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Wie überlebt der Ski-Weltcup? Gravierende Einschnitte zeichnen sich ab

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Matthias Mayer 2019 in Wengen

Fotocredit: Getty Images

VonFlorian Bogner
10/05/2020 Am 09:48 | Update 10/05/2020 Am 14:26
@flopumuc

Die Ski-Weltcup-Saison 2020/21 steht auf der Kippe. Bei der FIS gibt man sich zwar betont optimistisch, es gibt jedoch einige Hürden zu überwinden und Fragen zu klären. Während Ex-Skistar Marco Büchel nicht an einen Weltcup-Winter 2020/21 glaubt, fordert Swiss-Ski-Chef Urs Lehmann kreative Lösungen und hofft auf eine Durchführung, notfalls stark abgespeckt. Denn: "Alles ist besser als gar nichts."

Kommt der Ski-Weltcup 2020/21 in Zeiten des Coronavirus' zustande? Beim Weltverband FIS gibt man sich offiziell frohen Mutes. "Wir sind sehr optimistisch und positiv, dass der Weltcup und die WM in Cortina stattfinden werden", sagte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis dem Schweizer "Blick". Man arbeite an Lösungen, um eventuell anfallende Maßnahmen umzusetzen.

Andere Protagonisten der Ski-Szene sind weniger optimistisch. "So wie sich die Situation jetzt präsentiert, glaube ich nicht an einen Weltcup-Winter 2020/21", sagte Ex-Skirennläufer Marco Büchel.

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Die Knackpunkte derzeit: Reisebeschränkungen, Kontaktbeschränkungen und die Finanzierungen der Events. Laut dem "Blick" haben beispielsweise die Veranstalter in Adelboden große Geldsorgen. Dazu kommt die Ungewissheit: Werden überhaupt Zuschauer zugelassen werden können? Wenn nein - wer kompensiert dann die fehlenden Einnahmen?

"Es könnte sein, dass gewisse Organisatoren nicht mehr in der Lage oder nicht mehr bereit sind, das Ausrichten von Veranstaltungen zu riskieren", gibt FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis gegenüber dem Schweizer "Blick" zu bedenken.

Kontaktbeschränkungen als Hindernis

Sollten weiter Kontaktbeschränkungen gelten, stellt sich zudem die Frage, wie das in einem Skigebiet während eines Weltcup-Wochenendes gewährleistet werden könne. "Man müsste dann wohl das ganze Skigebiet für das Publikum schließen", vermutet Ski-Legende Karl Frehsner.

"Wenn es keine Alternative gibt, dann sind Rennen ohne Zuschauer besser als nichts", sagte Urs Lehmann. In Lake Louise fahre man auch nur "vor 300 Zuschauern".

Andererseits sind die Skigebiete aber in erster Linie auf die Touristen angewiesen.

FIS stellt die Weichen

Die FIS hat also viel Arbeit vor sich. Vom 18. bis 21. Mai finden Sitzungen des technischen Komitees statt, am 25. Mai bespricht das FIS-Council die erarbeiteten Vorschläge - genau fünf Monate bevor es am 25. Oktober auf dem Rettenbachgletscher bei Sölden eigentlich mit dem Riesenslalom der Herren in die neue Weltcup-Saison gehen soll.

Wahrscheinlich werden dann aber noch keine konkreten Maßnahmen festgelegt, erklärte Lewis zuletzt. Schlicht, weil man angesichts der aktuell veränderlichen Lage wohl nicht so weit ins Voraus planen kann.

Überlegungen, wie ein Weltcup möglich gemacht werden könnte, gibt es aber bereits.

Abgespeckter Weltcup, Damen und Herren am selben Ort?

Im Raum stehen einige Szenarien, wie der Weltcup "abgespeckt" über die Bühne gehen könnte. Aktuell sind 82 Rennen in 15 Ländern geplant - wohl utopisch. Denkbar wäre, eine Art "Mini-Weltcup" durchzuführen mit deutlich weniger Veranstaltungsorten.

Eine weitere Möglichkeit: Der Damen- und der Herren-Weltcup wird zusammengelegt, der Tross reist immer an dieselben Orte, führt dann im selben Skigebiet die Rennen durch. Knifflig wird das, wenn beispielsweise nur eine Abfahrtsstrecke zur Verfügung steht - die dann auch für die Damen sicher genug gemacht werden müsste.

Eine weitere Option, die im Skizirkus diskutiert wird, ist zumindest eine Art "Europacup" durchzuführen - Athleten der Alpenländer treten untereinander an; ohne Athleten aus USA, Neuseeland oder Kanada, die möglicherweise gar nicht einreisen dürfen. Das würde allerdings unter anderem Mikaela Shiffrin, den großen Star des Damen-Weltcups, ausschließen.

Lehmann pocht auf kreative Lösungen

Swiss-Ski-Boss Lehmann hofft jedenfalls auf eine Durchführung - wie auch immer diese dann aussieht. Denn: "Der Weltcup ist für die verschiedenen Landesverbände existenziell. Sollte es tatsächlich zum einem solchen Szenario kommen wird es für das gesamte System extrem schwierig. Für den internationalen Skiverband wäre es der GAU, wenn die alpinen Weltmeisterschaften in Cortina und die Nordisch-WM in Oberstdorf ausfallen würden."

Man müsse "halt auch kreativ werden" - notfalls könne man die Lauberhorn-Abfahrt auch "ohne Publikum und nur mit Schweizer Fahrern" als eine Art nationale Meisterschaft ausfahren: "Aus daraus könnte man ein gutes Event machen."

Die Devise des Eurosport-Experten: "Alles ist besser als gar nichts." Man müsse den Sportlern auch Perspektiven aufzeigen. Denn: "Unsere Athleten beginnen jetzt mit dem Training. Sie brauchen Ziele."

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