In dieser Saison hatten zahlreiche Topspieler ihre persönlichen psychischen Probleme öffentlich gemacht. Darunter unter anderem die beiden Weltmeister Mark Selby und Shaun Murphy sowie Gary Wilson und Martin Gould.
So erklärte Gould vor der WM 2020, dass er vor dem ersten Lockdown Großbritanniens im März aufgrund mentaler Probleme fast mit dem Snooker aufgehört hätte. "Ich musste einige Dämonen in mir besiegen. Ich war mental und körperlich völlig ausgelaugt", sagte Gould.
Auch Wilson klagte über Motivationsprobleme: "Ich habe keine Motivation, Snooker zu spielen, aus dem Bett zu kommen. Ich kämpfe damit, einen Zweck oder ein Endziel zu sehen", erzählte der WM-Halbfinalist von 2019 am Rande der Championship League. "Ich weiß nicht, was die Experten sagen würden, aber es klingt wie eine Depression und das ist es, was ich durchmache."
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Der dreimalige Weltmeister Selby enthüllte im Anschluss an das Masters, dass er nach dem frühen Tod seines Vaters David über Selbstmord nachdachte. Selby war erst 16, als sein Vater starb. Bis heute nimmt die ehemalige Nummer eins der Welt Medikamente, um mit der Situation fertig zu werden.
"Wenn man Depressionen hat, ist es sehr hart und Zeiten wie diese machen es nicht einfacher, weil man in seinem Haus eingesperrt ist und so viel Zeit hat, über Dinge nachzudenken", erklärte Selby.
Murphy beklagt vor allem die Isolation in Hotelzimmern. Er fühle sich "dort gefangen. Ich kämpfe wirklich damit", so der Weltmeister von 2005, bei dem sich die derzeitige Situation vor allem durch eine Gewichtszunahme bemerkbar macht.

Ronnie O'Sullivan in Aktion beim Masters

Fotocredit: Getty Images

O'Sullivan spricht offen über Depressionen

O’Sullivan hat seine gesundheitlichen Probleme besonders in seiner 2013 erschienenen Autobiografie "Running" offen angesprochen. Über seine Social-Media-Kanäle bietet er Menschen mit ähnlichen Problemen und Ängsten Unterstützung an und gibt Ratschläge für den Umgang mit der Krankheit.
"Ich dachte, wir können etwas tun, um den Leuten zu helfen, indem wir ein paar Videos online stellen", meinte O'Sullivan und fügte an: "Wenn man das Gefühl hat, dass man jemandem helfen kann, ist es großartig. Ich verstehe ein bisschen was von der psychischen Gesundheit, wenn man so will, und das ist definitiv etwas, das mir am Herzen liegt."
Gerade Snookerspieler leiden laut O’Sullivan an dem Lockdown. Die Spieler leben zum Großteil in einer Blase, um die Turniere, die überwiegend in Milton Keynes in der laufenden Saison stattfinden, zu spielen.
"Ich glaube nicht, dass es gesund ist, vier, fünf oder sechs Stunden in einem Raum zu sein und Bälle zu spielen. Das ist es aber, was wir Spieler im Allgemeinen tun. Wir plaudern da nicht wie Hobbyspieler mit Kumpels. Man ist einfach still, konzentriert sich und bleibt so lange wie möglich in dieser Blase. Ich denke einfach, dass es nicht gesund ist, das tagein, tagaus zu tun", so O’Sullivan.

O'Sullivan arbeitet mit Sportpsychiater zusammen

Im Vergleich zu anderen Mannschaftssportarten sei die Einzelsportart Snooker während der Pandemie besonders hart getroffen, da den Spielern das soziale Umfeld fehlt. Man habe laut O’Sullivan keine Möglichkeit, sich auszutauschen und einen positiven Einfluss auf den eigenen mentalen Zustand dadurch zu bekommen.
"Bei vielen Snookerspielern kann ich die Probleme verstehen, weil es nicht die gesündeste Art ist, seine Zeit zu verbringen. Ich musste ein bisschen milder und philosophischer werden, um weiter zu spielen und um meinen Verstand zu bewahren", sagte der sechsmalige Weltmeister, der seit 2011 mit dem Sportpsychiater Steve Peters zusammenarbeitet.
Insbesondere der Umgang mit Misserfolg sei enorm entscheidend im Snooker. "Wenn man sich so anstrengt und nicht zurückbekommt, ständig in der ersten, zweiten oder dritten Runde geschlagen wird und man sich wie der letzte Dreck fühlt, ist das schwer zu ertragen und zu verarbeiten", so O’Sullivan.
Der amtierende Weltmeister rät daher, sich nicht selbst unter Erfolgsdruck zu setzen und nicht "die Einstellung zu haben, dass es auf dem Tisch um Leben und Tod geht. Es geht darum, die richtige Balance zu finden, alles ein bisschen entspannter zu sehen und auch Rückschläge zu akzeptieren."
Wichtig dabei sei, die richtige Mischung aus ehrgeiziger und emotionaler Involvierung in einer Partie und der richtigen mentalen Lockerheit am Tisch zu finden. "Es ist wirklich ein schmaler Grat, um herauszufinden, wie man an die Sache herangeht", schloss O‘Sullivan.
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