Offenbar hatte Alexander Bolschunow keine Lust, Gleb Retiwich zu Bronze zu gratulieren oder nach der vergebenen Goldmedaille zu trösten, wie es sonst bei Teamwettbewerben üblich ist.
Zu groß war bei Bolschunow wohl die Enttäuschung, dass sein Partner es nicht geschafft hatte, den von ihm herausgelaufenen Vorsprung auf Norwegen und Finnland in der Schlussrunde zu verteidigen. Statt Gold nach Hause zu laufen, musste Retiwich sichtbar gezeichnet zunächst den Norweger Johannes Hösflot Kläbo am letzten Anstieg ziehen lassen. Auf der Zielgerade ging dann auch der Finne Joni Mäki vorbei und holte Silber.
Bolschunow erklärte nach dem Rennen: "Ich war noch in der Wechselzone und enttäuscht über das Ergebnis. Dann habe ich mich erholt, durchgeatmet und bin zu ihm hin." Allerdings dauerte dies eine ganze Weile.
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Der erste Athlet, der zum völlig ausgepumpten Retiwich hin ging und gratulierte, war ausgerechnet der Norweger Kläbo, der seinem Kontrahenten als Zeichen der Anerkennung auf den Rücken klopfte.

"Ist das ein Antritt!" Kläbo lässt die Konkurrenz im Finale stehen

Teamsprint-Weltmeister über Bolschunow: "Das ist inakzeptabel"

Dass Bolschunow, der am Samstag Gold im Skiathlon gewonnen hatte, seine Enttäuschung über den verpassten zweiten WM-Titel so offen zur Schau stellte, sorgte bei der Konkurrenz für großes Unverständnis. "Er muss reagieren und seine Enttäuschung kontrollieren. Er hatte gestern einen großartigen Tag, davor muss man den Hut ziehen. Aber es sollte möglich, sich für einen Teamkollegen zu freuen", sagte Kläbo im Anschluss dem norwegischen Sender "NRK". Für Retiwich war es die erste Medaille bei den Titelkämpfen im Allgäu.
Kläbos Partner Erik Valnes meinte: "Das ist inakzeptabel, auch wenn sie keine Freunde innerhalb der Gruppe sind." Valnes spielte darauf an, dass Bolschunow und Retiwich innerhalb der russischen Langlauf-Mannschaft nicht zur selben Trainingsgruppe gehören. Zwischen den Trainingsgruppen gibt es immer wieder Spannungen und Konflikte.
Die Schwedin Maja Dahlqvist, die ein paar Minuten zuvor im Teamsprint der Frauen zusammen mit Jonna Sundling Gold geholt hatte, sagte: "Das ist nicht nett."

Bolschunow aktuell auf Bewährung

Auch bei der kleinen Blumenzeremonie im Stadion, bei der die besten Drei geehrt werden, war Bolschunow immer noch sichtlich enttäuscht. Immerhin konnte er dort schon etwas über den dritten Platz jubeln.

Sturz sorgt für Verwirrung: USA muss zurück in die Wechselzone

Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Bolschunow mit seinem Verhalten für Schlagzeilen sorgt. Beim Weltcup in Lahti Ende Januar schlug der 24-Jährige in der Staffel in einem umkämpften aber an sich fairen Schlusssprint den Finnen Mäki beinahe mit einem Stock. Im Ziel rammte er seinen Kontrahenten dann zu Boden. Für diese Aktion wurde der Russe am Freitag von der FIS mit einer Bewährungsstrafe belegt.
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