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"So etwas noch nie erlebt": Südafrika Weltmeister, England im Tal der Tränen

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La joie de Siya Kolisi et des Sud-Africains, champions du monde de rugby 2019.

Fotocredit: Getty Images

VonTobias Laure
02/11/2019 Am 11:49 | Update 02/11/2019 Am 11:49

Südafrika ist Rugby-Weltmeister 2019. Die Springboks gewannen vor 70.000 Zuschauern im International Yokohama Stadium das WM-Finale gegen England mit 32:12 (12:6). Während Südafrika den dritten Titel nach 1995 und 2007 feierte, verpasste die als Favorit ins Endspiel gegangene englische Auswahl den zweiten Triumph nach 2003.

Südafrika hatte von Beginn an Vorteile, war im Gedränge und an den Kontaktpunkten das bessere Team. Infolge dessen verschafften sich die Springboks mit sechs von Handré Pollard verwandelten Straftritten (10., 26., 39., 43., 46., 58.) eine 18:9-Führung.

Makazole Mapimpi (66.) und Cheslin Kolbe (74.) machten mit ihren Versuchen in der zweiten Halbzeit dann alles klar für Südafrika. England kam im Endspiel zu keinem Versuch und punktete nur durch vier Straftritte von Kapitän Owen Farrell (23., 35., 52., 60.), der nach der Partie sagte: "Ich bin stolz auf dieses Team und das, was wir geleistet haben. Glückwunsch an Südafrika, das heute sehr gut war."

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Südafrikas Kapitän Siya Kolisi erklärte:

Ich bin so dankbar, die Mannschaft musste so viele Herausforderungen meistern. Aber die Menschen in Südafrika standen hinter uns. Dafür sind wir sehr dankbar.

Er habe "so etwas noch nie erlebt", so der 28-Jährige, der das Team des von so großen Problemen geplagten Südafrikas als erster dunkelhäutiger Kapitän bei einer Weltmeisterschaft anführte: "Hier haben Menschen aus allen Rassen zusammengestanden. Wir haben gezeigt, dass wir alles erreichen können, wenn wir alle zusammenhalten."

Auf der Tribüne jubelte Francois Pienaar, der - weiße Kapitän - der legendären ersten südafrikanischen Weltmeistermannschaft von 1995 seinem Nachfolger zu. Der damalige Siegeszug im eigenen Land mit dem Finalsieg über Neuseeland hatte vor allem vor dem Hintergrund des offiziellen Endes der Apartheid den Mythos der Springboks begründet. Im Hollywood-Streifen Invictus über die damaligen Geschehnisse spielte Matt Damon die Rolle Pienaars.

England wie im falschen Film

Wie im falschen Film kamen sich am Samstag die Engländer vor, die im Halbfinale noch Topfavorit und Titelverteidiger Neuseeland mit 19:7 entzaubert hatten. Gegen ein Südafrika, das ihnen über 80 Minuten förmlich die Luft zum Atmen nahm, waren die Briten meilenweit vom zweiten Titel nach 2003 entfernt. Wie schon im Finale 2007, als Südafrika mit mit 15:6 zum zweiten Mal Weltmeister wurde, war gegen die Auswahl vom Kap der guten Hoffnung nichts zu holen.

Im Yokohama International Stadium, wo Deutschland 2002 das Finale der Fußball-WM 0:2 gegen Brasilien verloren hatte, musste England zudem früh den Ausfall des starken rechten Pfeilers Kyle Sinckler verkraften, der bereits in der dritten Minute mit einer Kopfverletzung vom Feld musste. Die Briten brachten erst nach 22 Minuten die ersten Punkte zustande, ein Versuch gelang zunächst keiner der beiden Mannschaften, alle Zähler der ersten Halbzeit resultierten aus Straftritten - mit vier verwandelten sorgte Pollard für die Pausenführung der Südafrikaner.

Auch im zweiten Durchgang hielt Südafrika die Briten konsequent in Schach - um am Ende souverän den dritten WM-Titel einzufahren.

"Das ist ein großes Privileg"

Kolisi, dieser körperlich fast unwirkliche Ausnahmeathlet von 105 kg verteilt auf 1,89 m, wurde in den 43 WM-Tagen von Japan zum Gesicht dieser Mannschaft, die die Menschen am Kap wieder näher zusammenbringen sollte. Schon Kolisis Ernennung durch Coach Rassie Erasmus im vergangenen Jahr zum ersten schwarzen Kapitän in der Geschichte des Teams sorgte für Schlagzeilen.

Auch fast ein Vierteljahrhundert, nachdem die Apartheid für beendet erklärt worden war, auch sechs Jahre nach dem Tod Nelson Mandelas war dieser Schritt keine Selbstverständlichkeit. "Ich freue mich, Kapitän zu sein. Das ist ein großes Privileg", sagte Kolisi, der aus einem Township der Hafenstadt Port Elizabeth stammt, vor dem Finale noch einmal. Sein großes Ziel: "Ich möchte alle Menschen repräsentieren."

Siya Kolisi mit dem Webb Ellis Cup

Fotocredit: Getty Images

All Blacks fahren mit Bronze nach Hause

Titelverteidiger Neuseeland, Sieger der beiden vorigen Weltmeisterschaften 2011 und 2015, war im Halbfinale an England gescheitert. Die "All Blacks" sicherten sich durch ein 40:17 am Freitag im kleinen Finale gegen Wales immerhin noch Bronze.

(SID)

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