Nach dem letzten Rennen des Jahres war Romed Baumann ein klein wenig ratlos. "Ich habe eigentlich das Gefühl gehabt", sagte der derzeit beste deutsche Abfahrer, "dass es keine so schlechte Fahrt war". Die Ergebnisliste der spektakulären und spannenden Abfahrt auf der herausfordernden Piste "Stelvio" im italienischen Bormio wies ihn freilich nur auf Rang 14 aus. Zum ersten Mal seit einem Jahr verpassten die deutschen Ski-Rennläufer damit in der alpinen Königsdisziplin eine Top-Ten-Platzierung.
Auf der Stelvio, einer 3,3 Kilometer langen, vor allem aber schier unzähmbaren Strecke, geht es häufig sehr knapp zu - so auch diesmal. Der zweifache Olympiasieger Matthias Mayer aus Österreich war nur 0,04 Sekunden schneller als sein Landsmann Vincent Kriechmayr, weitere 0,02 Sekunden zurück folgte dann der aufstrebende Schweizer Urs Kryenbühl.
Für die darbenden Österreicher endete damit eine Serie von immerhin 22 Rennen ohne Weltcup-Sieg bei Frauen und Männern. Der letzte war im März in Kvitfjell ebenfalls Mayer gelungen.
Bormio
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"Es ist selten, dass wir auf einer so schweren Strecke ein so enges Rennen hatten. Mit einer Sekunde Rückstand bist du bei anderen Rennen auf dem Podium", sagte Baumann, der tags zuvor als starker Siebter im Super-G auf der Stelvio zu gefallen wusste.

Bormio: Jocher überzeugt auch in der Abfahrt

Seine Einschätzung traf nicht ganz zu: Ein Rückstand von 1,02 Sekunden wie von Baumann reichte in einer Abfahrt zuletzt vor fast fünf Jahren in Wengen für das Podest: Der damals drittplatzierte Klaus Kröll (Österreich) lag sogar 1,52 Sekunden hinter Sieger Aksel Lund Svindal (Norwegen).
Diesmal waren auch die 0,43 Sekunden, die Baumann zu den angestrebten Top 10 fehlten, zu viel. Noch weiter zurück lagen seine fünf Mannschaftskollegen: Immerhin fuhren Andreas Sander (Ennepetal/19.), Manuel Schmid (Fischen/21.), Simon Jocher (Garmisch/26.), Josef Ferstl (Hammer/27.) sowie Dominik Schwaiger (Königssee/30.) in die Punkteränge.
Dem jungen Jocher gelang dies in seinem neunten Weltcup-Rennen sogar schon den zweiten Tag nacheinander: Im Super-G war er auf einem beeindruckenden 15. Platz gelandet.

Ritt über die Stelvio: Baumann überzeugt auch in der Abfahrt

Bormio: Sander geht nicht komplett ans Limit

Ein wenig nachgelassen hat zuletzt Sander, der mit drei Top-Ten-Platzierungen so verheißungsvoll in die Saison gestartet war. Er habe sich auf der Stelvio "die Kampflinie nicht ganz zugetraut, ich hätte noch mehr ans Limit gehen müssen in zwei, drei Passagen", räumte er ein.
Dennoch fand er seinen Jahresabschluss "ganz versöhnlich", wohl auch, weil es sein bestes Abfahrtsresultat auf der Stelvio war. Dass er mehr kann, weiß Sander aber auch: "Ich hoffe natürlich, dass der Januar besser anfängt als der Dezember aufhört."
Die nächsten Abfahrten der Männer sind für den 15. und 16. Januar in Wengen angesetzt, gefolgt von Kitzbühel, Garmisch - und der WM in Cortina d'Ampezzo (8. bis 21. Februar 2021). Beginnen soll das neue Jahr für Frauen und Männer mit den Slalom-Rennen in Zagreb (3. und 6. Januar).
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(SID)

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