Rolf-Kalb-Blog: Mark Williams hat sich mit Sieg beim Champion of Champions wieder einmal neu erfunden

Mark Williams hat zum ersten Mal in seiner Karriere das Champion of Champions gewonnen. Im Finale in Bolton setzte er sich mit 10:6 gegen Xiao Guodong durch. Zuvor hatte er bei diesem Einladungsturnier auch Kyren Wilson und Neil Robertson ausgeschaltet. Der Wechsel des Queues scheint zu wirken, meint Eurosport-Experte Rolf Kalb in seinem aktuellen Blog.

Mark Williams jubelt über seinen Sieg im Finale | Foto: Championofchampionssnooker.co.uk

Fotocredit: From Official Website

Mark Williams hat sich quasi neu erfunden. Nach seiner knappen und dramatischen 9:10-Niederlage im Endspiel in Saudi-Arabien im September gegen Judd Trump hatte der Waliser sein Queue gewechselt. Sein Kumpel Stephen Hendry hatte ihn dafür auch öffentlich heftig kritisiert. Aber Mark Williams hielt Kurs, trotz einiger bitterer früher Niederlagen. Jetzt fuhr er den Lohn ein.
Seine Beharrlichkeit hat sich also bezahlt gemacht. Von den großen drei aus der berühmten Klasse von 1992 (Williams, Ronnie O’Sullivan und John Higgins) ist Williams derzeit der stabilste Spieler, und das fünf Monate vor seinem 50. Geburtstag. Chapeau!
In seinen Interviews gibt sich Mark Williams selber überrascht darüber, dass er noch immer so erfolgreich spielt und um Titel kämpft. Das kaufe ich ihm nicht ganz ab. Natürlich hat er eine große Freiheit, weil er sich oder anderen nichts mehr beweisen muss oder will. Aber der Ehrgeiz ist ungebrochen.
Ohne diesen unbändigen Willen hätte er den riskanten Wechsel des Queues mitten in der Saison, also zu einem kritischen Zeitpunkt, nicht gewagt. Natürlich muss er nicht mehr gewinnen, aber er will.
Im Endspiel des Champion of Champions hat er mit seiner 5:0-Führung selbstverständlich den Grundstein zum Sieg gelegt. Aber er hat auch dem Druck standgehalten, als Xiao Guodong auf 4:5 verkürzte.

Xiao zu Spitzenspieler gereift

Natürlich war es hilfreich für Mark Williams, dass die erste Session nach dem neunten Frame beendet war. Am Abend knüpfte er dann wieder nahtlos an seine Gala aus den ersten fünf Frames oder auch an seinen 6:2-Triumph im Halbfinale gegen Neil Robertson an.
Die Vorentscheidung gegen Xiao Guodong fiel im 15. Frame, als Williams ein intensives Safeduell gewann und dann mit einer 95 das 9:6 holte. Den 16. Frame dominierte er dann nach Belieben.
Trotz seiner Niederlage im Endspiel hat Xiao Guodong erneut bewiesen, dass sein Triumph vor gut einem Monat bei den Wuhan Open kein Zufall war. In Bolton erreichte er das Finale auf die harte Tour: Nacheinander schlug er Ronnie O’Sullivan, Mark Selby (beide Male nach 0:3-Rückstand) und Titelverteidiger Mark Allen.
Zwischenzeitlich hatte Xiao ja auch bei der International Championship das Halbfinale erreicht. Der 35-Jährige ist zu einem Spitzenspieler gereift, den man im Auge behalten muss.
Weiter geht es jetzt im Snooker mit dem ersten Triple Crown Event der neuen Saison, der UK Championship. Eurosport überträgt ab kommenden Samstag ausführlich im linearen TV auf Eurosport 1 und Eurosport 2 sowie in den Livestreams bei discovery+. Schon die Qualifikation in dieser Woche ist live bei discovery+ zu sehen. Hinzu kommt natürlich die gewohnt ausführliche Berichterstattung auf der Website von Eurosport.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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