Robert Milkins: Nur drei Wochen nach dem Tiefpunkt der große Wurf - der lange Weg zum ersten Titel

Robert Milkins hat die Gibraltar Open gewonnen. Das ist eine weitere große Überraschung in einer an Überraschungen wahrlich nicht armen Saison. Nach David Gilbert, Zhao Xintong, Hossein Vafaei und Fan Zhengyi ist Milkins schon der fünfte Spieler, der in dieser Saison seinen ersten Titel geholt hat. Hinzu kommt noch Joe Perry, der sieben Jahre auf seinen zweiten Titel warten musste.

Robert Milkins

Fotocredit: Getty Images

Bei Milkins hatte nun wirklich nichts darauf hingedeutet, dass er in Gibraltar nach 27 Profi-Jahren den großen Wurf landen würde. Zuvor hatte er in der gesamten Saison nur drei Matches gewonnen. Er fürchtete schon, sich in der kommenden Saison Sorgen um seinen Tour-Verbleib machen zu müssen.
Nur drei Wochen vor seinem Sieg über Kyren Wilson hatte er noch einen Tiefpunkt erlebt, als er bei der Eröffnungsfeier des Turkish Masters nach Alkohol-Eskapaden auffällig geworden war; dafür muss er sich auch noch einem Disziplinarverfahren der WPBSA stellen.
Der Druck muss also enorm gewesen sein, als er in Gibraltar antrat. Es geht ja nicht nur um sportlichen Erfolg, sondern auch um die wirtschaftliche Situation seiner Familie. Er ist dreifacher Vater. Das alles sind denkbar schlechte Voraussetzungen, um in einem mental so fordernden Sport wie Snooker Leistung zu bringen.
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Zhang glänzt mit Century gegen Hawkins

Quelle: Eurosport

Woher also kam das plötzlich alles?
Um ehrlich zu sein: Ich weiß es auch nicht. Mag sein, dass er es endlich einmal geschafft hat, alle negativen Gedanken und Gefühle zu verbannen. Dadurch kann er zu seiner eigentlichen Stärke gefunden haben. Dass er reichlich mit Talent gesegnet ist, das ist ja kein Geheimnis.

Kurze Distanz spielt Milkins in die Karten

Natürlich hat dabei auch geholfen, dass man bei einem Format wie dem der Gibraltar Open eigentlich nur zwei Tage braucht, an denen es läuft, und nicht eine ganze Woche oder mehr wie bei anderen Turnieren. Und die kurze Distanz hat ihm sicherlich auch in die Karten gespielt. Da bleibt weniger Zeit zum Nachdenken. Aber all das soll seinen Erfolg natürlich nicht schmälern. Er gehört zu den beliebten Spielern auf der Tour; die anderen haben sich mit ihm gefreut.
Bei den vielen überraschenden Siegern in dieser Saison habe ich aber auch den Eindruck, dass die vielen Monate hinter verschlossenen Türen und ohne Publikum eine Art Gleichmacher waren. Unter Corona-Bedingungen gab es keine Stars mehr. Alle waren gleich, alle mussten sich den gleichen Prozeduren unterziehen. Nach diesen Erfahrungen sieht man den anderen nicht mehr als Überflieger, sondern als Menschen aus Fleisch und Blut wie Du und ich.
Ein Wort noch zu Kyren Wilson: Der hat nun sieben seiner elf Ranking-Finals verloren. Das ist keine gute Quote. Er ist natürlich ein sehr guter Snooker-Spieler. Aber er ist noch kein wirklicher Champion. Dazu muss er noch den Instinkt entwickeln, um im entscheidenden Moment die Chancen zu ergreifen und zuzuschlagen. Das ist nichts, was man am Trainingstisch lernen kann. Das muss man in sich haben beziehungsweise entwickeln. Vielleicht muss man manchmal einfach auch nur ein bisschen weniger nett sein.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Gibraltar Open : Bingham scores 147 points

Quelle: Eurosport

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