Ronnie O’Sullivan wundert sich über große Egos der nächsten Generation: "Eine gefährliche Sache"
Der sechsmalige Weltmeister Ronnie O'Sullivan hat die nächste Snooker-Generation für ihr mitunter zu großes Ego kritisiert und sich verdutzt über ihr Verhalten gezeigt. "Sie sind sehr unerfahren und sind wahrscheinlich ein bisschen zu sehr von sich selbst überzeugt, verglichen mit dem wie gut sie tatsächlich sind. Das kann eine gefährliche Sache sein", sagte der 45-Jährige im Eurosport-Interview.
Ronnie O'Sullivan im April 2021 bei der Snooker-WM
Fotocredit: Getty Images
Generell zweifelt Ronnie O’Sullivan schon länger an den Referenzen der Jungprofis, die ohne viel Erfahrung im Amateur- oder Jugendbereich gesammelt zu haben, auf der Profitour auftauchen.
"Es gibt viele gute Spieler, aber ich denke, das Problem beim Snooker ist ein Problem, dass ich bei vielen Spielern sehe", sagte O'Sullivan im exklusiven Interview mit Eurosport Großbritannien vor den English Open: "Sie kommen rein, haben nicht wirklich einen Amateur- oder Junior-Hintergrund, werden Profi und denken dann: 'Ich bin ein Profi, der Mark Williams in der ersten Runde spielt', dabei sind sie aber nicht wirklich gut."
O'Sullivan gab zu, dass ihn die aufkommenden Akteure nicht sonderlich beeindrucken würden. "Sie sind wahrscheinlich ein bisschen zu sehr von sich selbst überzeugt, verglichen mit dem wie gut sie tatsächlich sind", erklärte der Engländer.
"Einige dieser Jungs tauchen jetzt einfach auf, weil es wirklich für jeden offen ist. Sie werden das ganze Jahr über verhätschelt und es ist dann sehr schwer, dieses Ego irgendwie wieder zu brechen", so O’Sullivan.
O'Sullivan: Schaue kein modernes Snooker
Rückblickend denke er, "wenn du ein Junge warst, der Woche für Woche Pro-Am-Turniere gespielt hat, warst du vielleicht in einer Woche obenauf, wurdest dann aber die nächsten zwei oder drei Wochen geschlagen. Dadurch wurde dein Ego in Schach gehalten. Denn du hattest Respekt vor dem Spiel und den Spielern sowie für das Niveau, auf dem du gespielt hast", erzählte "The Rocket" von seinen Anfängen.
Bei einigen Spielern, die er auf der Tour sieht, frage er sich dagegen, wie sie eigentlich dorthin gekommen sind, ergänzte der English-Open-Sieger von 2017 kritisch.
"Sie haben in einigen Fällen keine Erfahrung auf Amateur- oder Junior-Niveau ... ehrlich, ich weiß es nicht. Es verblüfft mich. Das ist einer der Gründe, warum ich es mir nicht anschaue", sagte O’Sullivan weiter.
Er würde viel Snooker schauen, aber nicht den modernen. "Weil ich denke, wenn du vor einigen Jahren Profi warst, dann hattest du dir das Recht, Profi zu sein, verdient. Heutzutage dagegen ist es für jeden offen", erklärte O’Sullivan und gab zu: "Ja, es ist ein heikles Thema. Es ist, wie es ist."
O'Sullivan: "Wir mussten uns durch den Amateurbereich kämpfen"
Anschließend zog er einen Vergleich zu seiner Generation: "Ich denke, ich, (Mark, Anm. d. Red.) Williams und (John, Anm. d. Red.) Higgins, wir haben unser Bestes schon hinter uns. Physisch und mental sind wir nicht die Spieler, die wir wahrscheinlich vor sechs, sieben, acht, zehn oder fünfzehn Jahren waren. Da gibt es keine Chance. Aber was wir haben, ist die Erfahrung, die Herkunft und die Fähigkeit, auf unsere Fähigkeiten zu vertrauen."
"Wir kommen nicht aus dieser privilegierten Art von Hintergrund. Wir mussten uns irgendwie durch die Juniorjahre und den Amateurbereich durchkämpfen. Wir wurden geschlagen, unsere Egos wurden gerade gerückt. So entsteht ein Spielercharakter, wenn man so will, und den Charakter, den Williams und Higgins haben, ist die Kulmination aus allen harten Wegen, die beide gegangen sind", meinte der sechsmalige Weltmeister.
Bei den heutigen Spieler sei das anders. "Es gibt viele gute Spieler, aber sie haben nicht dieses Fundament, sie haben nicht diese schwierigen Phasen durchlaufen, die einen zu einem Profi machen, der lange dabei sein wird", merkte O’Sullivan kritisch an.
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O'Sullivan adelt Higgins nach Finaleinzug als "Legende"
Quelle: Eurosport
O'Sullivan: "Charakter bekommst du nur, wenn du allen Ebenen erlebt hast"
Er selbst wäre lieber ein Spieler, der denkt, dass er nicht so gut ist, wie er tatsächlich ist, sagte der Triple-Crown-Rekordsieger.
O’Sullivan weiter: "Heutzutage gibt es auf der Tour viele Spieler, die denken, dass sie besser sind, als sie tatsächlich sind, und das ist für mich das Problem. Denn das ist eine gefährliche Denkweise, und wahren Charakter bekommt man nur, wenn du alle Ebenen des Spiels erlebt hast und es zu schätzen weißt."
Genau das zeichnet Spieler wie ihn oder auch Higgins und Williams aus und ist der Grund, warum sie sich so lange im Geschäft halten konnten, findet O’Sullivan: "In vielerlei Hinsicht denke ich, dass Higgins und Williams und ich nur aufgrund dieser Herkunft noch hier sind. Nicht weil wir die Besten, die Jüngsten oder die Stärksten sind, sondern weil wir eben etwas mehr haben, auch das man in vielerlei Richtung zurückgreifen kann."
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Decider-Drama: Higgins lässt Rot liegen - Allen bestraft das gnadenlos
Quelle: Eurosport
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