Snooker - Rolf-Kalb-Blog: Atemberaubendes Spiel von Wu Yize und ein logischer Champion der International Championship
VonRolf Kalb
Update 10/11/2025 um 14:53 GMT+1 Uhr
Wu Yize war genau der richtige Sieger bei der International Championship. Der 22-Jährige hat die Woche in Nanjing dominiert und auf der ganzen Linie überzeugt. Das jedenfalls ist die Überzeugung des Eurosport-Experten und langjährigen Kommentators Rolf Kalb. Im Finale der International Championship hatte Wu auch John Higgins mit 10:6 geschlagen und damit seinen ersten Ranglisten-Titel geholt.
Sieg gegen Higgins: Wu feiert ersten Titel in Nanjing
Quelle: Eurosport
Hätte es bei der International Championship einen anderen Sieger geben können als Wu Yize? Ich meine: nein. Der 22-Jährige war einfach der Spieler der Woche und damit am Ende auch der logische Champion.
Er hat auf dem Weg zum Titel ja auch seine Landsleute Zhang Anda und Weltmeister Zhao Xintong geschlagen. Besonders atemberaubend aber war sein Sturmlauf, als er erst gegen Judd Trump und dann gegen Barry Hawkins zwölf Frames in Folge gewann und dabei in jedem Durchgang ein Break von mehr als 60 Punkten spielte. Wie soll man einen solchen Spieler stoppen?
Natürlich überzeugt Wu Yize mit seinem Offensivspiel. Was er alles locht lässt einen staunend zurück. Das macht sein Spiel natürlich auch so attraktiv. Mir hat es richtig Spaß gemacht, ihn dabei zu beobachten. Aber es ist nicht eine wilde Offensive, wie sie Judd Trump früher mit seinem "naughty Snooker" zelebriert hat. Wu weiß, dass eine gute Safety manchmal besser ist als ein riskanter Lochversuch. Das lässt sein Spiel so reif wirken.
Ritterschlag: Erinnerung an Paul Hunter
John Higgins hat viel Sportsgeist. Unumwunden gab er nach seiner Finalniederlage zu, dass Wu Yize der bessere Spieler war. Gegenüber der WST meinte er gar, Wu erinnere ihn an Paul Hunter. Das war wohl ein Ritterschlag.
Der Knackpunkt im Finale war der elfte Frame. Higgins führte da schon mit 59:10. Mit einem phantastischen Double aber leitete Wu die entscheide Clearance ein, um auf Schwarz das 7:4 zu holen. Schade nur, dass sein Maximum-Versuch im nächsten Frame nach 80 Punkten endete.
Wu Yize beendete das Match passend mit einem Century. Es war sein viertes Hunderter-Break im Endspiel und sein 13. Century der Woche. Hinzu kamen übrigens 23 Serien von mehr als 50 Punkten. Das unterstreicht, was er in Nanjing geleistet hat.
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Wu on fire: Chinese im Endspiel mit zwei Centuries in Folge
Quelle: Eurosport
Wu Yize: Geburt eines neuen Superstars?
War das nun die Geburt eines neuen Superstars? Kann sein, muss aber nicht. Wir haben schon oft Spieler erlebt, die eine phantastische Woche hingelegt hatten, das dann aber nicht unterfüttern konnten. Die notwendige Konstanz, um ein Seriensieger zu werden, muss er erst noch entwickeln. Wenn er das schafft, dann wäre das aber eine gute Sache für Snooker, zumal Wu ja nicht in den sogenannten chinesischen Wettskandal verwickelt war.
Gefreut habe ich mich aber auch darüber, mit wieviel Spielfreude John Higgins in Nanjing am Tisch gestanden hat. In der Frühphase der Saison war er ja in ein Motivations-Loch gefallen. Da hat er zum Glück wieder rausgefunden.
Vor allem bei seinem 6:2 über Shaun Murphy und seinem 9:2 über Stephen Maguire zeigte Higgins wieder einmal seine Qualitäten: Sicher in den Breaks, aber auch mit klugen und präzisen Safeties. Bitter für ihn, dass das ausgerechnet im Finale nicht klappte. Trotzdem: Hält Higgins diese Form, dann werden wir in dieser Saison noch viel Freude mit ihm haben.
Überhaupt macht diese Saison bisher richtig Spaß: Bei bisher neun Turnieren (Ranglisten-Turniere plus Shanghai Masters) haben wir neun unterschiedliche Sieger. Das zeigt die derzeitige Klasse auf der World Snooker Tour. Gut so!
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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"Kann man nur den nicht vorhandenen Hut ziehen": Wu locht Grün perfekt
Quelle: Eurosport
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