Alan McManus glänzte als Spieler nie mit der Offensiv-Power eines Stephen Hendry, eines Ronnie O’Sullivan oder eines Judd Trump. Aber er galt immer als gewiefter Taktiker und knallharter Kämpfer. Kaum jemand verstand so genau, was wirklich auf dem Tisch passierte. Er reflektierte und analysierte jedes Detail. Das brachte ihm den Spitznamen "Angles" ein; er beherrschte die Winkel (und auch die Winkelzüge) auf dem Tisch eben perfekt.
Als McManus 1990 Profi wurde, feierte er sehr schnell erste Erfolge. Schon in seiner Debut-Saison qualifizierte er sich für die WM-Endrunde im Crucible Theatre und schlug dort Willie Thorne, bevor er im Achtelfinale Terry Griffiths knapp mit 12:13 unterlag. In den folgenden beiden Jahren stand er jeweils im WM-Halbfinale. Zuletzt erreichte er 2016 noch einmal überraschend die letzten vier bei der WM.
Seinen größten Erfolg feierte Alan McManus 1994, als er die Siegesserie von Stephen Hendry beim Masters stoppte und seinen schottischen Landsmann im Finale mit 9:8 schlug. Hendry hatte beim Masters zuvor fünf Mal in Folge triumphiert. Mit dem Dubai Classic 1994 und dem Thailand Open 1996 gewann McManus darüber hinaus zwei Weltranglisten-Turniere.
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Drei Titel in einer so langen Karriere mögen als nicht viel erscheinen, aber man darf dabei nicht vergessen, dass er als Spieler Überflieger wie Steve Davis oder Stephen Hendry und später dann das glanzvolle Trio O’Sullivan, Higgins und Williams als Gegner hatte. Gemeinsam mit Hendry und Higgins bildete er auch das glorreiche schottische Team, das 1996 den World Cup gewann.
Doch nicht nur als Spieler genoss Alan McManus großen Respekt. Wenn er etwas sagte und sagt, dann ist das immer sehr fundiert. Deshalb haben ihm auch alle immer zugehört. Was er sagte, das hatte Gewicht. So half er auch vielen jungen Spielern wie zuletzt Anthony McGill als Mentor, damit sie bei den Profis Fuß fassen konnten.
Wenn man sich mit Alan McManus über Snooker unterhält, dann ist das immer ein großes Vergnügen und ein Gewinn. Es gibt eigentlich nichts, was der nicht weiß. So verwundert es nicht, dass er sich auch als TV-Experte und Kommentator schnell einen hervorragenden Ruf erarbeitete. Diese Rolle will er nun intensivieren.
Er habe sich aus mehreren Gründen schon vor Weihnachten zum Rücktritt entschlossen, verriet Alan McManus im Gespräch mit der World Snooker Tour. Vor allem sei es zunehmend schwerer geworden, seine TV-Arbeit und seine Arbeit am Trainingstisch unter einen Hut zu bringen. Er fühle sich aber sehr wohl mit seiner Entscheidung.
Für mich war es immer ein großes Vergnügen, dass ich den Spieler Alan McManus als Journalist begleiten durfte. Dass er nun ein Kollege ist, das ist ein Gewinn für den Snooker-Sport.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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