Nach dem vielleicht schon letzten Lauf seiner großartigen Karriere blickte Felix Neureuther verkniffen auf die Anzeigetafel, er winkte ins Publikum, womöglich ein letztes Mal, auf jeden Fall zurückhaltend. Kurze Zeit später bestätigte der Stadionsprecher auf Schwedisch: "Kein Resultat für Neureuther", disqualifiziert nach dem "Einfädler" an einer blauen Torstange im finalen Durchgang des Slaloms bei der WM im schwedischen Are, wo er so gerne noch einmal eine Medaille geholt hätte.

Nun aber schnallte Neureuther enttäuscht seine Skier ab. Zum letzten Mal? "Ich werde die Saison ganz normal zu Ende fahren, und dann werde ich eine Entscheidung bekannt geben. Das ist ja alles von vielen Faktoren abhängig, aber im Moment habe ich viel Spaß am Skifahren", sagte er im ZDF.

Ski-WM
Was nun, Herr Neureuther? Nicht mal die Gattin blickt noch durch
18/02/2019 AM 13:49

Neureuther vor Karriereende?

Nach Rang elf im ersten Lauf war Neureuther noch erstaunlich optimistisch gewesen, eine Chance auf das Podest besaß er aber schon da nicht mehr. Dort, wo er bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften als Zweiter (2013) und Dritter (2015 und 2017) gestanden hatte, jubelten nun andere. Allen voran der schier unglaubliche Marcel Hirscher, der Österreichs erstes Gold in Are vor seinen Teamkollegen Michael Matt (+0,65 Sekunden) und Marco Schwarz (+0,76) gewann. Bester Deutscher war WM-Neuling Anton Tremmel als 25.

Und Neureuther? Nach seinen jüngsten Äußerungen wäre es eine Überraschung, sollte er nach den noch ausstehenden Slalom-Rennen im Weltcup in Kranjska Gora (10. März) und beim Finale in Andorra (17. März) verkünden, ein Jahr oder mehr dranzuhängen. Argumente für eine Fortsetzung seiner Karriere hat Neureuther in den vergangenen Wochen nicht gesammelt - und auch nicht vorgebracht, auch wenn es im WM-Slalom in der Endabrechnung ohne den Einfädler Rang sechs geworden wäre.

Auch in Are gelang Neureuther der plötzliche Umschwung nicht mehr. "Aufgegeben wird erst ganz zum Schluss", sagte er nach dem ersten Durchgang, gleichzeitig aber gestand er: "Das war nichts Besonderes, das war halt im Rahmen dessen, wie es die Saison über war, und auch ein Stück weit besser." Bis zum auch da schon drittplatzierten Schwarz fehlten 1,07 Sekunden, "da ist schon noch viel drin", behauptete er - am Ende stand er mit leeren Händen da.

Maier glaubt an Neureuther

Beim Deutschen Skiverband (DSV) richten sich die Verantwortlichen auf den baldigen Abschied ein. Im Gegensatz zu seiner Familie ist etwa Alpinchef Wolfgang Maier nicht über die Pläne von Neureuther informiert, er sagte dem SID aber am Wochenende in Are:

Dass man sich mit dem Thema beim Felix auseinandersetzen muss, steht außer Diskussion. Er ist 34 Jahre alt, da ist es dann irgendwann vorbei, so wehmütig man das sieht von allen Seiten her.

Maier, der Neureuther über Jahre gefördert, aber auch gefordert hat, könnte einen Abschied am Saisonende aber nicht nachvollziehen: Er sei überzeugt davon, "dass er die Top Drei allemal wieder erreichen würde", sollte Neureuther weitermachen, "ich würde bei ihm, auch wenn er jetzt 34 Jahre alt ist, das Podium schon nochmal sehen". Freilich würde dies bedingen, dass Neureuther wieder härter trainieren kann - und trainiert.

Bei aller Nüchternheit in der Betrachtung: Beim DSV werden sie Neureuther mindestens ein Träne nachweinen. "Ein Sportler wie der Felix ist schon etwas Besonderes", betont Maier: "Er war nicht immer einfach, aber es gibt so viele Sachen, die positiv überwiegen. Er war immer da, wenn wir ihn gebraucht haben, er war der Schutzschild über Jahre hinweg für viele, viele andere, die ohne ihn wahrscheinlich nie so eine unberührte Entwicklung hätten nehmen können, wie sie es konnten. So einer fehlt definitiv."