Tour Championship | Ronnie O'Sullivan fallen die Rekorde zu

Rekorde interessieren ihn nicht, behauptet Ronnie O’Sullivan immer. Das kann sogar stimmen. Denn die Rekorde scheinen ihm einfach zuzufallen. Sein Triumph bei der Tour Championship im walisischen Llandudno war sein 36. Sieg bei einem Ranglisten-Turnier. Damit hat er mit Stephen Hendry gleichgezogen. Zweifelt eigentlich irgendjemand daran, dass er Hendry hinter sich lässt?

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Fotocredit: Eurosport

Ich habe jedenfalls keinen Zweifel daran! Das gestern war bei weitem noch nicht der letzte Titel für ihn. Zu überragend spielt er, wenn seine Form einigermaßen passt. Nur bei der Zahl der erreichten Endspiele liegt Stephen Hendry noch vorne. Der Schotte hat 57 Mal bei einem Ranking Event im Finale gestanden, bei Ronnie O’Sullivan sind es bisher 51 Endspiele. Aber man kann die Uhr danach stellen, dass O’Sullivan auch das überbieten wird. Einzig und alleine das mit den sieben WM-Titeln für Hendry wird schwierig zu überbieten sein, aber nicht unmöglich.
Gleichzeitig hat Ronnie O’Sullivan nach neun Jahren die Spitze der Weltrangliste zurückerobert. Das ist umso bemerkenswerter, weil er ja nur sieben der bisher 18 Ranglisten-Turniere in dieser Saison gespielt hat. Das unterstreicht einmal mehr, dass Ronnie O’Sullivan meist in einer eigenen Liga spielt. Judd Trump hat ihn in dieser Saison zwar einige Male ärgern und schlagen können, aber derzeit ist niemand in der Lage, ihm konstant das Wasser zu reichen. Er setzt nach wie vor die Maßstäbe.
Übrigens ist O’Sullivan der älteste Spieler an der Spitze seit Ray Reardon 1983; der war damals 50 Jahre alt (auch das kann O’Sullivan durchaus packen).
Zur Tour Championship: Eine Reihe von Fans beklagt ja, dass es immer mehr Events nur für die Elite gibt. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es auch immer mehr Events für alle Maintour-Profis gibt. Sportlich war die letzte Woche in Llandudno über alle Zweifel erhaben. Das war vom Anfang bis zum Ende Top-Snooker (und mein Herz hat geblutet, weil ich dieses Fest nicht kommentieren konnte). 22 Centuries und 68 weitere Breaks von mehr als 50 Punkten in 121 gespielten Frames belegen die Qualität. Damit alleine also hat die Tour Championship schon ihre Daseinsberechtigung.
Sind diese Events für die Elite ein Vorteil für die Top-Spieler? Ja, das sind sie. Zum einen gibt es da viel Geld zu verdienen, und zum anderen verbessern sie damit natürlich auch ihre Position in der Rangliste, weil sie noch mehr Abstand zwischen sich und die anderen Spieler legen können. Ist das gerecht? Die Top-Spieler würden dazu Ja sagen; es ist, so ihre Sichtweise, die verdiente Belohnung für besondere Leistungen. Aber das ist für mich der springende Punkt: Leistung wird belohnt. Man hat keinen Vorteil aufgrund lange zurück liegender Ergebnisse.
Eine gewisse Bevorzugung der Spitzenspieler (oder verdiente Belohnung, wie sie das sehen würden) hat im Snooker Tradition. Früher war es ja so, dass die Top 16 der Weltrangliste erst in der Runde der letzten 32 einstiegen. Da reichte es dann, regelmäßig sein Auftaktmatch zu gewinnen und vielleicht ab und an mal ein Viertelfinale zu erreichen, um in den Top 16 zu bleiben. Das hat es auch durchaus gegeben. Weil man also vor ein paar Jahren mal gute Ergebnisse erzielt hatte musste man pro Turnier nur ein, maximal zwei Matches gewinnen, um nicht aus dem Elitekreis herauszufallen.
Das ist der Unterschied zu heute: Damals wurde man belohnt, weil man lange zuvor mal gut war und sich dann kaum Komplettausfälle (Erstrundenniederlagen) leistete. Heute muss man aktuell gute Leistungen bringen und Erfolge feiern, um bei den Eliteevents dabei zu sein. Ob das wirklich gerecht ist soll jeder für sich selber entscheiden. Fairer ist das heutige System aber allemal. Und ich glaube auch nicht, dass angesichts der vielen Events die Auswirkungen auf die Weltrangliste so gravierend sind.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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