Olympia 2024 in Paris: Lukas Märtens ist als Weltjahresbester über die 400 Meter eine deutsche Medaillenhoffnung

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Lukas Märtens ist der schnellste Schwimmer des Jahres über die 400 Meter Freistil. Das macht ihn zu einem Medaillenfavoriten bei Olympia in Paris. Der WM-Dritte ist bei seinen zweiten Spielen selbstbewusst und gereift. Der 22-Jährige spricht im Exklusiv-Interview mit Eurosport über seine Ziele, die Favoritenrolle das Wettkampfbecken und die Eindrücke des Olympischen Dorfs.

Goldhoffnung Märtens: "Langsam fängt es an zu kribbeln"

Quelle: Eurosport

Mit dem Pariser Becken konnte sich Märtens in den vergangenen Tagen schon anfreunden. Die deutsche Medaillenhoffnung ist mit der Wasserlage sehr zufrieden.
Viel Zeit zum Warmwerden bleibt ohnehin nicht: Seine Paradestrecke, die 400 Meter, sind der erste Schwimmwettbewerb am Samstag (live auf Eurosport und discovery+). "Das Programm ist eines der schwereren, aber wir haben uns das so ausgesucht", sagt er im Exklusiv-Interview mit Eurosport-Reporter Matthias Sandten.
Der 22-Jährige spricht über seine Favoritenrolle nach seiner Fabelzeit bei den Deutschen Meisterschaften - nur der Australier Ian Thorpe und Paul Biedermann waren jemals schneller über diese Strecke. "Ich bin nicht hier, um einfach mitzuschwimmen", gibt sich Märtens selbstbewusst.
Wie finden Sie die Schwimmhalle und das Becken in Paris?
Lukas Märtens: Es ist schon eine schöne Halle, muss ich sagen. Ein schönes Becken, es fühlt sich sehr schnell an. Man liegt hier gut auf dem Wasser, das ist immer ganz wichtig. Der Beckenboden ist nicht so tief, was ich mag. Die Halle fühlt sich insgesamt einfach gut an bisher
Das sind nicht Ihre ersten Olympischen Spiele. Sie sind näher an der Heimat als beim letzten Mal. Was sind die Gefühle, die Ihnen durch den Kopf gehen?  
Märtens: Man spielt natürlich ein paar Szenarien durch, wie es laufen könnte, optimalerweise. Langsam fängt es auch schon ein bisschen an zu kribbeln. Es geht bald los, es ist also nicht mehr weit. Da malt man sich schon sein Traumszenario aus, aber da möchte ich jetzt noch nicht viel verraten.
Sind Sie jemand, der dieses Kribbeln nutzen kann?
Märtens: Das Adrenalin, das langsam kommt, hilft einem auf Trab zu kommen, wach zu bleiben. Es ist ja auch immer nicht ganz so leicht, mit den ganzen Eindrücken hier klarzukommen, weil im Olympischen Dorf wieder viel reinprasselt.
Langsam fängt es auch schon ein bisschen an zu kribbeln. Es geht bald los, es ist also nicht mehr weit. Da malt man sich schon sein Traumszenario aus, aber da möchte ich jetzt noch nicht viel verraten.
Finden Sie das gut, dass Sie gleich am Anfang an der Reihe sind?
Märtens: Ja, ich bin das gewohnt. Es war die letzten Jahre auch so, dass die 400 Meter als Erstes an der Reihe sind. Von daher komme ich damit gut klar, es ist kein extra Druck für mich. Im Gegenteil: Ich finde es eher ganz geil, wenn ich meinem Team oder mir selber einen kleinen Push geben kann. Das hat meistens geklappt, hoffentlich klappt es jetzt wieder.
Aber danach geht es am nächsten Tag relativ früh wieder weiter.
Märtens: Das Programm ist, glaube ich, eines der schwereren, würde ich sagen. Aber wir haben es uns so ausgesucht, wir haben die letzten Jahre dafür hart trainiert, auch in der Konkurrenz immer wieder diese ständige Wettkampfhärte versucht auszubauen. Ich denke, da bin ich sehr gut aufgestellt.
Was sind so Dinge, die Sie dann zur Regeneration brauchen? Das bedeutet wahrscheinlich eine kurze Nacht.
Märtens: Die Nacht zu den 400 Metern sollte hoffentlich ein bisschen länger sein. Die Nächte werden wahrscheinlich immer relativ kurz sein. Es hängt auch ein bisschen davon ab, wie das Zeitmanagement funktioniert, ob die Busse pünktlich zu den Anlagen kommen, wie es in der Mensa aussieht und so weiter. Man kann nicht alles beeinflussen. Also mache ich das, was ich machen kann, sprich, mich gut nachbereiten, ordentlich ausschwimmen. Und so frisch wie möglich zu bleiben, das wird natürlich je weiter der Wettkampf geht, umso schwerer. Aber ich denke, wir haben da mittlerweile unsere Routine gefunden und hoffen natürlich, dass die Rahmenbedingungen ganz gut stimmen.
Bei den Deutschen Meisterschaften waren Sie nah am Weltrekord. Wie ist der Kontakt zum Weltrekordhalter Paul Biedermann?
Märtens: Wir hatten schon öfter Kontakt. Manchmal ist es immer schwierig mit den Nachrichten, weil es wirklich jetzt zu Olympia hin natürlich wirklich viel wird. Aber es freut mich natürlich, wenn jemand wie er, der diesen Rekord aufgestellt hat, mich dann anschreibt, das ist schon schön.
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Lukas Märtens gewann Bronze bei der WM in Doha

Fotocredit: Getty Images

Er ist damals mit dem „schnellen Anzug“ geschwommen und Sie nicht, aber auch von der Renneinteilung gibt es Unterschiede. Sie schwimmen gerne von vorne weg?
Märtens: Zum Ende wird es immer schwerer und man kann vor allem auf dem Niveau kein Rennen so locker von vorne angehen. Das funktioniert einfach nicht. Eigentlich bin ich ein Freund davon, die Rennen ein bisschen mutiger anzugehen. Das geht nicht immer gut. Aber auf dem Niveau habe ich das schon ganz gut hinbekommen. Bei den Deutschen Meisterschaften habe ich gesehen, dass die Einteilung so weit ganz gut gepasst hat.
Wenn Sie die letzten Tage betrachten, sind die Trainingsergebnisse so, dass Sie an so eine Zeit wie bei der DM noch mal herankommen können?
Märtens: Laut den Trainingsergebnissen stimmt die Form. Da mache ich mir wenig Gedanken. Es muss halt, im Kopf alles sitzen. Und dann kann man seine Leistung auch dementsprechend abrufen. Ich bin optimistisch.
Ich bin ja schon einer der Kandidaten, die vielleicht mit vielen Medaillen heimkommen. Und das gibt dem Team natürlich ein geiles Gefühl, wenn man vielleicht sogar die Hymne singen kann.
Wie ist die Stimmung in der Staffel? Sie werden auch über die 4x200 Meter an den Start gehen.
Märtens: Dieses Rennen am Anfang, das kann dem Team einen unheimlichen Schub geben. Wenn man da direkt eine Medaille oder mehr holt, das kann das ganze Team beflügeln. Mittlerweile bin ich nicht mehr jemand, der nur mal ins Finale schnuppern möchte und teilnehmen möchte. Ich bin ja schon einer der Kandidaten, die vielleicht mit vielen Medaillen heimkommen. Und das gibt dem Team natürlich ein geiles Gefühl, wenn man vielleicht sogar die Hymne singen kann. Trotzdem sind wir ein Team. Da gehören auch andere Leute zu. Und ich denke, jeder trägt da seinen Teil dazu bei.
Und im Vergleich zu vor vier Jahren, du bist sicherlich gereift als Sportler, als Mensch. Inwiefern sind Sie als Mensch reifer geworden in den vergangenen drei Jahren? Was sind Aspekte, die anders geworden sind, besser geworden sind?
Märtens: Man merkt auf jeden Fall, dass man mit dem Alter deutlich abgeklärter wird und dass man vor allem auch Routinen weiter festigen kann. Das ist natürlich eine Frage der Zeit. Mit 16 Jahren kann noch nicht alles sitzen. Das ist ganz klar. Ich bin jetzt 22, das ist ein gutes Schwimmeralter, man ist noch nicht zu alt ist, aber auch nicht mehr blutjung. Man kann schon mit einem gewissen Selbstbewusstsein in die Rennen gehen, weil man auch schon ein bisschen was erlebt hat.
Alle wollen mir diesen Platz jetzt abjagen. Da muss ich dagegenhalten und dementsprechend auftreten. Es ist klar, dass ich nicht hier bin, um einfach mal ein bisschen mitzuschwimmen, ein bisschen Spaß zu haben.
Sie sind "the Man to catch" jetzt. Auf 400 Meter und auf 200 Meter sicher auch. Fühlen Sie sich wohl in dieser Rolle?
Märtens: Ich muss mein eigenes Ding machen. Ich darf nicht zu sehr auf die Konkurrenz schauen. Weil das bringt meistens nichts Gutes - es bringt auch nichts. Alle wollen mir diesen Platz jetzt abjagen. Da muss ich dagegenhalten und dementsprechend auftreten. Es ist klar, dass ich nicht hier bin, um einfach mal ein bisschen mitzuschwimmen, ein bisschen Spaß zu haben.
Der Druck von hinten kann ja auch motivieren.
Märtens: Absolut. Ich bin ja in Berlin nicht alleine geschwommen. Und auch jetzt habe ich mit großer Sicherheit welche neben mir. Wenn ich da alleine vorne wegschwimmen würde, würde ich natürlich auch einen Rekord nehmen. Aber ich glaube, das ist jetzt mal relativ unwahrscheinlich, weil ich noch nicht so gut bin.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Märtens.

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Quelle: Perform


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