Elf Monate vor Olympia in Peking boten die Allgäuer Schneespiele bei der Nordischen Ski-WM unter erschwerten Corona-Bedingungen zwar rauschende Höhepunkte, deckten aber auch bedenkliche Schwächen auf.
"Auf diese Heim-WM habe ich mich seit fünf Jahren gefreut. Ich bin froh, dass ich hier so abliefern konnte", sagte der Oberstdorfer Lokalmatador Karl Geiger, der zum großen deutschen Gewinner und erfolgreichsten Skispringer der WM wurde: Grandioses Gold mit dem Skisprung-Team am versöhnenden "Super-Samstag", zuvor Gold im Mixed, Silber und Bronze im Einzel - Geiger war an vier von sechs deutschen Medaillen beteiligt.
Aber: Sechsmal Edelmetall und je zweimal Gold, Silber und Bronze sind das zweitschlechteste deutsche Ergebnis der vergangenen 20 Jahre, nur 2013 in Val di Fiemme (1-1-3) waren Deutschlands Nordische schlechter. Die Traumergebnisse von 2019 (6-3-0) und 2017 (6-3-2) wurden klar verpasst.
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Trotz Heim-Vorteil - auch ohne Zuschauer stets betont - ging Platz zwei in der Nationenwertung hinter Übermacht Norwegen nach sechs Jahren verloren. "In der einen oder anderen Position hätten wir uns tatsächlich mehr erwartet. Aber insgesamt sind wir sehr zufrieden", sagte DSV-Vorstand Karin Orgeldinger am Sonntag.

Skispringer schönen Bilanz

Bang vor Olympia muss zumindest den Skispringern nicht sein. Anders als bei den Springerinnen, die in den Einzelwettbewerben keine einstellige Platzierung erreichten und angesichts des Abschieds von Andreas Bauer auf Bundestrainer-Suche gehen müssen, wurde die erste WM unter Chefcoach Stefan Horngacher ein voller Erfolg.
"Als die erste Medaille kam, hat sich das verselbstständigt", sagte der Österreicher. Obwohl Mitfavorit Markus Eisenbichler im Einzel (zweimal 17.) unter Wert geschlagen wurde, retteten die DSV-Adler die deutsche WM-Bilanz - auch wenn Horngacher klarstellte: "Wir waren nicht alleine, auch die Kombinierer haben zwei Medaillen gewonnen."
Mit Silber in der Staffel und Bronze im Teamsprint war es jedoch die schlechteste Bilanz der einstigen Vorzeigesparte seit 1999, erstmal seit 2009 blieben die "Ex-Dominierer" ohne Titel. "Das ist sicher nicht das, was hier von uns erwartet wurde", sagte Kombi-Rekordweltmeister Frenzel, der seine WM-Medaillen 16 und 17 gewann, mit 32 Jahren unverzichtbar bleibt.
"Zufrieden bin ich nicht. Wir sind gerade noch mal davongekommen", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch: "Wenn man die Weltspitze sieht, muss man die Ansprüche vielleicht ein bisschen zurückschrauben." Oder aber erst recht den Ehrgeiz entwickeln, den jungen Oberstdorfer Doppel-Weltmeistern Johannes Lamparter (19/Österreich) und Jarl Magnus Riiber (23/Norwegen) beizukommen.

Langläufer deutlich abgeschlagen

Beikommen wollten die deutschen Langläufer in Oberstdorf der Weltspitze - so der erklärte Masterplan von Bundestrainer Peter Schlickenrieder beim Amtsantritt vor drei Jahren. Nun musste er einräumen, dabei krachend gescheitert zu sein. Zwei zehnte Plätze vom Laura Gimmler waren noch die erfreulichsten Resultate. "Wir haben es nicht geschafft, zum Jahreshöhepunkt unsere Topleistungen abzurufen. Ehrlich und realistisch sind wir nicht in der Lage, um Medaillen mitzulaufen", sagte der Chefcoach.
Ein tadelloses Zeugnis durften sich die Oberstdorfer Organisatoren ausstellen, welche die bittere Pille des pandemiebedingten Zuschauerausschlusses klaglos schluckten und trotz der harten Sicherheitsmaßnahmen (knapp 23.000 Coronatests wurden genommen, bis Samstag waren lediglich neun positiv - darunter der von Skisprung-Topfavorit Halvor Egner Granerud) keine aseptischen Geisterspiele ablieferten.
"Ich bin stolz auf Oberstdorf, wie sie das gemacht haben", sagte Karl Geiger, "und stolz, dass ich mit meiner Leistung etwas zurückgeben konnte."
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(SID)

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