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Putin-Show in Moskau - Teilnehmer Bolschunow erntet heftige Kritik aus dem Langlauf-Lager: "Einfach krank"
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Publiziert 20/03/2022 um 18:39 GMT+1 Uhr
Bei der großen Propaganda-Veranstaltung des russischen Präsidenten Wladimir Putin am Freitag traten auch einige russische Sportler ins Rampenlicht: Unter anderem ließ sich Langläufer Alexander Bolschunow vor den (Kriegs-)Karren spannen - eine Geste, die dem dreifachen Goldmedaillengewinner von Peking viel Kritik aus dem Langlauf- und Biathlonlager einbrachte.
Alexander Bolschunow, Wladimir Morosow und Jewgenija Tarassowa bei der Propaganda-Veranstaltung des russischen Präsidenten Wladimir Putin (v.l.)
Fotocredit: Imago
Zwar war Bolschunow bei der Veranstaltung im Luschniki-Stadion - dem Olympiastadion der Spiele 1980 - der einzige namhafte Sportler, der das russische Kriegssymbol "Z" nicht deutlich sichtbar auf seiner Kleidung trug. In der Langlaufszene rief sein Auftritt allein allerdings heftiges Kopfschütteln aus.
Der schwedische Biathlon-Star Sebastian Samuelsson meinte gegenüber dem "Aftonbladet": "Man fragt sich, ob sie dazu gezwungen wurden, oder ob sie wirklich so dumm sind. In jedem Fall ist es krank."
Der norwegische Biathlet Sturla Holm Laegreid stimmte einem Bericht von "Sport.de" zufolge zu: "Das ist total krank. Das hat Vibes wie 1938 in Deutschland. Es ist ekelhaft, dass die Welt wieder so geworden ist."
So sah es auch der norwegische Langläufer Chris Jespersen. "Es ist einfach krank, was da abgeht. Ich habe geflucht, als ich das gesehen habe", sagte er der norwegischen Zeitung "Verdens Gang" und begrüßte den Ausschluss der russischen Mannschaften aus dem Sport: "Wenn ich das sehe, werde ich einfach sauer. Ich kann mir nicht vorstellen, sie noch einmal zu sehen. Wenn sie an so einer Aktion teilnehmen, sollen sie direkt dableiben."
Russische Olympioniken zeigen ihre Medaillen
Neben Bolschunow nahmen weitere russische Sportler an der Veranstaltung teil: Dina und Arina Awerina (beide Rhythmische Sportgymnastik), Jewgenija Tarassowa und Wladimir Morosow, Wiktorija Sinizina und Nikita Kazalapow (alle Eiskunstlauf), Jewgeni Rylow (Schwimmen) und Wiktorija Listunowa (Kunstturnen).
Die Eistänzer Sinizina/Kazalapow, die Paarläufer Tarassowa/Morosow trugen wie Bolschunow ihre Olympia-Medaillen aus Peking um den Hals; Dina Awerina und Jewgeni Rylow ihre Medaillen der Sommerspiele von Tokio. Laut russischen Angaben verfolgten insgesamt 200.000 Russen die Veranstaltung vor Ort. Ins Luschniki-Stadion passen bis zu 81.000 Zuschauer.
Der ukrainische Schwimm-Weltrekordler Andrij Goworow postete am Samstag in seiner Instagram-Story einen Text, in dem er Rylow als guten Freund bezeichnete, ihn gleichzeitig aber für dessen Auftritt im Luschniki-Stadion kritisierte. "Es bricht mir das Herz, ihn mit dem 'Z'-Symbol auf der Brust zu sehen", schrieb Goworow. Dazu erklärte er, dass Rylow ihn bei Instagram nunmehr geblockt habe.
Vergangenen Sonntag hatte bereits Langläufer Ilja Tschernoussow mit einem offenkundig Putin-freundlichen Instagram-Post für Aufregung gesorgt. Tschernoussow zeigte ein Bild von sich mit Wladimir Putin, auf dem er selbst breit grinste. Dazu schrieb er: "Für den Sport. Für den Frieden." Später löschte der 35-Jährige seinen Post wieder.
Der 50-Kilometer-Olympiasieger von 2014, Alexander Legkow, kommentierte das Bild mit den Worten: "100 Prozent Mann!"
Gjerdalen sieht Auftritt differenzierter
"Ich dachte bisher, dass er ein guter Typ ist, aber ich habe vor ein paar Tagen aufgehört, ihm zu folgen", sagte Chris Jespersen der "VG". Der Putin-Post sei "sehr enttäuschend" gewesen.
Differenzierter sah derweil der norwegische Langläufer Tord Asle Gjerdalen die Veranstaltung. "Ich weiß nicht, inwieweit sich Bolschunow wie viele andere Russen hätte distanzieren können", gab er zu bedenken. Den Sportlern könnten bei einer Verweigerung schließlich "harte Strafen" drohen.
"Für uns ist es relativ leicht, von hier über sie zu urteilen", sagte Gjerdalen: "Man kann nur erahnen, wie stark man sein muss, wenn man Gefängnis und noch viel schlimmere Dinge riskiert, wenn man so bekannt wie Bolschunow ist. Deswegen will ich ihn hier nicht verurteilen."
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Jewgeni Rylow im Luschniki-Stadion 2022
Fotocredit: Imago
Putin-Rede bricht im TV ab
Einen kleinen Fauxpas gab es derweil bei der Veranstaltung: Während Putins Rede brach die TV-Übertragung im russischen Staatsfernsehen ab, die ganze Rede wurde erst später nochmal in voller Länge gezeigt.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow führte technische Probleme als Grund für die Unterbrechung an. Anlass der Veranstaltung war der achte Jahrestag der Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim am 18. März 2014.
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