Lara Gut-Behrami beendet illustre Karriere: Schweizer Olympiasiegerin ließ sich trotz aller Hürden nie verbiegen
Update 07/08/2026 um 19:51 GMT+2 Uhr
Lara Gut-Behrami hat ihre illustre Laufbahn beendet - und das zu ihren Konditionen. Die Schweizerin hat den Ski Alpin so geprägt wie nur wenige Menschen vor ihr, blieb dabei ihrer unvergleichlichen Art jedoch stets treu. Auf die Titeljagd der vergangenen Jahre kann nun das ersehnte Familienglück folgen. Trotz der erfüllten Karriere fühlt es sich wie ein Ende an, das sie sich nicht verdient hat.
"Die Linie war perfekt": Gut-Behrami rast zu Gold
Quelle: Eurosport
Am 2. Februar 2008 ging im Ski Alpin der Stern einer Athletin auf, die dem Sport nachhaltig ihren Stempel aufdrücken sollte.
Lara Gut-Behrami landete in der ersten Weltcup-Abfahrt ihrer Karriere auf dem Podest - die Ziellinie überquerte die damals 16-Jährige auf dem Rücken liegend, wenige Meter zuvor war sie gestürzt. Mit Schnee auf der rechten Backe winkte sie dem heimischen Publikum zu und sorgte an jenem bewölkten Tag für das sonnigste Strahlen im Engadin.
Etwas mehr als 18 Jahre später zog die Schweizerin einen Schlussstrich. Und das - wie es so oft in ihrer Karriere gewesen war - ganz nach ihren Konditionen. "Ich bin glücklich und dankbar, dass ich die Wahl habe", verkündete Gut-Behrami am Mittwoch ihren endgültigen Rücktritt vom professionellen Skisport.
Die Fußstapfen, welche die 35-Jährige hinterlässt, könnten größer nicht sein.
Titel über Titel: Gut-Behrami weilt unter den Legenden
Mit 48 Weltcupsiegen in 395 Rennen stieg die Tessinerin zu einer der erfolgreichsten Skirennfahrerinnen der Geschichte auf, nur Vreni Schneider (55), Annemarie Moser-Pröll (62), Lindsey Vonn (84) und Mikaela Shiffrin (110) liegen in der ewigen Bestenliste vor ihr.
In den Saisons 2015/16 und 2023/24 krönte sich Gut-Behrami zur Gesamtweltcupsiegerin. Zum Trumpf wurde dabei neben ihrer Stärke im Riesenslalom, wo sie sich vor zwei Jahren auch die kleine Kristallkugel schnappte, ihre Überlegenheit im Super-G.
Sechs Kristallkugeln in dieser Disziplin sind unerreicht, selbst Legenden wie Hermann Maier, Aksel Lund Svinal, Katja Seizinger oder auch Vonn (alle fünf) blieb diese Marke verwehrt.
Den Höhepunkt stellte neben den beiden WM-Titeln im Riesenslalom und Super-G vor fünf Jahren in Cortina d'Ampezzo zweifelsohne ihre Goldmedaille im Super-G bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking dar.
An Silber und Bronze mangelte es in ihrer Laufbahn übrigens nicht - für sie selbst zählte aber nur der Sieg. Ein Mindset, das sie zu jener Ikone gemacht hat, vor der sich die Ski-Welt nun verneigt.
Gut-Behrami ließ sich nie verbiegen
Eine solche Persönlichkeit lediglich anhand ihrer Erfolge zu bemessen und sie anschließend plump in eine Reihe mit den großen Namen des Skisports zu verfrachten, würde dem Menschen hinter all den Statistiken jedoch nicht gerecht werden. Mit Gut-Behrami verabschiedet sich ein Unikat.
"Spitzensport ist kein Märchen, genauso wenig wie das Leben", blickte sie auf ihren Werdegang zurück, der keinesfalls frei von Hürden und Stolpersteinen war.
Gut-Behrami, die eigenen Aussagen zufolge dazu tendiert, "immer den komplizierten Weg einzuschlagen", ließ sich aber nie verbiegen. Das drückte sich in vielerlei Hinsicht aus.
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Gut-Behrami emotional: "Da werde ich wütend"
Quelle: Eurosport
Da wären zum einen ihre regelmäßig heiß diskutierte Entscheidung von Anfang an auf ein Privatteam mit ihrer Familie im Rücken zu setzen und der damit verbundene Konflikt mit dem Schweizer Ski-Verband. Ihre Absage an die Sozialen Medien, wodurch sie freiwillig auf nicht zu vernachlässigende Einnahmen verzichtete, ist in der heutigen Welt des Kommerz eine absolute Ausnahme.
In all den Jahren nahm Gut-Behrami kein Blatt vor den Mund - egal ob auf Deutsch, Italienisch, Französisch oder Englisch. In Zeiten von Medientrainings und einer immer sensibler werdenden Öffentlichkeit war auch eine solche Authentizität der Grund, warum sie zu einer so unvergleichlichen Lichtgestalt aufgestiegen ist.
Selbst Gut-Behrami war nicht perfekt
Doch auch die Olympiasiegerin war nicht perfekt.
Mit den Medien stand sie immer wieder auf Kriegsfuß, ihre direkte Art schmeckte nicht jedem. Im exklusiven Interview mit Eurosport vor einem Jahr stellte sie auch bei sich selbst Fehler fest.
"Aber heute ist nicht die Zeit, an Fehler, Enttäuschungen, Schwierigkeiten und all die Hindernisse - auch die zwischenmenschlichen - zu denken, die es gab", unterstrich sie nun bei ihrem Rücktritt. "Auch die Zeit, wegen des Skisports enttäuscht, traurig oder wütend zu sein, ist vorbei."
Gut-Behrami: Jetzt kann das Familienglück kommen
"Woran erkennt man, dass etwas zu Ende ist?", fragte sich die zweimalige Weltmeisterin in ihrem Abschiedsbrief an die Fans. "Vielleicht merkt man es daran, wenn die Ziele und das ständige Streben nach Verbesserung Platz machen für Glück, innere Zufriedenheit und die Fähigkeit, den zurückgelegten Weg wertzuschätzen."
Nun rücken für Gut-Behrami völlig neue Themen in den Fokus, gemeinsam mit ihrem Ehepartner Valon hegt die lebende Ski-Legende schon länger einen Kinderwunsch. "Ich hoffe, meine Leidenschaft für den Skisport an unsere Kinder weitergeben zu können", meinte sie etwa vor dem Saisonauftakt 2024/25 in Sölden.
Und eines sei sowieso gewiss: "Putzfrau werde ich sicher nicht", meinte Gut-Behrami, die heute bereits als Investorin und Beraterin beim Getränkeunternehmen Kaex aktiv ist, damals auf ihre unnachahmliche Art.
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Lara Gut-Behrami hat ihre Karriere beendet
Fotocredit: Getty Images
Auch wenn Swiss Ski von ihrem Rücktritt überrascht war - für Gut-Behrami kommt der Rücktritt nach einer erfüllten Karriere zum rechten Zeitpunkt. "Ich glaube, dass es im Leben für alles eine Zeit gibt", schrieb sie. "Und jetzt ist es nicht mehr meine Zeit, mir eine Startnummer überzustreifen."
Ein Ende zu ihren Konditionen. Und doch fühlt es sich wie eines an, das sie sich nicht verdient hat.
Gut-Behrami ist "glücklich so, wie es ist"
Die Saison 2025/26 mit den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo als Höhepunkt hatte sie nämlich eigentlich als krönenden Schlussakt ihrer Laufbahn auserkoren. Doch nach Platz drei beim Auftakt in Sölden zog sie sich bei einem Sturz eine verhängnisvolle Verletzung im linken Knie zu.
Der Winter war damit schon Ende Oktober vorbei, ob sie noch einmal auf die Piste zurückkehren würde - ihr Karriereende also vertagen würde - war ein großes Rätsel, das sie nun lüftete. Und das auf ihre Art.
Selbst die Verletzung und der geplatzte Traum von Olympia verbogen Gut-Behrami nicht, trieben sie nicht in ein letztes riskantes "Hurra", von dem sie womöglich noch nachhaltigere Schäden davongetragen hätte.
"Trotz fast 20 Jahren Spitzensport, trotz Stürzen und Verletzungen habe ich keine wiederkehrenden Schmerzen und möchte auch keine haben", hob die Eidgenössin hervor. "Jetzt verspüre ich nur noch ein tiefes Glücksgefühl und bin gerührt davon, wie schön es war."
Wehmut - dieses Gefühl kannte die Lara aus dem Tessin auf ihrem Weg noch nie. Und hat damit alles richtig gemacht.
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Quelle: Eurosport
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