Die Österreicher wollten Romed Baumann nicht mehr haben - vor eineinhalb Jahren warfen sie ihn mehr oder weniger raus. Beim Deutschen Skiverband (DSV) nahmen sie den Routinier nach einigem Zögern auf, und sie haben es nicht bereut. Baumann, verheiratet mit einer Deutschen, fährt als Deutscher so schnell wie schon seit Jahren nicht mehr: Am Dienstag überzeugte er beim Weltcup im italienischen Bormio mit einem starken siebten Rang im Super-G. Und nicht nur er.
"Ein richtig cooler Tag, mir ist alles aufgegangen, was ich mir vorgenommen habe", sagte Baumann. Beim Premierensieg von Ryan Cochran-Siegle (USA), der mit einem gewaltigen Vorsprung vor Vincent Kriechmayr aus Österreich (+0,79 Sekunden) und Adrian Smiseth Sejersted aus Norwegen (+0,94) auf Platz eins fuhr, überzeugte überraschend auch Simon Jocher: Der 24 Jahre alte Schongauer vom Ski-Club Garmisch fuhr in seinem achten Rennen im Weltcup als 15. erstmals in die Punkteränge.
Baumann hatte bei der ersten Zwischenzeit sogar noch vor dem offensichtlich formstarken Cochran-Siegle gelegen, im Ziel war er dann 1,45 Sekunden zurück - wollte sich darüber allerdings nicht grämen. Über seine Platzierung, versicherte er, "bin ich selbst überrascht". Tatsächlich war Baumann in einem Super-G zuletzt im Februar 2016 in die Top 10 gefahren. "Topmotiviert" gehe er nun in die Abfahrt am Mittwoch (11.30 Uhr), sagte er nach seiner dritten Top-10-Platzierung in diesem Winter.
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Der Wert von Baumann bemisst sich nicht nur in seiner eigenen Leistung, wie der glückliche Jocher bestätigte. "Roman hat mir noch den Tipp gegeben, ich muss Gas geben da runter", erzählte der deutsche Überraschungsmann des Tages. Auf der gnadenlosen Piste "Stelvio" ist das leichter gesagt als getan, aber Jocher nahm sein Herz in die Hand und vollbrachte mit Startnummer 41 eine Großtat. "Ich bin natürlich mega happy, erstmals Punkte, und dann gleich als 15., megageil", sagte er. Platz 15 ist zudem die halbe Norm für die WM im Februar.

Erfolge trotz Dreßen-Ausfall

Trotz des Ausfalls von Thomas Dreßen, der nach seiner Hüftoperation womöglich die gesamte Saison verpassen wird, liefern die deutschen Abfahrer beständig bemerkenswerte Resultate - auch, weil sie sich gegenseitig unterstützen. So bedankte sich Baumann, im Januar bei der Abfahrt in Kitzbühel als Siebter sogar besser als jeder Österreicher, bei seinen Teamkollegen Andreas Sander und Josef Ferstl - sie hätten ihm nach ihrer Fahrt "super Infos" zur Strecke gegeben.
Sander (+2,15) und Ferstl (+2,16) fuhren auf die Ränge 20 und 21 und damit im Gegensatz zu Manuel Schmid in die Punkte, zufrieden waren sie freilich mit ihrer Leistung nicht. "Ich war ein bisschen zu passiv", räumte der zu Saisonbeginn überzeugende Sander ein, und auch Ferstl gab enttäuscht zu Protokoll: "Ich hab viel probiert, aber ich hab's nicht auf dem letzten Zacken durchgezogen. Es geht grad ein bisschen zäh."
Cochran-Siegle befindet sich derweil in bestechender Form. Der Sohn von Barbara Ann Cochran, Slalom-Olympiasiegerin von 1972, war vor eineinhalb Wochen in Gröden als Zweiter in der Abfahrt erstmals auf Podest gefahren. In Bormio hatte er sich bislang als Favorit auf den Sieg in der Abfahrt präsentiert: In den beiden Trainingsfahrten war er jeweils der Schnellste gewesen. "Ich weiß nicht, wie das geht", behauptete er.
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