Olympische Spiele 2024 in Paris: Die Zweifel schwimmen mit - der Doping-Fall China überschattet die Wettkämpfe

Die Kritik der Athletinnen und Athleten reißt nicht ab, die Verantwortlichen sind sich keiner Fehler bewusst. Die möglichen Dopingfälle chinesischer Schwimmer sorgen schon vor dem Start der Olympischen Spiele in Paris für reichlich Wirbel und mächtige Zweifel - egal ob bei den beiden US-Superstars Caeleb Dressel und Katie Ledecky oder dem deutschen Freiwasser-Olympiasieger Florian Wellbrock.

Doping bei Chinas Schwimmern? Ledecky: "Athleten wollen weitere Antworten"

Quelle: Perform

Als die Doping-Frage kam, nahm Caeleb Dressel kein Blatt vor den Mund. Ob er Vertrauen in die Verantwortlichen habe, dass es in Paris faire Wettkämpfe gebe? "Nein, nicht wirklich", lautete die unmissverständliche Antwort des US-Schwimmstars.
Schon vor dem Start der Olympischen Spiele sorgen die möglichen Dopingfälle Chinas aus dem Jahr 2021 und der Umgang der WADA damit für ordentlich Zündstoff - die Kritik der Athleten reißt nicht ab.
"Sie haben uns nicht genug Beweise gegeben, die bestätigen, wie dieser Fall gehandhabt wurde", erklärte Dressel. Die Aussage des siebenmaligen Olympiasiegers verdeutlicht: Die Debatte um die 23 chinesischen Schwimmer, die nach Recherchen der "ARD" und der "New York Times" vor den Olympischen Spielen 2021 in Tokio positiv auf ein verbotenes Herzmittel getestet worden waren, belastet das Verhältnis von Sportlern und Funktionären derzeit massiv.
Die Kernfrage: Ist die Welt-Anti-Dopingagentur als Wächter über einen sauberen Sport noch glaubwürdig?

Ledecky fordert Transparenz

US-Ausnahmeschwimmerin Katie Ledecky hatte bereits im Vorfeld der Spiele mehr Transparenz gefordert. "Jeder hat mitbekommen, was die Athleten denken", sagte die siebenmalige Olympiasiegerin und 21-malige Weltmeisterin: "Sie wollen weitere Antworten auf die Fragen, die noch offen sind."
Gleichzeitig machte sich Ledecky stark für weltweit einheitliche Tests, während auch Rekord-Olympiasieger Michael Phelps zu Reformen bei der WADA aufrief.
Deutschlands Schwimmstar Florian Wellbrock hielt sich zwar auf der Pressekonferenz am Donnerstag zurück - doch im Vorfeld hatte auch er in einem "FAZ"-Interview mit Blick auf das Vorgehen im Fall China von einem "schlechten Witz" gesprochen. Ob der Magdeburger den Eindruck habe, dass für alle die gleichen Regeln gelten würden? "Na ja, offensichtlich nicht."

WADA im Kreuzfeuer

Im Frühjahr hatten Recherchen von "ARD" und der "New York Times" offengelegt, dass die 23 positiv getesteten Schwimmer aus China von der WADA nicht gesperrt worden waren. Diese verließ sich auf eine Untersuchung der chinesischen Behörden, die eine Kontamination in einer Hotelküche als Grund für die positiven Proben angab. Elf der betroffenen Schwimmer werden auch in Paris an den Start gehen.
Mögliche Zweifel versuchte der Schwimm-Weltverband World Aquatics deshalb aus dem Weg zu räumen und verkündete in einer Mitteilung am Dienstag, im Rahmen eines "strengen Testprogramms" 2.145 Anti-Doping-Tests bei Olympia-Teilnehmern seit dem 1. Januar durchgeführt zu haben. Einschließlich der Kontrollen anderer Organisationen seien es sogar 4.774 gewesen.
Die 31 chinesischen Schwimmer seien dabei von World Aquatics am häufigsten getestet worden, im Durchschnitt 13-mal pro Athlet. Präsident Husain Al-Musallam betonte zudem, man "haben Vertrauen in die Arbeit, die gemacht wurde". Das haben die Sportler um Dressel offenbar nicht.

IOC pikiert über US-Kritik

Seitdem das Vorgehen der WADA durch die "ARD" und die "New York Times" öffentlich gemacht wurde, kommt vor allem aus den USA scharfe Kritik. Der Streit spitzt sich immer weiter zu: Auf der einen Seite die US-Anti-Doping-Agentur USADA und die US-Behörden, auf der anderen Seite die WADA und das Internationale Olympische Komitee.
Das IOC verankerte unter anderem im Ausrichtervertrag der Winterspiele 2034 in Salt Lake City einen Passus, mit dem es den USA die Spiele in zehn Jahren entziehen kann, wenn die Behörden die WADA "nicht vollständig respektieren".
Es sei "schockierend zu sehen, dass das IOC selbst zu Drohungen greift, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die nach Antworten auf jetzt bekannte Fakten suchen", schrieb US-Dopingjäger Travis Tygart, der zudem die WADA als "Schoßhündchen des Sports" bezeichnete.

Die Zweifel bleiben

Während die Giftpfeile auf höchster Ebene weiter hin- und herfliegen, schwimmen bei Dressel und Co. im Becken von Paris die Zweifel mit.
"Ich hoffe, dass alle, die hier an den Start gehen, sauber sind", sagte beispielsweise Ledecky und drückte damit ihr weiter großes Misstrauen aus. Eine valide Antwort wird die US-Amerikanerin wohl nicht erhalten, ebenso wenig auf eine weitere entscheidende Frage: "Haben sie auch sauber trainiert?"
(SID)
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Olympiasieger Wellbrock: "Seine immer noch turbulent"

Quelle: Perform


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