Raw Air 2024 - Skifliegen in Vikersund: Frauen um Katharina Schmid dürfen erstmals im Weltcup von Skiflugschanze

Endlich am Ziel: Auf die Frauen um Weltmeisterin Katharina Schmid wartet ab Freitag das erste Weltcup-Skifliegen der Geschichte. Dabei geht es ausgerechnet mit dem legendären Monster-Bakken im norwegischen Vikersund los. Bis dahin war es ein langer Weg, der von den Springerinnen um Schmid und Eva Pinkelnig einiges an Überzeugungsarbeit und Aktivismus gefordert hatte.

Katharina Schmid

Fotocredit: Getty Images

Katharina Schmid hat für die Weltpremiere am Monster-Bakken ein paar Geschenke vorbereitet. "Sieben Sekunden" heißt der Film, in dem die Skisprung-Weltmeisterin eine Hauptrolle spielt und der demnächst seine Kino-Premiere feiert.
Auf den vielen DVDs, die Schmid mit nach Vikersund genommen hat, erzählt sie von ihrem jahrelangen Traum vom ersten Skifliegen für Frauen. Ein Traum, der ab Freitag erstmals bei einem Weltcup Realität wird.
Der Titel der Doku bezieht sich auf den Zeitraum, den Schmid und Co. beim Fliegen in der Luft sind - im Gegensatz zu den vier oder fünf Sekunden bei einem "normalen" Sprung.
Auch die Weiten sind auf den riesigen Schanzen, die lange Zeit nur Männern vorbehalten waren, enorm. "Ich will die 200 m schaffen. Das ist mein größtes Ziel in dieser Saison", sagt die 27-Jährige vor dem Training am Freitag (ab 10:00 Uhr), das die Premieren-Wettkämpfe am Wochenende einläutet.

Pinkelnig: "Lasst uns mal fliegen."

Schon vor einem Jahr durfte Schmid, die damals noch Althaus hieß, zusammen mit den besten Springerinnen der Welt mit dem Segen des Weltverbandes FIS in Vikersund fliegen.
Punkte gab es damals aber noch nicht, das ist nun anders. Die besten 15 des Gesamtweltcups sind qualifiziert, drei weitere haben es über die Gesamtwertung der Raw-Air-Tour geschafft, darunter Selina Freitag.
Schmid und Co. machen damit einen weiteren Schritt hin zur oft beschworenen "Schanzen-Gleichheit". Bis dahin war es ein langer Kampf.
"Beim Marathon hieß es anfangs auch: Das geht für Frauen nicht, das halten Lunge und Herz nicht aus. Dann hat es eine Frau einfach mal gemacht - und es ging", sagt Weltcup-Gesamtsiegerin Eva Pinkelnig aus Österreich in der "Sieben Sekunden"-Doku: "Also: Lasst uns mal fliegen."

Mahner bleiben in Sorge

Mahner gibt es aber noch immer. "Solange sicher geflogen und ohne Sturz gelandet wird, ist alles wunderbar", sagt etwa Toni Innauer.
Nach Ansicht des früheren Weltmeisters werde aber "das Sturzgeschehen systematisch ausgeblendet". Heißt: Da Frauen beim Skifliegen mit wesentlich höheren Anlaufgeschwindigkeiten als die Männer unterwegs sind, würden diese bei einem Sturz anders aufprallen. Die Folgen? Ungewiss.
Im letzten Jahr ging in Vikersund alles gut, die Slowenin Ema Klinec stellte mit 226,0 m den bis heute gültigen Weltrekord auf.
Ihre Sträuße mit der FIS muss Schmid aber auch im Jahr 2024 noch austragen. Als sie Ende Februar vor dem Weltcup der Männer in Oberstdorf am letztlich abgesagten "Einfliegen" der riesigen Heini-Klopfer-Flugschanze teilnehmen wollte, senkte der Weltverband den Daumen. Ihr Schwager Julian Schmid hätte als Nordischer Kombinierer dagegen starten dürfen.

Schmid ohne Verständnis für Flug-Verbot in Oberstdorf

"Ich war richtig enttäuscht. Ich verstehe nicht, warum ich in Vikersund fliegen darf, aber nicht in Oberstdorf. Das ist für mich nicht gefährlicher", sagte die 27-Jährige im Podcast "Ski Happens".
Und: Auch eine Skiflug-WM für Frauen wird es erst einmal nicht geben. Ganz am Ziel sind Schmid und Co. also noch lange nicht.
(SID)
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