Snooker-WM 2026 - Rolf-Kalb-Blog zum Finale zwischen Wu Yize und Shaun Murphy: Märchen wird wahr nach furiosem Endspiel

In einem an Intensität nicht zu überbietenden Finale holte Wu Yize in Sheffield seinen ersten WM-Titel - das knappe 18:17 über Shaun Murphy war ein dramatisches Kunstwerk. Wu ist damit der zweite chinesische Weltmeister in Folge und der 25. Crucible-Champion in der 50-jährigen Geschichte des Crucible Theatres. Eurosport-Experte Rolf Kalb blickt in seinem Blog auf ein furioses Endspiel zurück.

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Quelle: Eurosport

Glückwunsch an Wu Yize! Sich in so einem Match durchzusetzen, das verdient allergrößten Respekt. Das 18:17 im WM-Finale war an Intensität nicht zu überbieten.
Ein echtes Crucible-Drama. Das hat Spaß gemacht beim Zuschauen. Zum vierten Mal überhaupt in der Crucible-Ära und zum ersten Mal seit 24 Jahren ging das WM-Finale über die volle Distanz.
Am Ende hing es an Kleinigkeiten. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Murphy die Stellung im 35. Frame geschafft hätte. Und dass der Spielball bei Wus Safety genau vor Gelb landete war auch ein bisschen glücklich.
Die Safe-Antwort von Murphy in dieser prekären Situation war wahrlich nicht schlecht. Aber eben auch nicht gut genug: Wu Yize lochte eiskalt eine Rote in die Mitteltasche und blickte nicht mehr zurück. Sein 85er-Break im Decider war angesichts der Situation und Bedeutung sensationell.

Wu wie Zhao: Unbelastet und unbekümmert

Nach Zhao Xintong feiert also mit Wu Yize jetzt direkt der zweite Chinese den WM-Titel. Und ein bisschen erinnerte mich der Triumph von Wu an den Vorjahreserfolg von Zhao.
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Wu Yize holt sich den WM-Titel 2026

Fotocredit: Getty Images

Unbelastet und unbekümmert stürmten beide mit viel Spielfreude und einem Höchstmaß an Aggressivität durch die WM. Dazu mag auch beigetragen haben, dass beide ohne große Erwartungen ins Crucible gekommen waren. Wu hatte zuvor in diesem Theater der Snooker-Träume ja noch nie ein Match gewonnen.
Noch mehr hat mich der Sieg von Wu allerdings an Shaun Murphys Sturmlauf zum WM-Titel im Jahr 2005 erinnert. Auch Murphy war damals ohne große Erwartungen angetreten. Im Gegenteil: Er hatte ja auch noch nie im Crucible ein Match gewonnen und war eigentlich entschlossen, seine Snooker-Karriere zu beenden.

Murphy als Autoverkäufer zum WM-Titel

Murphy war damals bei der WM-Qualifikation nur angetreten, weil er das Startgeld schon bezahlt hatte. Eigentlich hatte er bereits einen Arbeitsvertrag als Autoverkäufer unterzeichnet. Aber dann stürmte auch er mit einem Höchstmaß an Aggressivität zum Titel.
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Jubel im Crucible: Murphy gleicht im Finale nach Wu-Patzer aus

Quelle: Eurosport

Shaun Murphy hat selber mehrfach erzählt, dass dieses Kunststück damals nur möglich gewesen sei, weil er noch keine Narben davongetragen und deshalb furchtlos gespielt habe. Dasselbe hat er nun, vollkommen zurecht, über Wu gesagt. Murphy hatte auch Recht, als er nach dem Finale sagte: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich das Match verloren habe. Wu hat es gewonnen."
Dass das Finale so fasziniert hat lag natürlich auch an den vielen Wendungen. So gab Wu im 30. Frame noch einen 70:0-Vorsprung aus der Hand. Im 33. Frame reichten 45 Punkte Vorsprung für Murphy nicht, im nächsten Durchgang aber drehte er den Spieß herum, als er 43 Punkte Rückstand aufholte.

Wu - der Erfolg hing am seidenen Faden

Bitter ist für Murphy natürlich, dass es erneut nicht für den Titel reichte, obwohl er so eine tolle WM gespielt hat, auch im Finale. Das war nun schon das vierte WM-Endspiel, das er verloren hat (nach 2009, 2015 und 2021). Das Warten auf seinen zweiten WM-Titel geht weiter. Dabei war er seit 2005 nie mehr so nah am Titel dran.
Natürlich hatte auch Wu während dieser Weltmeisterschaft die Momente, in denen sein Erfolg am seidenen Faden hing. Wenn Mark Allen am Ende des Halbfinales Schwarz gelocht hätte, dann hätte Wu das Endspiel verpasst. Aber das ist normal: Um Weltmeister zu werden braucht man auch immer in wichtigen Situationen ein bisschen Glück.
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Die Entscheidung: Wu Yize krönt irres Comeback mit Final-Einzug

Quelle: Eurosport

Mit dem Triumph von Wu ist auch ein Märchen wahr geworden: Als er mit 16 Jahren nach England kam, da hauste er mit seinem Vater in einer fensterlosen Bude, in der sich die beiden sogar das Bett teilen mussten.
Und nun, nur sechs Jahre später, ist er der zweitjüngste Weltmeister aller Zeiten. Manchmal schreibt das Leben doch die schönsten Geschichten.
Das WM-Finale war der faszinierende Schlusspunkt einer faszinierenden Saison. Aber darüber werde ich in einem späteren Blog schreiben.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Quelle: Eurosport


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