Rolf-Kalb-Blog: Ein Titel ist ein Titel - was der Sieg in Thailand für Ding Junhui bedeutet

Zugegeben: Die 6-Reds-Weltmeisterschaft ist nicht das wichtigste Turnier im Kalender. Ranglisten-Punkte gibt es dabei auch nicht. Ding Junhui selber hat ja nach seinem Sieg gesagt, dass der Druck nicht so groß und alles entspannter sei, dass es für die Spieler auch um Spaß gehe. Also alles ohne Bedeutung? Ferientage in Thailand, sozusagen? Ich glaube: mitnichten. Ein Titel ist ein Titel.

6-Reds-Weltmeisterschaft: Ding holt sich den Titel

Quelle: Eurosport

Natürlich kann man ein frühes Ausscheiden bei der 6-Reds-WM lockerer wegstecken als ein frühes Aus bei einem wichtigen Turnier. Man handelt sich auch keine Nachteile in der Rangliste ein. Das lässt alle Spieler entspannter damit umgehen.
Aber: Jeder Profi (zumindest jeder erfolgreiche Profi) hat das Wettkampf-Gen in sich. Gewinnen zu wollen, gehört zur Grundausstattung aller Profisportler. Und am Ende gilt: Man muss gut Snooker spielen, um den Titel zu gewinnen. Da ist es egal, ob sechs oder 15 Rote auf dem Tisch liegen.
Man hat das Ding Junhui auch angemerkt. Da war nichts mehr entspannt, als es auf die Entscheidung zuging. Das war Druck pur. Das hat auch die Faust-Geste von ihm verdeutlicht, als er den entscheidenden Ball gelocht hatte und sich die Anspannung löste.
Vor Ding liegen die für ihn vielleicht wichtigsten Wochen der Saison. Beim WST Classic kann er seine Situation in der Weltrangliste verbessern. Vor allem aber: In Leicester will er sicherstellen, dass er bei der Tour Championship in Hull dabei ist. Wenn er das schafft, dann hat er eine realistische Chance, vor der WM in die Top 16 zurückzukehren und damit zu den gesetzten Spielern im Crucible Theatre zu gehören.

Muss Ding durch die Mühle der WM-Qualifikation?

Etwa 17.000 britische Pfund muss er nach dem derzeitigen Stand noch gutmachen, um das zu schaffen. Qualifiziert er sich für die Tour Championship, bekommt er in Hull schon 20.000 Pfund garantiert.
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Ding Junhui zeigt seine Klasse im Duell mit O'Sullivan

Quelle: Eurosport

Natürlich: Seine einzige Final-Teilnahme bei der WM hat er erreicht, als er durch die Qualifikation musste. Trotzdem: Die WM-Qualifikation ist eine Mühle, die viele Nerven kostet. Wer sich das erspart, der hat einen Vorteil. Und darf in der ersten WM-Runde auf einen leichteren Gegner hoffen.
Was hat die 6-Reds-WM denn nun mit dem allen zu tun? Ganz einfach: Snooker ist ein Sport, in dem man in der Regel dann erfolgreich sein kann, wenn man mit Selbstvertrauen an den Tisch geht und von seinem eigenen Erfolg überzeugt ist. So hat Judd Trump die Snooker-Welt zwei Jahre lang in Grund und Boden gespielt. Seitdem er diese Selbstgewissheit verloren hat, werden die Erfolge seltener bei Trump.

Warum der Titel für Ding so wichtig ist

Und auch Ding Junhui fehlt dieses Selbstbewusstsein derzeit noch. Das kommt einem aber nicht zugeflogen. Das Selbstvertrauen kommt nur durch Siege und nur dadurch, dass man Titel gewinnt. Deshalb war der Triumph in Pathum Thani für Ding Junhui so wichtig. Damit ist noch nicht garantiert, dass er seine Ziele in dieser Saison erreicht. Aber es ist wahrscheinlicher geworden, dass er es schaffen kann.
Noch ein Wort zum Fehler des Schiedsrichters im elften Frame des Finales zwischen Ding Junhui und Thepchaiya Un-Nooh. Ding hatte Pink verschossen und der Ball legte sich zwischen Spielball und die letzte Rote. Ein Snooker hinter der nominierten Farbe ist ein Foul beim 6-Reds.

Die Entscheidung des Schiedsrichters steht

Ich habe mir das noch einmal genau im Stream angeschaut: Un-Nooh konnte auf keinen Fall die Rote links (vom Spielball aus gesehen) anspielen. Also hat die nominierte Farbe (Pink) einen Snooker verursacht. Es hätte sechs Foulpunkte und einen Freeball geben müssen. Hat es aber nicht.
Eigentlich hätte Un-Nooh diesen Frame dennoch gewinnen müssen, weil er Rot ja trotz des Snookers lochen konnte. Trotzdem hätten die Foulpunkte zu einem anderen Ausgang des Frames führen können. Aber es ist müßig, darüber zu spekulieren. Eine Entscheidung des Schiedsrichters steht. Und unverdient war der Sieg für Ding ja nun nicht.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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