Aufbruch vertagt: Mehr Schatten als Licht bei deutschen Langläufern

In einem Übergangsjahr ohne WM oder Olympia sind die deutschen Langläufer deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Beim DSV wähnt man sich trotzdem auf dem richtigen Weg - und wirbt um Geduld.

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Das Weltcup-Finale im kanadischen Canmore war für die deutschen Skilangläufer ein Spiegelbild der ganzen Saison. Zwar gab es vereinzelte Lichtblicke, wie den neunten Platz von Nicole Fessel (Oberstdorf) im Einzel am Freitag, doch am Ende überwogen die Schatten.
Sandra Ringwald (Schonach) als 16. und Jonas Dobler (Traunstein) auf Rang 25 verbuchten letzlich noch die besten Ergebnisse bei der erstmals ausgetragenen Ski Tour of Canada - zu wenig für die einst so erfolgsverwöhnte deutsche Mannschaft.
Im Jahr nach dem Abschied des glück- und erfolglosen Chefbundestrainers Frank Ullrich fällt die Bilanz des Deutschen Skiverbands (DSV) mangelhaft aus. Lediglich Ringwald und Hanna Kolb (Buchenberg) schafften es im Teamsprint in Planica als Dritte aufs Podest, hinzu kommt eine Handvoll Top-10-Ergebnisse. "Zufrieden können wir nicht sein, dazu fehlen uns einfach die Podiumsplätze", sagt der Sportliche Leiter Andreas Schlütter dem SID: "Aber wir haben viele Stellschrauben in die richtige Richtung gedreht."

TV-Interesse gefallen

Denn trotz der ernüchternden Gesamtbilanz ist man beim DSV weiter fest davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. In Janko Neuber bei den Männern und dem Norweger Torstein Drivenes bei den Frauen wurden im Sommer zwei neue Cheftrainer installiert, die Trainingsumfänge an das Vorbild der alles überragenden Skandinavier angepasst. Die Fortschritte seien unverkennbar, meint Schlütter. Jetzt sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das auch in den Ergebnissen niederschlage.
Der große Aufbruch im deutschen Loipen-Lager soll nach dem "Zwischenjahr" ohne Großereignis nur vertagt sein. "Die Euphorie ist ungebrochen. Wir sind eng zusammengerückt und wollen gemeinsam dahin zurück, wo wir schon einmal waren", sagt Schlütter. Nach zwei Weltmeisterschaften ohne Medaille 2013 und 2015 und schwachen Olympischen Spielen 2014 (einmal Bronze) wollen die Deutschen Langläufer schon bei den Titelkämpfen in Lahti/Finnland im nächsten Jahr wieder für positive Schlagzeilen sorgen.
Schließlich sind Medaillen und Podestplätze die einzige Möglichkeit, um auch im TV wieder mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Live-Präsenz der Langlauf-Entscheidungen ist in der nun beendeten Saison noch einmal zurückgegangen. "Das Interesse steht und fällt eben mit den Erfolgen. Das wissen wir", sagt Schlütter, der sich deshalb aber sicher ist, den Trend mit guten Leistungen im nächsten Jahr wieder umkehren zu können: "So schnell wie die Medien gegangen sind, sind sie auch wieder da."
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