Es flatterten in letzter Zeit viele Meldungen ins Haus von Rücktritten. Vor allem den alpinen Bereich traf es, aber meist haben jüngere Aktive, die merkten, dass sie auch innerhalb ihres Verbandes keine Chance mehr erhalten, ihre Laufbahn beendet. Meist im besten Alter. Mitte zwanzig. Sie kamen aus Kanada, aus Norwegen.

Aber jetzt: Jetzt wurde ich auch auf dem falschen Fuß erwischt und dachte zunächst: Ein verspäteter Scherz, verlegt vom 1. April auf den 1. September. Viktoria Rebensburg hört auf. Gibt`s nicht, dachte ich mir spontan. Unmöglich.

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Rebensburg tritt zurück: Das Ende einer Ära

Aber dann ließ ich ein paar Geschichten der jüngeren Corona-Vergangenheit im Kopf Revue passieren - und siehe da: Es gab Anzeichen.

Die Olympiasiegerin von Vancouver merkte an, dass sie sich benachteiligt fühlte im Training. Dass ihr nicht die gleichen Bedingungen zur Verfügung stünden wie der ausländischen Konkurrenz. Sie fürchtete, nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. Und hinterher wedeln? Nein, das wollte sie gewiss nicht.

Ihr sicher nicht spontaner Entschluss, der sich wie solche großen Entscheidungen in kleinen Puzzleteilen zu einem großen Schritt vereinigt, ist nur konsequent. Verletzungen im Frühjahr zerrten zudem an den Nerven. Jetzt ist Schluss. Für den Deutschen Ski-Verband (DSV) ist das nicht nur ein kleiner Verlust. Es ist das Ende einer Ära und es ist eine Zäsur für den alpinen Skisport in Deutschland.

Viktoria Rebensburg

Fotocredit: SID

Viktoria Rebensburg: Schwünge wie Musik

Es gibt keine potentielle Nachfolgerin für Rebensburg, die ja selbst immer als Nachfolgerin bezeichnet wurde. Sie sollte die Lücke füllen, die einst Maria Höfl-Riesch hinterließ, als sie ihre Karriere beendete. In ihren Schatten konnte sich Rebensburg stets in Ruhe entwickeln. Das hat sie gebraucht, denn sie war nie das Glamourgirl der ersten Reihe. Es gibt nicht mal Skandälchen. Das Wort bodenständig trifft es in diesem Fall perfekt.

Fährt man von Achenkirch in Tirol hinüber ins Bayerische zum Tegernsee, kommt man automatisch an einem großen Schild vorbei mit dem Konterfei von Viktoria Rebensburg. Man war mit Recht stolz auf sie in der Heimat. Ein modernes Dirndlmärchen. Sie war nie ein Star, was immer auch passierte. Sie war nie ein Lautsprecher. Ihre Sprache waren wunderbare Schwünge im Schnee. Vor allem im Rhythmus eines Riesenslaloms lebte sie auf. Sie spielte mit den Taillierungen ihrer Skier wie in einem Konzertsaal auf einer Violine.

Viktoria Rebensburg hatte die besondere Gabe, das Schwere so flockenleicht aussehen zu lassen. Genussskifahren unter Wettkampfbedingungen. Dass sie manchmal auch kämpfen musste, was unausbleiblich ist in diesem Metier, schien man ihr kaum anzusehen. Vorbei ist das alles. Auf einen Schlag.

Erst jetzt, in diesem Moment, wird vielen klar werden, welch großartige Athletin sie stets war. Ihre Bescheidenheit war ein Charakterzug, der Erfolgen nicht im Weg stand. Vicky, wie man sie liebevoll nannte, hat allen gezeigt, dass man im Sport auch ohne brutalen Einsatz der Ellenbogen, ohne ätzenden Egoismus, an die Spitze kommen kann. Das könnte man als Vermächtnis der Viktoria Rebensburg bezeichnen.

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ZUR PERSON SIGI HEINRICH:

Der renommierte Sportjournalist, Buchautor und vielfach ausgezeichnete Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich widmet sind in seinen Blogs der gesamten Vielfalt des Sports inklusive der komplizierten Mechanismen der Sportpolitik. Mal sehr ernsthaft, mal mit einem verschmitzten Augenzwinkern und manchmal auch bewusst provozierend. Es soll ja für alle was dabei sein.

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