Karl Geiger im Exklusiv-Interview über die Folgen des Anzugskandals: "Die Möglichkeit zu betrügen muss eliminiert werden"

Karl Geiger ist seit vielen Jahren eine Konstante im deutschen Skisprungteam und feierte große Erfolge. Der 32-Jährige ist sechsfacher Weltmeister und gewann drei olympische Medaillen. Vor dem Start der neuen Weltcupsaison in Lillehammer hadert Geiger allerdings noch mit seiner Form, wie er Eurosport exklusiv verriet. Außerdem bricht er einen Lanze für die schwierigen Kontrollen im Skispringen.

Geiger exklusiv: "Mein Gesamtpaket stimmt noch nicht"

Quelle: Eurosport

Am 21. November startet die Skisprungelite im norwegischen Lillehammer in die neue Weltcup-Saison (live und on-demand bei discovery+).
Für Karl Geiger könnte der Auftakt etwas zu früh kommen. Die Vorbereitung lief so lala, das Gesamtpaket stimmt noch nicht. "Ich möchte erstmal in eine anständige Sprungform kommen, mit der ich mich dann im Wettkampf Wochenende für Wochenende ransaugen kann", sagte Geiger im Eurosport-Interview.
Geiger ist aber guter Dinge, dass er den Bock umstoßen kann und bis zu den Highlights bei der Musik dabei ist. "Ich möchte bei jedem Highlight bestmöglich performen", so Geiger.
Im Gespräch mit Eurosport werden auch der Anzugskandal im norwegischen Team und die Folgen daraus thematisiert. Geiger vertritt hier eine klare Meinung.
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Karl Geiger, wie läuft die Vorbereitung und wie zufrieden waren Sie mit dem Sommer Grand Prix?
Karl Geiger: Ich war mit den Wettkämpfen nicht sehr zufrieden. Das Grundniveau ist mir noch nicht hoch genug. Es gibt noch einiges zu tun. Ich habe vor, die letzten Wochen vor dem Saisonstart effektiv zu nutzen.
Es passt noch nicht, die einzelnen Bausteine fügen sich noch nicht zu einem Gesamtbild zusammen.
An welchen Stellschrauben wollen Sie konkret drehen?
Geiger: Es passt noch nicht, die einzelnen Bausteine fügen sich noch nicht zu einem Gesamtbild zusammen. Das ist entscheidend, denn wenn es nicht zusammenpasst, kann man viele Meter liegen lassen. Ich muss die Bausteine zusammenfügen, um auf ein höheres Niveau zu kommen.
Sie standen in der letzten Saison zweimal auf dem Podest und wurde 13. in der Gesamtwertung. Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?
Geiger: Ich war häufig im Training nicht so gut und musste mich Richtung Wettkampf oft steigern. Das ist mir zum Glück meistens gelungen. Aber von der Konstanz war es eine zu große Variabilität. Die wollte ich im Sommer beheben.
Welche konkreten Ziele haben Sie sich für die neue Saison gesetzt?
Geiger: Ich möchte erstmal in eine anständige Sprungform kommen, mit der ich mich dann im Wettkampf Wochenende für Wochenende ransaugen kann.
Auf das Wort von jemandem, der aktiv betrogen hat, brauche ich nicht viel Wert legen.
Wie stehen Sie zu den Regeländerungen im Skispringen mit der Einführung der Gelben und Roten Karten?
Geiger: Ich bin offen dafür. Ich wurde in meiner gesamten Karriere - ob C-, B- oder A-Weltcup - noch nie disqualifiziert. Ich achte immer sehr gewissenhaft auf mein Material, deswegen tangiert mich dieses Thema eigentlich nicht. Es ist aber eine Möglichkeit, um Wiederholungstäter einzufangen.
Der Auslöser des Ganzen war der Anzugskandal im norwegischen Team bei der WM. Ex-Trainer Magnus Brevik und andere Beschuldigte haben zuletzt die FIS aufgrund ihrer drohenden Strafe kritisiert. Wie stehen Sie dazu?
Geiger: Auf das Wort von jemandem, der aktiv betrogen hat, brauche ich nicht viel Wert legen. Die FIS versucht das umfangreiche und komplexe Reglement immer nach bestem Wissen und Gewissen zu machen. Aber man muss aus dem letzten Jahr lernen, denn das darf so nicht wieder vorkommen. Die Möglichkeit zu betrügen muss auf jeden Fall eliminiert werden. Wir brauchen das Vertrauen, dass alle Athleten die gleichen Möglichkeiten haben.
Die Springer Johann André Forfang und Marius Lindvik wurden in der Folge für drei Monate gesperrt, die Sperre ist aber bereits abgelaufen und ermöglicht den beiden den Start beim Weltcup in Ruka. Für Sie eine nachvollziehbare Strafe?
Geiger: Die Strafe im Sommer abzusitzen ist keine wirkliche Strafe. Man weiß auch nicht, inwieweit die Athleten involviert waren und vom Betrug wussten. Ich lasse mein Urteil darüber mal außen vor.
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Mit Markus Eisenbichler hat Ihr langjähriger Zimmerkollege seine Karriere letzte Saison beendet. Spielt der Gedanke ans Karriereende bei Ihnen auch schon eine Rolle?
Geiger: Ich habe ein gewisses Alter erreicht, aber ich stehe körperlich topfit da und glaube, dass ich nach wie vor in der Lage bin, ganz vorne mitzuspringen. Ich konzentriere mich jetzt voll auf die Saison.
Es gibt in diesem Winter viele tolle Highlights und ich möchte bei jedem bestmöglich performen.
Auf Sie wartet ein Winter voller Highlights: Vierschanzentournee, Heim-Ski-Flug WM in Oberstdorf und die Olympischen Spiele. Worauf liegt Ihr Fokus?
Geiger: Der Fokus liegt von Sprung zu Sprung. (lacht). Meine aktuelle Form ist noch nicht so, dass ich Luftsprünge mache und mir konkret ein Ziel vornehme. Ich muss erstmal schauen, dass ich mich in Form springe. Wenn's dann losgeht, nehme ich jeden Weltcup und jedes Highlight mit. Es gibt in diesem Winter viele tolle Highlights da und ich möchte bei jedem bestmöglich performen.
Wie große ist die Vorfreude auf Olympische Spiele in Europa?
Geiger: Die Vorfreude ist absolut da. Cortina bzw. Predazzo ist ein schöner Ort. Ich war immer gerne dort und habe gute Erinnerungen an diese Sportstätte. Aber ich gehe Schritt für Schritt.
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