Rolf-Kalb-Blog: Schöner Sieg für Stephen Maguire bei der Championship League - dennoch ein blutleeres Turnier

Der erste Titel der neuen Snooker-Saison ist vergeben: Stephen Maguire hat das Finale der Championship League in Leicester mit 3:1 gegen Joe O'Connor gewonnen. Für den Schotten war es der siebte Titel bei einem Ranglisten-Turnier und der erste seit seinem Triumph bei der Tour Championship 2020. Rolf Kalb konstatiert aber in seinem neuen Blog, dass sich das Event "blutleer" angefühlt habe.

Der entscheidende Frame: Evans löst Ticket für Hauptfeld

Quelle: Eurosport

Nach seinem Sieg in Leicester schätzte Stephen Maguire seinen Erfolg realistisch ein: Natürlich sei die Championship League nicht das wichtigste Turnier der Saison, ließ er die Medien wissen.
Aber er wies auch auf die positiven Aspekte hin: Der Sieg bringt ihm das Ticket für das Champion of Champions und verschafft ihm in eine gute Ausgangsposition, um sich zum Beispiel auch für den World Grand Prix zu qualifizieren.
So schön der Erfolg für Maguire auch ist: Insgesamt fühlte sich die Championship League in diesem Jahr seltsam blutleer an. Das Format sorgt schon immer dafür, dass das Turnier ziemlich zerrupft wirkt. Maguire selber wies darauf hin, dass er gefühlt ständig auf der Autobahn unterwegs gewesen sei.
Ein Turnier über 24 Tage liest sich im Kalender gut. Aber Maguire zum Beispiel war ja nur an drei Tagen im Einsatz. Das war viel hin und her. Einen Rhythmus kann man dabei nicht aufnehmen. Dabei wäre gerade das zu Beginn der neuen Saison wichtig und hilfreich.

Weltspitze glänzt durch Abwesenheit

Da verwundert es auch nicht, dass praktisch die gesamte absolute Weltspitze durch Abwesenheit glänzte. Von den ersten acht der Weltrangliste war niemand im Teilnehmerfeld.
Und die Top-Spieler, die am Start waren, sind früh gescheitert. Siehe zum Beispiel Barry Hawkins, Shaun Murphy oder auch Titelverteidiger Ali Carter.
Ich habe Verständnis für die Top-Spieler, die auf einen Start verzichtet haben. Natürlich kann man bei der Championship League Spielpraxis sammeln, aber bei einer systematischen Saisonvorbereitung hilft die ganze Veranstaltung eher nicht.
Stattdessen würden die ganzen Spiel-Termine den eigenen Kalender für den Sommer komplizierter machen. Und die damit verbundene Fahrerei macht es auch nicht gerade attraktiv.

Mit Spieltagen den Kalender gefüllt

Hinzu kommt, dass die Bedeutung der Championship League begrenzt ist. Das Preisgeld ist im Vergleich bescheiden. 33.000,- Pfund hat Maguire für seinen Sieg bekommen. Mit Blick auf die Weltrangliste ist das zwar schön, aber es ist auch nicht die Welt. Gefühlt geht es eher darum, den Kalender mit Spieltagen zu füllen.
Trotz aller Vorbehalte: dem 44-Jährigen kann das egal sein. Er startet mit Rückenwind in die neue Saison. Gerade für den Schotten ist das wichtig. Er hatte Anfang des Jahres zwar das Finale der Welsh Open erreicht, doch danach warfen ihn Rückenprobleme wieder zurück. Die scheint er jetzt überwunden zu haben.
Bemerkenswert und gleichzeitig typisch für Stephen Maguire ist, dass er den Titel am Ende mit einem Queue geholt hat, mit dem er erst seit zwei Wochen spielt. Der Schotte ist ja bekannt dafür, dass er manchmal die Queues wechselt wie andere die Wäsche.
Nicht immer hat er sich damit einen Gefallen getan. Hier hat es aber funktioniert. Gewonnen hat er den Titel nämlich in typischer Maguire-Manier: Im Finale spielte er Breaks von 85, 61 und 89 Punkten.
Richtig ernst wird es in der Snooker-Welt erst mit dem Shanghai Masters ab dem 28. Juli (Eurosport überträgt ausführlich im TV und digital). Aber das wird mein Thema in meinem nächsten Blog sein.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Der entscheidende Frame: Evans löst Ticket für Hauptfeld

Quelle: Eurosport


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