Der erste Vorhang der Saison gehörte wie der letzte Mark Selby. Der startete mit seinem Sieg beim European Masters in die Spielzeit und beendete sie als Weltmeister. Damit war er natürlich einer der herausragenden Spieler dieser Saison, zumal er sich auch noch die Scottish Open holte. Aber er war sicherlich nicht der überragende Spieler. Diese Ehre gebührt eher Judd Trump.
Judd Trump hat in dieser Saison gleich fünf Titel gewonnen. Das war nur einer weniger als in seiner Rekord-Saison 2019/20. Kritiker wenden natürlich ein, dass keiner der großen klassischen Titel dabei waren. Aber das halte ich für Meckerei auf hohem Niveau. Die English Open und die Northern Ireland Open hat er im Finale auch gegen namhafte Konkurrenten gewonnen, nämlich gegen Neil Robertson und Ronnie O’Sullivan. Knapp gescheitert ist er dagegen bei der UK Championship. Da verlor er das dramatische Endspiel tief in der Nacht mit 9:10 gegen Neil Robertson.

Judd Trump

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Dank seiner Erfolge hat Judd Trump die Saison natürlich auch als Nummer eins der Weltrangliste beendet. Dass er diesen Platz in der Sonne aber in der kommenden Saison verteidigen kann ist alles andere als sicher. Selby hat auf Platz zwei nämlich nur noch 124.000 Pfund Rückstand. Und bei Trump fallen im Laufe der kommenden Saison fast 800.000 Pfund aus der Wertung, während bei Selby nur gut 425.000 Pfund wegfallen.
Gleich bei dreien seiner Triumphe hat Trump im Finale seinen Kumpel Jack Lisowski geschlagen. Der wartet damit noch immer auf seinen ersten Titel; der Druck für ihn wird immer größer. Lisowski ist aber nicht der größte Beinahe-Mann der Saison. Der war nämlich Ronnie O’Sullivan, der gleich fünf Endspiele verlor und damit die Saison ohne Titel beendete. Fünf Finals erreicht zu haben kann man sicherlich nicht als schlechte Saison bezeichnen; der Anspruch, der auch von außen an O’Sullivan herangetragen wird, ist aber natürlich ein anderer. Fünf Endspiele in Folge hat er zuvor in seiner langen Karriere noch nie verloren.

Die größten Überraschungen der Saison

Die größte Überraschung war dabei sicherlich die Final-Niederlage von O’Sullivan bei den Welsh Open gegen Jordan Brown. Für den Nordiren war es der mit Abstand größte Erfolg seiner Karriere und sein erster Titel. Beeindruckend war vor allem seine Nervenstärke im Decider. O’Sullivan hatte zuvor mit einer 119 das 8:8 geschafft, aber den entscheidenden Frame holte sich Brown dann mit einer 74. Bestätigen konnte er das im Rest der Saison allerdings nicht mehr. Es bleibt also abzuwarten, ob er sich als One-Hit-Wonder entpuppt.
Zu den Überraschungssiegern dieser Saison zählte auch Yan Bingtao, der mit dem Masters einen der Klassiker gewann. Bestätigen konnte er das aber in der Folgezeit ebenfalls nicht. Allerdings spielte er auch nur noch drei Turniere und scheiterte bei den Welsh Open an Mark Selby und bei der WM am da überragend spielenden Shaun Murphy.
Auch Neil Robertson gehört zu den großen Siegern dieser Saison. Schließlich holte er mit der UK Championship und Tour Championship gleich zwei sehr renommierte Titel. Vor allem bei der Tour Championship spielte er überragend und ließ im Finale mit 10:4 einen nur noch staunenden Ronnie O’Sullivan zurück. Umso bitterer für den Australier, dass er dieses Potential bei der WM erneut nicht ausschöpfen konnte.

Neil Robertson

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Mark Allen hat mit seinem Sieg beim Champion of Champions gezeigt, wie gut er wirklich sein kann. Aber der Rest der Saison war eine Enttäuschung für ihn. Er hat ja aber keinen Hehl daraus gemacht, dass Probleme abseits des Snookertisches dabei eine große Rolle gespielt haben. John Higgins und Kyren Wilson sind weitere Sieger der Saison. Wenn Higgins einen guten Tag hat, dann muss er niemanden fürchten; aber bei weitem nicht alle Tage sind bei ihm gut. Beim Warrior habe ich dagegen noch immer das Gefühl, dass noch einige Kleinigkeiten fehlen. Kann er das Puzzle vervollständigen, dann könnte auch aus ihm ein Seriensieger werden.
Eines ist auf jeden Fall klar: Ich freue mich riesig auf die neue Saison!
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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