Odermatt vor Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen im Interview: "Spaßfaktor und Motivation sind wieder viel größer"

Nach Olympia gönnte sich Marco Odermatt erstmals eine echte Pause - und schöpfte neue Energie für den Saisonendspurt. Im Interview spricht der Gesamtweltcupführer über drei Medaillen ohne Gold, den rasanten Aufstieg von Franjo von Allmen, teaminterne Rivalität und den Kampf um die letzten Kristallkugeln. Klar ist: Die entscheidenden Rennen stehen noch bevor.

Odermatt blickt auf Olympia zurück: "Ein kleines Aber ist dabei"

Quelle: Eurosport

Nach intensiven Wochen zwischen Weltcupstress und Olympia-Trubel konnte Marco Odermatt zuletzt ein wenig Durchatmen. Die kurze Pause zuhause kam für den Gesamtweltcupführenden genau zum richtigen Zeitpunkt - körperlich wie mental.
Denn Januar und Februar verlangten dem Schweizer alles ab. Rennen, Reisen und große Erwartungen ließen kaum Raum, um abzuschalten.
Auf den ersten Blick schaut Odermatt auf erfolgreiche Winterspiele zurück. Drei olympische Medaillen stehen zu Buche - ein Ergebnis, mit dem er aber nicht ganz zufrieden ist, schwingt bei einem Athleten seines Kalibers der Anspruch auf Gold doch immer mit.
Im Interview spricht der 26-Jährige über seine Olympia-Erlebnisse, die beeindruckende Entwicklung von Teamkollege Franjo von Allmen und den spannenden Kampf um die letzten Kristallkugeln der Saison.
Marco Odermatt, wie geht es Ihnen nach der Olympia-Pause und konnten Sie den Kopf ein bisschen frei kriegen?
Marco Odermatt: Es hat gutgetan, mal sieben, acht, neun Tage zuhause zu sein. Januar und Februar waren sehr anstrengend mit den ganzen Highlights, ich konnte nie loslassen. Nach der Pause sind Spaßfaktor und Motivation wieder viel größer. Ich freue mich richtig auf die letzten Rennen.
Wie blicken Sie auf die Zeit bei Olympia zurück?
Odermatt: Sehr zufrieden. Wenn man drei Medaillen gewinnt, muss man zufrieden sein. Klar ist bei meinem Level immer ein kleines 'Aber' dabei, wenn man kein Gold gewinnt, aber drei Medaillen sind schon extrem cool.
Franjo hat ein unglaubliches Gefühl und einen Grundspeed wie kein anderer
Franjo von Allmen hat mit dreimal Gold bei Olympia abgeräumt. Wie haben Sie seine Entwicklung in den letzten Monaten erlebt?
Odermatt: Das ist keine große Überraschung. Franjo war schon letzte Saison in der Abfahrt brutal schnell und vereinzelt auch im Super-G. Er hat nicht umsonst zwei Goldmedaillen bei der WM gewonnen und er hat zu Olympia die Lockerheit mitgebracht, um in jedem Rennen abzuliefern.
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Was zeichnet ihn als Athlet und als Teamkollege aus?
Odermatt: Franjo hat ein unglaubliches Gefühl und einen Grundspeed wie kein anderer. Er lässt den Ski immer voll gehen und kann sehr schnell Tempo aufbauen und das dann auch verwalten. Zudem hat er diese junge Unbekümmertheit, die ich vielleicht auch vor ein paar Jahren hatte, wenn alles noch ein bisschen neuer und frischer ist und man einfach Gas gibt. Das ist eine schöne Zeit.
Ist es von Vorteil, so ein starkes internes Team zu haben oder wird einem das manchmal zu viel?
Odermatt: Eine gute Gruppendynamik zu haben und viele schnelle Skifahrer im Team zu haben ist sehr viel wert. Ich bin selbst nicht in der Speedmannschaft, sondern die meiste Zeit mit den Riesenslalomfahrern unterwegs. Ich habe daher nicht allzu viele Trainingstage mit dem Speedteam zusammen. Aber immer wenn wir zusammenkommen, hat man eine gute Referenz.
Freuen Sie sich auf die Duelle mit Franjo im Kampf um die kleine Kristallkugel in der Abfahrt?
Odermatt: Es geht noch um viel, wir wollen beide diese Kugel gewinnen. Wir haben noch drei Abfahrten und es ist für beide noch viel möglich. Ich muss bis zum Schluss konzentriert bleiben.
Gesamtweltcup und Olympia haben auf ihre Weise ihre Wichtigkeit. Es war für mich vor Olympia nie eine Option, ein Weltcuprennen auszulassen
Wie wichtig ist Ihnen der Gesamtweltcup im Vergleich zu Olympia?
Odermatt: Das sind zwei völlig unterschiedliche Systeme. Das eine zeichnet dich als besten Skifahrer mit konstant guten Leistungen über die Saison aus. Das andere sind Eintagesrennen, in die du alles reinwerfen musst und hoffen musst, dass es aufgeht. Zwei verschiedene Herangehensweisen, die beide auf ihre Weise ihre Wichtigkeit haben. Ich wollte beides und daher war es für mich vor Olympia nie eine Option, ein Weltcuprennen auszulassen.
Wie schätzen Sie die Strecke in Garmisch ein, die manchmal ein bisschen unterschätzt wird?
Odermatt: Es ist eine der schwierigsten Strecken im Weltcup. Technisch sehr anspruchsvoll mit vielen engen, drehenden Toren, was mir als Riesenslalomfahrer sehr gefällt. Man muss von oben bis unten alles gut erwischen, es gibt auf dem Niveau, wie mittlerweile Ski gefahren wird, keinen Sektor mehr, in dem man sich einen größeren Zeitverlust erlauben darf.
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Quelle: Eurosport


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