Ski Alpin - Romed Baumann verkündet Rücktritt im Interview: "Irgendwann kommt für jeden der Zeitpunkt"
Update 01/03/2026 um 21:55 GMT+1 Uhr
Romed Baumann hat nach 22 Jahren und insgesamt fast 400 Starts im Weltcup seine erfolgreiche Karriere beendet. Der gebürtige Österreicher gewann für Deutschland die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften in 2022. Seine 167. Abfahrt, ausgerechnet beim Heimrennen auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen, war gleichzeitig Rekord und das letzte Rennen seiner einzigartigen Laufbahn.
Baumann exklusiv zum Rücktritt: "Olympia-Nichtnominierung hat reingespielt"
Quelle: Eurosport
Die Zeichen standen auf Abschied, das war nicht zu übersehen. Als Romed Baumann bei seiner 167. und nun auch letzten Abfahrt im Weltcup in große Schwierigkeiten geriet, ging er kein Risiko mehr ein. Der 40 Jahre alte Routinier bremste ab, verließ die "Kampflinie" und ließ es danach austrudeln.
Das Ziel der sonnenüberfluteten Kandahar in Garmisch-Partenkirchen erreichte Baumann am Samstag mit mehr als 15 Sekunden Rückstand auf den Tagesbesten Marco Odermatt, in der rechten Hand hielt er beide Stöcke, mit der linken winkte er ins Publikum. Ein letztes Mal, wie sich einen Tag später herausstellte.
Was sich am Samstag angedeutet hatte, machte Baumann dann nach der nebelbedingten Absage des Super-G in "Gap" am Sonntag auch offiziell: Karriereende nach 22 Jahren und 387 Starts im Weltcup - darunter eben 167 in der alpinen Königsdisziplin, so viele wie der gebürtige Tiroler, der seit 2019 für den deutschen Verband fuhr, hat sonst keiner.
Im Interview mit Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg verriet er die Gründe für seine Entscheidung.
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Abschied bei der Kandahar-Abfahrt: Das war Baumanns letztes Rennen
Quelle: Eurosport
Viktoria Rebensburg: Romed, Du hast Dein Karriereende bekannt gegeben. Wie geht es Dir gerade? Wie sind Deine Gefühle?
Romed Baumann: Mir geht es gut. Ich habe es gestern am Nachmittag entschieden. Das Gefühl ist gewachsen. Und dann habe ich gewusst, jetzt ist es so weit. Natürlich wäre es schön gewesen, mich heute mit einer Trainingsfahrt vor Heimpublikum zu verabschieden. Der Nebel hat leider nicht mitgespielt. Aber es war trotzdem schön hier unten. Die Mannschaft hat mich empfangen und mit Sekt geduscht. Es passt so, wie es ist.
Rebensburg: Wie war der Entscheidungsprozess? War es so, dass es Dir immer klarer geworden ist?
Baumann: Die Nichtnominierung für Olympia hat hineingespielt. Dann war irgendwo das Ziel weg. Du schaust daheim Olympia und fragst Dich "So wie die attackieren, bringst Du das nochmal?" Und ich glaube, das schaffe ich nicht mehr. Ich habe es noch einmal probiert und mich für den Heimweltcup motiviert und Fokus zu schaffen. Das ist mir nicht gelungen. Ich muss mir nicht vorwerfen, dass ich nicht alles gegeben hätte. Irgendwann kommt bei jedem der Zeitpunkt.
Rebensburg: Du hast es gestern dem Team mitgeteilt. Was waren Deine Gründe, dass Du es so lange für Dich behalten hast?
Baumann: Das ist ein kleiner Aberglaube von mir. Ich habe es immer so gemacht. Ich wollte nicht vorher sagen, dass das jetzt die letzte Abfahrt ist. Und das hat mich gut vor Verletzungen verschont.
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Baumanns WM-Sternstunde: Haarscharf an Super-G-Gold vorbei
Quelle: Eurosport
Rebensburg: Gestern war vom Rennen an sich, der Stimmung und den Verhältnissen noch einmal ein Highlight. Und du hast den Rekord gebrochen. Hat das eine Rolle gespielt?
Baumann: Ich habe erst am Donnerstag gelesen, dass ich knapp davor bin, mir den zu holen. Es ist schon cool, dass sich das noch ausgegangen ist. Ich habe aber nicht extra darauf hingearbeitet. Es ist aber ein Beweis, dass ich über sehr lange Zeit den Abfahrtssport verletzungsfrei ausüben durfte. Dafür bin ich sehr dankbar.
Rebensburg: Was waren in Deiner Karriere die Momente, die für Dich hängengeblieben sind?
Baumann: Der Wechsel zum DSV war sehr einschneidend und dann natürlich der Gewinn der Silbermedaille in Cortina (Anm. der Redaktion: Bei der Weltmeisterschaft 2021 im Super-G). Dass ich in Schladming bei der Heim-WM Bronze geholt habe, war auch ein prägender Moment und natürlich das Podium in Kitzbühel, Weltcupsiege. Es waren sehr viele schöne Sachen dabei in diesen 20 Jahren. Schade, dass die Zeit vorbei ist, aber es kommt jetzt auch etwas Cooles.
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Romed Baumann gewann bei WM 2021 Silber
Fotocredit: Getty Images
Rebensburg: Hast Du schon Ideen, wie es weitergeht? Auf was freust Du Dich am meisten?
Baumann: Das ist schwierig. Man hatte immer einen geregelten Ablauf, einen Trainingsplan. Man baut den ganzen Tagesrhythmus darauf auf. Das ist erst einmal weg. Ich werde jetzt erst einmal Zeit genießen, dass ich mir Zeit für die Familie nehmen kann. Wir gehen im Frühjahr mit den Kindern Skifahren. Ich habe letztes Jahr mit der Trainerausbildung begonnen. Das Ziel möchte ich verfolgen. Die Erfahrung, die ich habe, möchte ich weitergeben. Am meisten würde mich die Arbeit mit den jungen Athleten interessieren.
Rebensburg: Das heißt, wir sehen Dich auf jeden Fall im Skibusiness wieder?
Baumann: Ich hoffe es. Vielleicht nicht in den nächsten zwei, drei Jahren. Aber irgendwann tauche ich sicher wieder auf.
Rebensburg: Es wäre schon und für den Nachwuchs überragend, wenn jemand, der so viel Erfahrung wie Du hat, das weitergeben kann.
Baumann: Wenn ich mich an die prägendsten Trainer zurückerinnere, die ich hatte, dann ist der Großteil aus meiner Jugendzeit. Da kann man sehr viel bewirken. Und es wäre cool, wenn wir in Deutschland auch wieder mehr Nachwuchs haben und nicht nur ein tolles Publikum, sondern dass die auch wieder live sehen, wie wir performen.
Rebensburg: Romed, vielen Dank für alles und die tollen Rennen, die Du gezeigt hast. Alles Gute für die Zukunft.
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(mit SID)
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Vogt nach Saisonaus: "Es tut extrem weh"
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