Kira Weidle-Winkelmann im exklusiven Interview mit Eurosport über zehn Jahre Ski-Weltcup: "Ich erkannte mich selbst nicht wieder"

Kira Weidle-Winkelmann blüht nach zwei schwierigen Jahren in dieser Saison wieder auf. Bei der Abfahrt in Val d'Isere im Dezember fuhr die 29-Jährige auf Rang zwei und erreichte drei weitere Top-15-Platzierungen. In Altenmarkt/Zauchensee feiert Weidle-Winkelmann ihr zehnjähriges Weltcup-Jubiläum. Eurosport traf die deutsche Speedspezialistin vor den Rennen am Wochenende zum exklusiven Interview.

Kira Weidle-Winkelmann: "Du stehst am Start und weißt nicht mehr, was du machen sollst!"

Quelle: Eurosport

Am Donnerstag setzte Kira Weidle-Winkelmann ein Ausrufezeichen. Sie beendete das Training zur Weltcupabfahrt in Zauchensee (Sa., 11:30 Uhr bei Eurosport und discovery+) als Schnellste.
"Ich mag die Strecke sehr und bin hier schon einige gute Rennen gefahren", sagte die 29-Jährige im Gespräch mit Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg.
In Zauchensee begann 2016 die Karriere von Weidle-Winkelmann, jetzt steht ihr zehnjähriges Jubiläum im Weltcup an.
Im Exklusiv-Interview mit Eurosport spricht die Vize-Weltmeisterin in der Abfahrt von 2021 über das privilegierte Leben als Rennläuferin, aber auch offen und schonungslos über tiefe Täler.
Kira, Sie feiern in Zauchensee Ihr zehnjähriges Jubiläum im Weltcup. Ist das schon angekommen?
Kira Weidle-Winkelmann: Wahnsinn, wie die Zeit fliegt. Anfang der Saison habe ich meinen Servicemann gefragt: "Wie lange sind wir eigentlich schon beieinander?" Unglaublich, dass es schon zehn Jahre sind. Und dann auch noch hier in Zauchensee - das ist ein ganz spezieller Weltcup für mich.
Wenn Sie zurückblicken: Was bleibt hängen aus diesen zehn Jahren?
Weidle-Winkelmann: Ich habe viele Höhen und Tiefen erlebt. Es waren gute Jahre dabei, ich war Vize-Weltmeisterin. Die letzten beiden Jahre waren schwieriger. Aber diese Tiefen gehören einfach dazu - wie im echten Leben. Es geht nicht immer nur bergauf. Das macht diese Reise aber auch so spannend. Die Höhen und Siege zu feiern, aber dann auch wieder aus den Tälern herauszukommen. Das ist sehr reizvoll.
Ich brauche Spaß und eine gewisse Lockerheit. Das spiegelt sich bei mir auch auf dem Ski wider. Wenn ich zu sehr an Ergebnisse denke und zu verbissen bin, stehe ich steif auf dem Ski. Dann ist das Ganze nicht mehr im Flow, sondern ein Gewürge.
Was nehmen Sie sich für die nächsten zehn Jahre im Weltcup vor?
Weidle-Winkelmann: Ich weiß nicht, ob es zehn Jahre noch geben wird. (schmunzelt) Ich möchte einfach Spaß haben und es genießen, wenn ich Rennen fahre. Dieses Leben, das ich die letzten Jahre führen durfte, ist ein Privileg. Natürlich ist das mit viel Arbeit verbunden, aber es ist das Schönste, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann und man die meiste Zeit viel Spaß hat bei dem, was man tut.
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Kira Weidle-Winkelmann fuhr der Musik im Weltcup zwei Jahre hinterher

Fotocredit: Getty Images

Sie sind nach einer schwierigen Zeit super in die neue Saison gestartet. Was haben Sie verändert?
Weidle-Winkelmann: Ganz wichtig bei mir ist der Faktor "Freude am Fahren". Ich brauche Spaß und eine gewisse Lockerheit. Das spiegelt sich bei mir auch auf dem Ski wider. Wenn ich zu sehr an Ergebnisse denke und zu verbissen bin, stehe ich steif auf dem Ski. Dann ist das Ganze nicht mehr im Flow, sondern ein Gewürge. Dann steche ich Schwünge ab und mache Fehler, die nicht sein müssen. Das war die letzten beiden Jahre immer wieder das Problem. Grundsätzlich hat das Skifahren gepasst, aber im Wettkampf konnte ich es nicht liefern. Ich habe diesmal versucht, die Lockerheit aus der Vorbereitung mit in die Rennsaison zu nehmen. Auch am Renntag Spaß zu haben, wenn ich mich mit den Besten der Welt messen kann. Das ist ja auch cool. Bis jetzt läuft es ganz gut.
Da gab es letztes Jahr schon ein paar Momente, in denen ich gedacht habe: 'Ich erkenne mich selbst nicht mehr.' Es war schon krass, das mal zu spüren. Das wünsche ich keinem.
Inwieweit haben die Rückschläge Sie geprägt?
Weidle-Winkelmann: Es ist ganz schwer, wenn man alles versucht, was einem so einfällt, und es funktioniert einfach gar nichts. Egal, was: Du stehst am Start oben und weißt nicht mehr, was du machen sollst. Auch während der Fahrt nicht. Das waren manchmal auch schockierende Erlebnisse. Ich hätte niemals gedacht, dass mir sowas passiert. Ich habe mich immer sehr wohlgefühlt mit meinem Setup, meinem Ski und mit der Geschwindigkeit. Da gab es letztes Jahr schon ein paar Momente, in denen ich gedacht habe: "Ich erkenne mich selbst nicht mehr." Es war schon krass, das mal zu spüren. Das wünsche ich keinem. Aber vielleicht braucht es manchmal dieses ganz tiefe Tal, um da wieder rauszukommen und seine Lektionen daraus zu lernen. In dieser Saison läuft es ganz gut, aber trotzdem hat man das immer im Hinterkopf. Man holt sich das wieder hoch und überlegt, wie man da wieder rauskommen kann. Das prägt einen sehr.
Macht das aus einem einen anderen Sportler?
Weidle-Winkelmann: Nicht nur das - es verändert einen auch als Mensch. Ob beim Konditionstraining, beim Autofahren oder im Umgang mit seinen Mitmenschen - man kann in jeder Lebenssituation daran arbeiten. Wir streben als Leistungssportler alle nach Perfektion, aber man muss auch Fehler zulassen und nicht immer nur diese unendliche Perfektion sehen. Man muss auch mal Mensch sein dürfen und sehen: "Okay, ich darf mir auch Fehler erlauben." Ich muss nur daraus lernen und es wieder besser machen.
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Quelle: Eurosport


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