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Gut für Snooker: Knoten bei Murphy wieder geplatzt

Gut für Snooker: Knoten bei Murphy wieder geplatzt

30/09/2019 um 14:03Aktualisiert 30/09/2019 um 14:45

Man kann kaum ermessen, wie erleichtert Shaun Murphy gestern nach dem Finale der China Championship über seine Rückkehr in den Kreis der Sieger gewesen sein muss. Die lange Durststrecke und sein Seuchenjahr müssen enorm an ihm genagt haben. Der Druck wird riesig gewesen sein. Umso beeindruckender war, wie er gestern den Schritt über die Ziellinie geschafft hat.

Natürlich hatte sich zuvor schon angedeutet, dass der nächste Titel für Shaun Murphy in der Luft lag. Die Final-Teilnahmen bei der International Championship und beim Shanghai Masters kamen ja nicht von ungefähr. Trotzdem wird der Druck natürlich immer größer, wenn der Knoten nicht endlich platzt. Und das furiose Comeback von Mark Williams hat da ja noch für einige zusätzliche Steine im Rucksack gesorgt.

Murphy selber sagte es ja auch ehrlich: "Es war fürchterlich; ich habe mich krank gefühlt, konnte kaum atmen oder gerade gucken." In diesem Moment kamen auch die Erinnerungen wieder hoch an all das, was in den letzten 18 Monaten schiefgegangen ist.

Bonzen trübten positiven Eindruck

Umso beeindruckender war dann die lange Rote und das daraus resultierende 69er-Break im letzten Frame. Shaun selber sagt, dass das unter den gegebenen Umständen eine seiner besten Leistungen war. Zurecht ist er stolz darauf. Ein solches Break wäre ihm vor einigen Monaten nicht möglich gewesen. Natürlich wird er auch in Zukunft immer wieder Matches verlieren. Aber ich denke, dass jetzt bei ihm der Knoten wieder geplatzt ist. Das ist gut für ihn, das ist aber auch gut für den Sport. Ein Shaun Murphy in Top-Form ist mit seinem mitreißenden Offensiv-Spiel eine Bereicherungen für Snooker.

Das war ein tolles Finale, das sich Shaun Murphy und Mark Williams gestern in Guangzhou geliefert haben. Da war alles drin, was Snooker so attraktiv macht: hohe Breaks, packende Safe-Duelle und eine gehörige Portion Drama. Getrübt wurde der positive Eindruck nur durch den unmöglichen Auftritt der Bonzen (und den Begriff verwende ich hier bewusst). In einer ganz kritischen Phase meinten die Herrschaften, sie müssten jetzt unbedingt ihre Plätze einnehmen. Schließlich mussten sie ja ihre wichtige Rolle später bei der Siegerehrung spielen.

Damit zwangen sie Shaun Murphy zu einer Zwangspause. Und das in einem entscheidenden Moment und unmittelbar vor einem schweren Ball, der über Sieg und Niederlage hätte entscheiden können. Ich habe das gestern in meinem Kommentar ziemlich harsch als „unverschämt und respektlos“ bezeichnet. Und auch heute, mit ein bisschen Abstand, nehme ich davon nichts zurück.

Auf der ganzen Welt passiert es immer wieder, dass Spieler gestört werden. Das ist ärgerlich, aber lässt sich leider nicht ganz vermeiden. Oft genug ist das ja auch unbeabsichtigt und geschieht durch Unachtsamkeit. Der Bonzen-Auftritt gestern aber war eine bewusste Störung; allen musste klar sein, was sie da veranstalten. Und ein solches Verhalten kann ich nur als respektlos und unverschämt bezeichnen.

Herzliche Grüße

Euer Rolf Kalb

Video - Mega-Comeback von O'Sullivan bei Shanghai Masters

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