Eurosport
Vierschanzentournee: Stefan Horngacher ohne Wehmut beim großen Finale - wer beerbt den Bundestrainer nach der Saison?
Von
Publiziert 06/01/2026 um 16:42 GMT+1 Uhr
Stefan Horngacher führte die deutschen Skispringer letztmals als Bundestrainer durch die Vierschanzentournee. Besondere Emotionen lässt er in seinem finalen Winter auf der großen Bühne aber nicht zu. "Für mich ist das nebensächlich, das habe ich nicht auf dem Schirm", erklärte der 56-Jährige gewohnt bescheiden. Sein Nachfolger soll zeitnah bekannt gegeben werden - und für Aufbruchstimmung sorgen.
Horngacher über seinen Abschied: "Es war immer klar, dass ..."
Quelle: Eurosport
"Stef, der Chef" war ganz in seinem Element: Cool winkte er seine Springer in Bischofshofen ab, der Ruhepuls blieb auf Zimmertemperatur, die Mimik unterschied kaum zwischen Traumflug und Hüpfer. Zum emotionalen Wirbelwind wird Stefan Horngacher auch in seinen letzten Wochen als Bundestrainer nicht. Wehmut? War dem Österreicher bei seiner letzten Vierschanzentournee fremd.
"Für mich ist das nebensächlich, das habe ich nicht auf dem Schirm", sagte Horngacher zur Frage nach etwaiger persönlicher Abschiedsstimmung und wirkte dabei irritiert, als hätte man ihm gerade Kaiserschmarrn mit mittelscharfem Senf angeboten: "Am Ende ist das ein Wettkampf." Und der zählt für den wortdosierten Wahl-Schwarzwälder stets mehr als persönliche Befindlichkeiten.
Horngacher also geht gewohnt sachlich in die letzten zweieinhalb Monate seiner sieben Jahre als deutscher Chefcoach, in denen die nahende Flug-WM in Oberstdorf und Olympia jede Abschiedsstimmung in Arbeit ertränken.
Monate aber auch, in denen der Deutsche Skiverband die Nachfolge des hochgeschätzten Trainers regeln muss, der seit seinem Amtsantritt 2019 die riesigen Fußstapfen von Vorgänger Werner Schuster nicht gänzlich ausfüllen konnte, wohl aber unumstritten war.
Horngacher-Nachfolge nicht vor Olympia geklärt
"Es wird sicherlich nicht vor Olympia passieren, aber wahrscheinlich im März", sagte Sportdirektor Horst Hüttel dem "SID" in Bischofshofen zum Stand der Nachfolgerkür.
Seit Horngachers Abschieds-Ankündigung im November fahndet der DSV mit klarem Anforderungsprofil: Der Neue soll natürlich ein absoluter Fachmann und Teamplayer sein, die angegraute Mannschaft verjüngen und Talente aus dem nicht gerade üppig befüllten Nachwuchs-Pool hochführen, dabei für Aufbruchstimmung sorgen wie einst Schuster ab 2008.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/01/06/image-c1787613-64d8-4403-b023-f2fa8981f9fc.jpeg)
Stefan Horngacher wird den DSV nach der Saison verlassen
Fotocredit: Getty Images
Ob dieser Mann bereits beim DSV angestellt ist oder von außen kommt - laut Hüttel ist beides denkbar: "Wir reden mit mehreren Leuten, schauen aber natürlich zunächst unsere Leute an, schon aus Gründen der Wertschätzung."
Von den internen Lösungen hätten vor allem zwei Charme: Thomas Thurnbichler (36), zuvor Polen-Coach mit scharfem Blick für den Nachwuchs, ist derzeit B-Kader-Trainer. Heinz Kuttin (55), einst Österreichs Männer-Chefcoach, arbeitet erfolgreich als Frauen-Bundestrainer - diese Variante würde demnach eine neue Lücke schaffen.
Schmitt, Schuster oder doch eine externe Lösung?
Die prominenteste Option hieße Martin Schmitt, der Ex-Weltmeister arbeitet im DSV an der Schwelle zwischen Nachwuchs und Männern, fühlt sich dort pudelwohl. Außenseiter zudem: C-Kader-Trainer Ronny Horngacher, früher Schweizer Chefcoach, und Horngacher-Assistent Maximilian Mechler, zuvor Frauen-Bundestrainer. Unrealistisch ist ein Comeback Schusters - der Junioren-Chefcoach will nicht zurück in die erste Reihe.
Der externe Markt gibt nicht viel her: Der Österreicher Alexander Stöckl wirkte nach geräuschvollen Abschieden in Norwegen und Polen ausgebrannt. Ex-Tournee-Champ Thomas Diethart, auch schon für den DSV im Einsatz, etabliert sich als Österreichs Frauen-Coach.
Bliebe Bine Norcic: Der Slowene ist recht jung (44), spricht gutes Deutsch, hat einen Top-Ruf und ist seit dieser Saison Schweizer Bundestrainer. Das muss kein Hindernis sein: Auch ein gewisser Werner Schuster war nur kurz Schweizer Chefcoach, ehe er zum DSV wechselte - und zum neben Reinhard Heß erfolgreichsten deutschen Skisprungtrainer der Geschichte wurde.
Nur: Auch Schuster gewann die Vierschanzentournee nicht für Deutschland, wie bislang keiner der Heß-Nachfolger inklusive Horngacher. Der Tourneesieg sei nicht komplett planbar, er müsse "passieren", lautete Horngachers Credo. Vielleicht bringt sein Nachfolger eine bessere Idee mit.
Das könnte Dich auch interessieren: Reisch überzeugt mit Podestplatz - Prevc feiert Zittersieg
(SID)
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/29/image-4f76c202-ee58-414c-bbff-4bb457972611-85-2560-1440.png)
Hüttel exklusiv über Horngacher-Rücktritt und Anzugskandal
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung