Die Reaktionen der Fans und auch der anderen Spieler in den sozialen Medien waren einhellig: ein verdienter Sieger. Dem Sympathie-Träger David Gilbert gönnte jeder von Herzen diesen Erfolg. Vier Mal stand Gilbert zuvor in einem Finale. Aber der ganz große Wurf wollte ihm nicht gelingen. Irgendetwas fehlte immer, und ihm drohte, das Etikett vom Beinahe-Mann angeheftet zu bekommen.
Besonders bitter war seine Niederlage 2019 in Berlin beim German Masters gegen Kyren Wilson. Gilbert schien das Match im Griff zu haben, bis er bei einem entscheidenden Ball durch eine Störung von der Tribüne rausgebracht wurde. Davon erholte er sich nicht mehr und er verlor die Begegnung mit 7:9.
Nun ist der Bann gebrochen. Und das hätte zu keinem besseren Zeitpunkt passieren können. Natürlich ist die Championship League nicht der wichtigste Event der Saison. Aber trotzdem muss man den Titel erst einmal holen. Mit einem derartigen Positiv-Erlebnis in die Saison zu starten, gibt Selbstbewusstsein und Auftrieb. Neil Robertson hat das ja auch oft betont, und auch Mark Selby machte im Vorjahr seinen Sieg beim European Masters für seine gute Saison verantwortlich.
Snooker
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Finanziell lukrativ ist der Erfolg natürlich auch. Für den Sieg in Leicester bekommt Gilbert 33.000,- Pfund. Zudem war dieser Triumph das Ticket zum Champion of Champions und zum World Grand Prix. Die Qualifikation für die Players Championship ist zudem erheblich wahrscheinlicher geworden. Das sind alles Events, bei denen es um das große Geld ging.

Championship-League-Triumph bringt Gilbert viel Selbstvertrauen

Wichtiger als das Geld ist aber das Selbstbewusstsein, das David Gilbert daraus ziehen kann. Die letzte Saison lief es für Gilbert nämlich nicht gerade berauschend. Zwar zeigte er seine Fähigkeiten als Halbfinalist beim Masters, aber bei Ranglisten-Turnieren war für ihn spätestens im Achtelfinale Schluss (abgesehen vom Shootout). Für einen Spieler, dessen Ambition ganz klar ein Platz in den Top 16 der Rangliste sein muss, war das zu wenig.
Gilbert ist ein Mensch, der die soziale Interaktion genauso dringend braucht wie Trinkwasser. Deshalb hat er unter den Beschränkungen durch die Corona-Pandemie ganz besonders gelitten. Und darunter litt dann auch sein Spiel.
Die Rückkehr in die Top 16 der Rangliste war damit zunächst einmal in weite Ferne gerückt. Mit dem Sieg jetzt und dem Auftrieb, den er dadurch bekommen hat, kann er aber wieder viel optimistischer auf die vor ihm liegenden Monate schauen. Die Rückkehr in die Top 16 ist kein fernes Ziel mehr, sondern eine realistische Möglichkeit in der Saison 2021/22.
Glückwunsch also an David Gilbert. Und wir bei Eurosport freuen uns jetzt darauf, dass auch für uns die Snooker-Saison jetzt endlich losgeht. Die Rückkehr der British Open nach 17 Jahren übertragen wir wieder ausführlich.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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