Weltcup: Mikaela Shiffrin hat in Camille Rast ihre Jägerin gefunden - in Kranjska Gora reicht selbst Perfektion nicht

Die Pointe des Weltcup-Wochenendes in Kranjska Gora: Mikaela Shiffrin hat eine neue Jägerin. Sowohl im Riesenslalom als auch im Slalom stahl Camille Rast der US-Amerikanerin die Show und macht nun ihrerseits Druck im Gesamtweltcup. Das Duell zwischen den beiden Virtuosinnen auf Skiern erinnerte an vergangene Zeiten - und offenbart: Eine geschlagene Shiffrin kann jederzeit noch einmal zulegen.

Fabellauf bringt den Sieg: Rast bricht Shiffrins Slalom-Dominanz

Quelle: Eurosport

Schlägt man den Begriff Virtuosität im Duden nach, liefert das Wörterbuch folgende Bedeutung: meisterhaft vollendete Beherrschung einer künstlerischen Technik. Nichts weniger war jener Schlagabtausch zwischen Mikaela Shiffrin und Camille Rast, der am Sonntag im Weltcup-Slalom von Kranjska Gora geboten wurde.
Auf der berüchtigten Piste "Podkoren 3" setzten sich Shiffrin und Rast deutlich von der Konkurrenz ab. Im slowenischen Stangenwald galt das Rampenlicht ausschließlichen den beiden Virtuosinnen auf den Brettern, die die Welt bedeuten.
Für die Eidgenossin Rast war es nicht nur aufgrund ihres Triumphes im Riesenslalom einen Tag zuvor die Krönung eines perfekten Rennwochenendes. Die Weltmeisterin schaffte, was seit der schweren Verletzung von Petra Vlhova als Tabu galt.
Die 106-fache Weltcup-Siegerin, die vier ihrer fünf Saisonsiege im Slalom mit mehr als einer Sekunde Vorsprung für sich entschied, nicht nur zu ärgern, sondern zu schlagen, ist eine Meisterprüfung für sich.

Shiffrin: Selbst 120 Prozent reichen nicht gegen Rast

"Wie alle anderen auch habe ich einfach nur zugeschaut", wurde Shiffrin nach dem Showdown in einer Veröffentlichung des Weltverbandes für Ski- und Snowboardsport (FIS) zitiert. "Ich war so begeistert und beeindruckt von Camilles Leistung."
Der Rekord-Weltcupsiegerin aus Vail in Colorado kauft man diese Worte ab. Wie keine andere Spitzenathletin freut sich Shiffrin mit ihrer Konkurrenz - selbst im Moment der Niederlage. Das zeigten auch die Bilder aus Kranjska Gora, auf denen sie Rast innig umarmte und mit der Schweizerin aus dem Kanton Wallis herzlichst lachte.
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Fabellauf bringt den Sieg: Rast bricht Shiffrins Slalom-Dominanz

Quelle: Eurosport

Mit Lobeshymnen hielt sich die Olympiasiegerin und Weltmeisterin nicht zurück. Auch weil sie wusste, dass an diesem Tag Perfektion von Perfektion geschlagen wurde. "Als ich gesehen habe, wie sie im ersten Lauf gefahren ist, wusste ich, dass ich 120 Prozent geben muss, um eine Chance zu haben", schilderte Shiffrin im Interview mit dem "ORF".
Doch selbst 120 Prozent sollten Shiffrin nicht reichen, im zweiten Durchgang war Rast vier Hundertstelsekunden schneller als die Gesamtweltcupführende. Das hat Seltenheitswert.

Eine geschlagene Shiffrin wird nur noch stärker

Die Eindrücke aus Slowenien offenbarten aber auch: Eine geschlagene Shiffrin kann immer zulegen.
Wie eine Woche zuvor am Semmering, wo sie von Platz vier in Lauf eins noch zum Sieg stürmte, zog der Superstar aus einem kleinen Dämpfer in Durchgang eins unheimlich viel Kraft und schaltete im entscheidenden zweiten Lauf noch einmal zwei, drei Gänge höher - auch mental.
Ihre Gefühlsexplosion im Zielraum von Kranjska Gora erinnerte an Zeiten der Duelle mit Vlhova, die Shiffrin regelmäßig bis an ihre Grenzen trieb und ebenjene verschieben ließ.
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"Was für eine Fahrt!" Shiffrin mit Traumlauf im 2. Durchgang

Quelle: Eurosport

Im Kampf um die kleine Kristallkugel im Slalom mag sich das Duell zwischen Shiffrin und Rast im laufenden Winter trotzdem wohl kaum weiter zuspitzen. Bei vier verbleibenden Rennen hält die US-Amerikanerin (580 Punkte) bei einem Vorsprung von 218 Zählern auf die zweitplatzierte Rast.
Deutlich spannender verhält sich hingegen die Situation im Gesamtweltcup: Dort wurde das Polster von Shiffrin (823) am vergangenen Wochenende deutlich kleiner, Rast fehlen nur noch 120 Punkte auf die fünfmalige Gesamtsiegerin.
Angesichts der Tatsache, dass Shiffrin seit ihrer schweren Verletzung im November 2024 im Riesenslalom noch nicht an ihre einstigen Höchstleistungen anknüpfen konnte und den Speed-Disziplinen weiterhin fernbleiben wird, könnte es tatsächlich zum Showdown um die große Kristallkugel kommen.

Shiffrin-Herausforderin Rast bleibt sich selbst treu

Rechenspiele, von denen die Betroffene selbst aber nichts wissen möchte. "Ich will nicht groß an Punkte denken. Einfach weitermachen und weiterfahren", gab Rast im Gespräch mit dem "SRF" zu Protokoll.
Nichts überstürzen lautet die Devise, vor allem mit Blick auf die jüngere Vergangenheit.
Schmerzen in der Hüfte bereiten Rast seit einem Sturz im Februar 2025 immer wieder Probleme, im Sommer konnte sie eigenen Aussagen zufolge zwischenzeitlich kaum laufen. Vor dem Slalomauftakt in Levi ging sie im Interview mit "Blick" näher darauf ein: "Ich hatte das Gefühl, wie wenn jemand ein brennendes Feuerzeug an meine Hüfte halten würde. Es brannte richtig."
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Highlights: Rast macht Wochenende mit nächstem Sieg perfekt

Quelle: Eurosport

Mittlerweile scheint sich die 26-Jährige, die auf Schmerzmittel verzichtet, mit den Beschwerden arrangiert zu haben. Ihr Potenzial kann sie augenscheinlich wieder voll ausschöpfen. Wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina befindet sich Rast in der Form ihres Lebens.
Zum nächsten Aufeinandertreffen mit Shiffrin kommt es am 13. Januar im österreichischen Flachau (live und on-demand bei discovery+), wo Rast bereits 2025 triumphiert hatte.
Die viermalige Weltcupsiegerin weiß nun, dass sie die übermächtige Ski-Queen aus den USA schlagen kann und das Zeug zur Jägerin hat.
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Highlights: Rast stellt sich Comeback-Scheib entgegen

Quelle: Eurosport


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