichte. Jeweils sechs Goldmedaillen sammelten die beiden Rodel-Doppelsitzer in ihrer Karriere bei Olympischen Spielen. Im exklusiven Interview mit Eurosport.de sprechen die beiden 36-Jährigen über den "Schmerz" wegen des Zustands ihrer Hausbahn am Königssee - und verraten ihren "Traum" vom letzten Rennen.
Wendl und Arlt exklusiv: "Einfach heruntersteigen und nie mehr drauf"
Fotocredit: Getty Images
Schönau. Ein heißer, wolkenfreier Sommertag. Tobias Wendl und Tobias Arlt blicken auf die Kunsteisbahn am Königssee - ihre Hausbahn, auf der sie sich zu den erfolgreichsten deutschen Winterolympioniken der Geschichte entwickelten.
Doch dort, wo sich die Rodel-Doppelsitzer einst vor einer malerischen Bergkulisse hinunter zum Königssee abstießen, liegen heute nur Gestein und Geröll. Wenige Meter weiter oben, über einem schmalen Bachlauf, fehlt ein Stück der Bahn. Zerstört während der schweren Überschwemmungen im Juli 2021. "Es schmerzt natürlich", gesteht Arlt im exklusiven Interview mit Eurosport.de.
Dem Berchtesgadener ist anzumerken, wie schwer ihm der Blick auf den Kanal fällt, an dem für ihn "so viele Emotionen" hängen. "Es ist unsere Stätte, auf der wir groß geworden sind", erklärt er.
Arlt bedauert, dass rund zwei Jahre nach den Unwettern "immer noch nicht viel vorwärtsgeht". Erst im Herbst 2024 kann voraussichtlich an der Eisbahn mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Abgeschlossen haben die amtierenden Gesamtweltcupsieger trotz ihrer 36 Jahre mit der Kunsteisbahn am Königssee aber längst nicht.
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Tobias Wendl (m.) und Tobias Arlt (r.) im Interview mit Eurosport.de an der Eisbahn am Königssee | Quelle: BSD
Fotocredit: Eurosport
Im Interview sprechen Wendl und Arlt im Berchtesgadener Land über die veränderte Saisonvorbereitung, den Konkurrenzkampf mit Toni Eggert und Sascha Benecken und die Olympischen Spiele 2026 in Cortina d'Ampezzo.
Herr Wendl, Herr Arlt, wir haben knapp 30 Grad, der Winter ist ziemlich weit entfernt. Wie läuft Ihre Vorbereitung auf die Rodelsaison?
Tobias Wendl: Wie Sie sagen: Es ist sehr heiß und wir schwitzen zurzeit sehr viel (lacht). Unser Sommertraining läuft seit April. Aktuell befinden wir uns im Wechsel vom Ausdauer- und Stabi-Block in den Kraftbereich. Jetzt werden die Grundsteine gelegt, da muss man ranklotzen. Je besser wir nun im Sommer trainieren, desto angenehmer wird es im Winter, wenn man die Leistung abrufen muss.
Mit dem Eiskanal haben Sie aktuell also nichts zu tun?
Tobias Arlt: Genau. Die sind alle abgetaut, es sind also Betonröhren. Man könnte die Rodelbahn mit Räderschlitten herunterfahren, das ist dasselbe Gerät nur mit Rädern anstatt der Kufen. Der Jugendbereich trainiert so auch. Wir haben das früher ebenfalls gemacht.
Aber?
Arlt: Inzwischen sind wir zu alt dafür, das haben wir seit fünf oder sechs Jahren nicht mehr gemacht. Zudem sind wir auf den Winter fokussiert und das Fahrgefühl auf den Rädern unterscheidet sich davon doch ein bisschen. Unser Haupttraining spielt sich in der Halle, im Kraftraum oder draußen beim Laufen oder Radfahren ab.
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Tobias Arlt und Tobias Wendl bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking
Fotocredit: Getty Images
Wann geht es für Sie dann erstmals wieder in den Eiskanal?
Wendl: Tatsächlich gibt es vereiste Startstrecken, die rund 200 Meter lang sind. Diese Woche sind wir in Oberhof, wo sich die ganze Mannschaft für eine zentrale Maßnahme trifft. So kommt man im Sommer auch mal auf das Eis. Aber wirklich auf der Rodelbahn sind wir erst wieder Ende Oktober in Sigulda. Da können wir dann auch den neuen Schlitten testen, den wir neben dem Training über den Sommer selbst bauen. Die Entwicklung schreitet da immer voran.
Sie starten zum ersten Mal seit sieben Jahren als Titelverteidiger in den Weltcup. Zuvor hatten Toni Eggert und Sascha Benecken fünf der zurückliegenden sechs Gesamtweltcups gewonnen. Was verändert der Druck, die Gejagten zu sein?
Arlt: Wenn man als deutscher Athlet im Rodelbereich an den Start geht, hat man immer einen Druck von der Presse. Wir sind mittlerweile aber in einem Alter, in dem uns der Druck von außen nicht mehr beeinflusst – und wir uns selbst auch keinen machen. Wir wollen einfach vorankommen, was Fahrlinie, Fahrspur und Material angeht. Der nächste Winter ist ein neuer Winter. Wir starten zwar als Gesamtweltcupsieger in die Saison, aber das erlegt uns nicht mehr Last auf. Wir gehen ganz entspannt und locker an die Sache heran und versuchen, unsere bestmögliche Leistung zu bringen.
Wendl: Aber ein Ziel ist es, schneller als im vergangenen Jahr zu sein. Die paar Hundertstelsekunden, die wir auf einigen Bahnen noch brauchen, wollen wir mit dem neuen Schlitten erreichen.
Sie vergleichen sich also mit Ihren Zeiten aus dem Vorjahr?
Wendl: Wir schauen nicht direkt auf die Zeiten, weil die nach Witterung variieren können. Wir ziehen vielmehr den Vergleich mit den Arrivierten wie Toni und Sascha oder auch den Letten heran und schauen auf die Abstände. Auf gewissen Bahnen geht es sehr knapp zu. Da wollen wir das Stückchen schneller werden.
Sie sprechen über den Konkurrenzkampf mit Eggert/Benecken. Wie sehr treibt Sie diese Rivalität unter Teamkollegen an?
Arlt: Ohne die beiden wären wir nicht da, wo wir momentan sind. Umgekehrt gilt das auch. Die Duelle pushen uns und bringen uns voran. Intern motiviert das dann entsprechend zusätzlich, weil wir wissen: Wenn wir besser als die beiden sind, sind wir im internationalen Vergleich schon ziemlich weit vorne.
Die Deutschen sind die Messlatte im Rodelsport. Seit 2000 wurde 18-mal ein deutsches Duo Gesamtweltcupsieger im Doppelsitzer der Herren.
Arlt: Als wir 2008 zu den Senioren aufgestiegen sind, waren André Florschütz/Torsten Wustlich und Patric Leitner/Alexander Resch noch da. Da konnten wir uns heranziehen und sind irgendwann vorbeigefahren. Dann kamen sofort Toni und Sascha nach – und wir ziehen uns genauso wieder aneinander hoch.
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Tobias Arlt (l.) und Tobias Wendl (r.) im Interview mit Eurosport.de | Quelle: BSD
Fotocredit: Eurosport
Wir befinden uns bei der Eisbahn am Königssee. Wie schwer fällt Ihre Vorbereitung auf die neue Saison ob der Situation rund um den Aufbau der Bahn?
Wendl: Generell konnten wir in der Vorbereitung mit der ganzen Mannschaft hier schon zwei, drei Lehrgänge fahren und haben dann im Januar den Weltcup hier ausgetragen. Wir können das aber kompensieren, weil wir von Kindesbeinen an so eine gute Grundausbildung auf unserer Bahn genossen haben.
Wie meinen Sie das?
Wendl: Wenn die Bahn nicht benutzbar ist, fahren wir in Oberhof oder in Altenberg, halten zwei Trainings ab und alles ist wieder da. Dank der guten Ausbildung, die wir genossen haben, ist es nicht allzu schlimm für uns. Klar wäre es gut, mal zwischen Weihnachten und Neujahr zwei Tage fahren zu können, um etwas auszuprobieren. Dadurch würde man sich den Aufwand sparen, wegzufahren. Viel gravierender ist aber, dass der Nachwuchs dort nicht trainieren kann und uns damit wegfällt. Die müssen da die Grundlage legen.
Wie sehr schmerzt es, Ihre Eisbahn am Königssee momentan so zu sehen?
Arlt: Es schmerzt natürlich. Vor allen Dingen, dass immer noch nicht viel vorwärtsgeht. Der Nachwuchs fällt hintenüber. Wir haben viele junge Talente, die rodeln wollen. Die müssen nun aber nach Innsbruck oder Oberhof fahren. Man muss erst einmal Trainer und Eltern finden, die den Weg auf sich nehmen wollen, die Schulen müssen mitspielen. Für den Nachwuchs ist das brutal – genauso aber auch für uns.
Es ist Ihre Hausbahn.
Arlt: Seit wir denken können, fahren wir auf der Rodelbahn und kennen sie in- und auswendig. Es ist unsere Stätte, auf der wir groß geworden sind. Daran hängen viele Emotionen. Es ist die beste Bahn für uns. Wenn wir mal zwischen einzelnen Rennen etwas testen mussten, sind wir einfach an die Bahn gefahren. Daher hoffen wir, dass der Wiederaufbau schnellstmöglich vorangeht und unsere letzten Fahrten vielleicht noch auf der Bahn stattfinden können.
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Gold und Silber für Deutschland - die Entscheidung der Doppelsitzer
Quelle: Eurosport
Gemeinsam mit Natalie Geisenberger sind Sie die erfolgreichsten deutschen Winterolympioniken. Sie könnten in drei Jahren also zu den alleinigen Spitzenreitern aufsteigen. Inwiefern haben Sie Gold bei den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo 2026 im Visier?
Wendl: Mit 20 Jahren haben wir uns das Ziel gesetzt, zu Olympia 2014 zu fahren. Wir sind aber inzwischen mit 36 Jahren in einem gehobenen Leistungssportleralter, in dem man nicht mehr weiß, ob der Körper gesund durch den Sommer kommt. Wir schließen daher auch keine Sponsorenverträge über zehn Jahre ab. Unser nächstes Ziel ist erstmal die WM in Altenberg im Winter.
Im Februar sind Sie dort hinter Eggert und Benecken auf Rang zwei gelandet.
Wendl: Das ist eine der Bahnen, auf der uns ein paar Hundertstel fehlen. Da wollen wir performen. Und danach setzen wir uns an einen Tisch, trinken ein Bier und sagen: Tobi, hauen wir noch ein Jahr dran oder nicht? Von daher ist Olympia für uns weit entfernt. Es wäre zwar schön, aber wir sprechen nicht davon, dass wir da unbedingt hinfahren und gewinnen wollen. Wir schauen von Jahr zu Jahr.
Was wird bei Ihrer Entscheidung eine Rolle spielen?
Arlt: Es ist einfach wichtig, dass es Spaß macht. Und im vergangenen Jahr hat uns das Rodeln brutal viel Spaß gemacht. Solange wir Freude haben und es mit uns und unseren Körpern passt, hören wir nicht einfach so auf. Aber wie Tobi sagte: Wir schauen von Jahr zu Jahr. Wir haben beide Kinder und Familie. Die werden in diese Entscheidungen natürlich miteinbezogen. Trotzdem: Unser Traum wäre es, noch mal am Königssee zu fahren. Schauen wir mal, ob das realisierbar ist (lacht).
Wendl: Unser letztes Rennen.
Der Karriere-Abschluss am Königssee.
Wendl: Das wäre der Traum. Einfach heruntersteigen und nie mehr drauf (lacht).
Vielen Dank, Herr Wendl. Vielen Dank, Herr Arlt.
Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews sprechen Tobias Wendl und Tobias Arlt über die Bedeutung von Sportstätten für Kinder, die Probleme im Nachwuchs der Doppelsitzer und das Aus von Georg Hackl im Bob- und Schlittenverband Deutschland.
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Arlt & Wendl singen! Olympiasieger crashen Ösi-Interview
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