Die seltsame 147

Um eines vorwegzunehmen: Eine 147 ist immer etwas Besonderes. Jedes Break von 147 Punkten hat seinen Reiz und ist mit Kribbeln verbunden. Trotzdem war die 147 von Ronnie O'Sullivan heute im dritten Frame gegen Mark King für mich das seltsamste Maximum, das ich je miterlebt habe.

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Fotocredit: Eurosport

Ken Doherty hatte schon recht, als er das als „typisch Ronnie" bezeichnete: „Am Ende von Frame zwei wirkte er so, als wolle er gar nicht da am Tisch sein, und dann legt er den Schalter um und macht das Maximum. Das kann so nur Ronnie." Ken meinte denn auch noch, dass das „funny" sei.
Schon zuvor in Frame zwei spielte O'Sullivan ja nach dem Motto „fällst du ist es gut, fällst du nicht ist es auch gut". Genau so hat er auch das Maximum gespielt. Das hat mit Sicherheit zu dem seltsamen Eindruck beigetragen. Natürlich war, wie im Forum angemerkt, die Ausgangsposition sehr, sehr günstig. Aber trotzdem muss auch ein Ronnie die Bälle erst einmal lochen; die fallen nämlich nicht automatisch. Dass er das ganze Maximum einfach aus dem Bauch heraus gespielt hat, auch das ist eben typisch Ronnie. Und auch da ist er vielleicht der einzige, der das mit einer solchen Beiläufigkeit kann.
Dass ein Maximum auf dem Tisch lag war von Anfang an klar. Deshalb hatte Ronnie ja auch sofort Schiedsrichter Jan Verhaas nach der Sonderprämie gefragt, die ja abgeschafft worden ist (außer bei der Weltmeisterschaft). Als er dann aber aus Protest dagegen, dass es keine Prämie gibt, die letzte Schwarze nicht mehr spielen wollte, fand ich es gut, dass Jan ihn motiviert hat, darauf zu verzichten und auch Schwarz noch zu spielen. Da hat Jan wieder einmal Fingerspitzengefühl und übrigens auch sein großes Engagement für Snooker bewiesen. Und ich fand es auch gut, dass Ronnie sich dann eines Besseren besonnen hat und Schwarz doch noch spielte. Er selber hat ja unzählige Male betont, dass man als Snookerprofi auch sein Publikum unterhalten müsse. Und eine 147 ist nun einmal perfektes Entertainment.
Dass die Sonderprämie nicht mehr gibt hätte Ronnie eigentlich wissen müssen. Das stand nämlich ausdrücklich in dem Vorschlagspapier, dass Barry Hearn im Frühjahr allen Spielern geschickt hat. Über diese Vorschläge haben die Spieler dann ja auch bei mehreren Treffen diskutiert und am Ende darüber abgestimmt. Auch die Gründe sind bekannt: Weil Maximum Breaks immer häufiger wurden wurden die Versicherungsprämien (eine 147 war immer ein versichertes „Risiko") immer teurer. Das rechnete sich nicht mehr. Der Vorschlag von Barry Hearn war deshalb, das Geld besser in den allgemeinen Preisgeldtopf zu stecken, von dem dann alle profitieren können. Vor allem für die Spieler weiter unten in der Rangliste ist das wichtig. Ronnie hatte ja die Möglichkeit, darüber zu diskutieren und sich dagegen auszusprechen. Ich bin mir beinahe sicher, dass Barry Hearn dabei flexibel gewesen wäre. Ihm kann es schließlich egal sein, ob er das zur Verfügung stehende Geld (zumindest einen Teil davon) in den Preisgeldtopf steckt oder an Versicherungen bezahlt.
Noch ein Wort dazu, ob das Maximum denn überhaupt zähle, wo Ronnie doch vor der Schwarzen schon Mark King die Hand geschüttelt habe: Die Frage ist überflüssig. Ronnie hat Schwarz gespielt, Jan hat die Schwarze gezählt und auch im offiziellen Match Report ist die 147 notiert. Schließlich sateht nirgendwo in den Regeln, dass man nicht während eines Frames diverse Hände schütteln darf.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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