Rolf-Kalb-Blog: Zum Tod von Legende Snooker-Legende Ray Reardon - ein riesiges Snooker-Herz hat aufgehört zu schlagen

Der Godfather des walisischen Snooker ist tot: Ray Reardon erlag in der Nacht zu Samstag mit 91 Jahren seinem Krebsleiden. Reardon, nach dem auch die Trophäe bei den Welsh Open benannt wurde, war ein sechsmaliger Weltmeister und dominierte Snooker in den 70er-Jahren. Eurosport-Experte Rolf Kalb erinnert sich in seinem aktuellen Blog an die Snooker-Legende.

Fotocredit: Eurosport

"Dracula" wurde er genannt, und dieses Image pflegte er auch. Ray Reardon war bekannt dafür, mit allen Wassern gewaschen zu sein und alle Tricks zu beherrschen. Vor allem aber war er ein Mensch, der Snooker über alles liebte und es immer genoss, sich über diese Liebe zu unterhalten. So habe ich ihn 1991 kennengelernt, kurz vor dem Ende seiner aktiven Karriere.
Mein erster Eindruck damals: ein freundlicher, älterer Herr, aber der Enthusiasmus für Snooker ließ ihn wiederum jung erscheinen. Und er war damals ja schon eine Legende.
Ray Reardon stammt aus einer Familie von Bergleuten und hat auch selber lange unter Tage gearbeitet. Einmal wurde er gar bei einem Grubenunglück verschüttet, konnte aber noch rechtzeitig gerettet werden. Dem Spott seiner Kollegen setzte er sich aus, weil er unter Tage bei der Arbeit immer Handschuhe trug. Er wollte aber seine Hände schützen, um seine Billard-Karriere nicht zu gefährden (er spielte damals nicht nur Snooker, sondern auch English Billiards).
Später arbeitete er dann als Polizist und bewies auch dabei bei mehreren Gelegenheiten Nervenstärke. Das war eine Qualität, die ihn auch immer am Snookertisch auszeichnete.

Reardon gewann sechs WM-Titel

Erst 1967 entschloss er sich, Profi zu werden. Das war nicht ohne Risiko, denn damals lag Snooker ziemlich auf dem Boden und viel Geld war nicht zu verdienen. Das Timing erwies sich aber als perfekt. Kurze Zeit später hob die "BBC" die Serie "Pot Black" ins Programm, um die Vorteile von Farbfernsehen zu demonstrieren.
Diese Serie, bei der nur jeweils ein Frame gespielt wurde, markierte den Aufstieg von Snooker zu einem populären TV-Sport und machte die führenden Spieler zu Stars. Prompt gewann Reardon die erste Ausgabe von Pot Black. Im Finale schlug er dabei John Spencer, der gemeinsam mit Alex Higgins sein großer Rivale in den 70er-Jahren bleiben sollte.
1970 gewann Reardon den ersten seiner sechs WM-Titel. Den letzten WM-Triumph feierte er 1978, damals schon im Crucible Theatre von Sheffield. 1982 stand er noch einmal im WM-Finale, unterlag aber gegen Alex Higgins.

Reardon formte O'Sullivan zum Weltklasse-Snooker-Spieler

Ray Reardon kehrte ins Rampenlicht zurück, als er die Betreuung von Ronnie O’Sullivan übernahm und den zum WM-Gewinn 2004 führte. O’Sullivan ist immer noch des Lobes voll über Reardon. Erst der habe ihn dank seines Wissens zu einem wirklich guten Spieler gemacht. Er lobte aber immer auch die menschliche Qualität von Reardon, mit dem zusammen er viel Spaß gehabt habe.
Reardon ließ aber auch viele andere Spieler an seinem Wissen teilhaben. Beinahe bis zuletzt stand er auch selber noch am Tisch. So hat er erst im letzten November noch ein Century gespielt – mit 91 Jahren!
Viele Generationen von Spielern hat Ray Reardon inspiriert, vor allem in seiner Heimat Wales, aber auch weit darüber hinaus. Er lebt in der Erinnerung weiter als freundlicher Mensch mit viel Lebensfreude und einem riesigen Snooker-Herzen. Kaum jemand hat soviel dazu beigetragen, Snooker groß zu machen, wie Ray Reardon.
Für mich war es ein Privileg, ihn kennenlernen zu dürfen. So mischt sich dann auch viel Dankbarkeit in die Trauer.
Herzlichen Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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