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Snooker WM: Nackte Tatsachen und blanke Haut: Mark Williams als Mental-Monster

Nackte Tatsachen und blanke Haut: Williams als Mental-Monster

08/05/2018 um 17:31

Das bringt auch nur Mark Williams: Nachdem er vorher einmal den Mund zu weit aufgemacht hatte, setzte er sich wie versprochen nackt in die Pressekonferenz. Ein Mann, ein Wort! Es gibt allerdings auch ein paar weitere nackte Tatsachen nach diesem denkwürdigen Finale, die nichts mit blanker Haut zu tun haben. Eine dieser Tatsachen: Williams ist mental ungeheuer stark, ein wahres Mental-Monster.

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Wenn jemand mit 14:7 und 15:10 geführt hat und diesen Vorsprung dann aus der Hand gibt, dann würde jeder verstehen, wenn bei ihm die schiere Panik ausbricht. Nicht so bei Mark Williams. Der ist, zumindest äußerlich, ruhig geblieben und hat die perfekte Antwort gegeben. Das ist ein Beleg für eine Stärke, wie sie nur wirklich große Champions haben.

Und das ist eine Qualität, die vielen anderen Spielern fehlt, wie auch diese Weltmeisterschaft wieder bewiesen hat. Mit zwei kleineren Breaks holte er das 16:15 und ließ dann, mit wieder gewonnener Sicherheit, ein Century folgen.

Video - Passende Antwort: Williams schlägt mit Century zurück

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Williams mit perfekter Mischung

Doch der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten: Im 33. Frame verschoss Mark Williams Pink als Matchball und durfte anschließend zusehen, wie John Higgins ein weiteres Mal in seiner unnachahmlichen Weise den Tisch abräumte. Wieder ein guter Grund, panisch zu werden. Aber nicht bei Mark Williams! Die Rote, die er im nächsten Frame dünn in einem sehr flachen Winkel auf die Mitte gelocht hat, wäre schon in einer normalen Situation der Wahnsinn gewesen. In diesem Moment war es der pure Wahnsinn.

Video - WM-Thriller: So sichert sich Williams gegen Higgins den Titel

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Diese mentale Stärke hängt natürlich auch damit zusammen, dass Mark von Natur aus ein entspannter Typ ist. Aber das ist es nicht nur. Lochsicherheit, mentale Stärke (die er ja auch gegen Ali Carter und Barry Hawkins bewiesen hat) und im Notfall eine kreative Lösung, das war bei dieser WM die perfekte Mischung.

Higgins ebenfalls mit Weltklasseleistung

Dass dieses Finale zu einem der besten seit vielen Jahren wurde ist natürlich auch ganz entscheidend John Higgins zu verdanken. Was er an Kampfkraft, spielerischer Klasse und Stärke bewiesen hat kann man gar nicht hoch genug einschätzen (man könnte auch sagen: geht auf keine Kuhhaut). Nachdem Mark Williams sieben Frames in Folge gewonnen hatte und auf 14:7 davongezogen war, drohte ein einseitiges Finale. Doch dann startete John Higgins seine große Show.

Acht der nächsten neun Frames gewann er, spielte vor allem zu Beginn der vierten Session wie entfesselt. Klar profitierte er in dieser Phase in einigen Frames auch davon, dass Williams sein Break nicht durchziehen konnte. Aber was der Schotte dann daraus machte, war absolute Weltklasse. 99 Prozent Locherfolg in dieser Phase; ich bin noch immer blass.

Video - Brillantes Comeback: Higgins zaubert 131er-Clearance auf den Tisch

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Es war ein großes Finale. Die 17 Tage im Crucible Theatre haben darüber hinaus ein weiteres Mal bewiesen, dass die Weltmeisterschaft mit nichts zu vergleichen ist; in welcher Einzelsportart gibt es schon Jahr für Jahr einen derartigen Höhepunkt. Die meisten Spieler genießen jetzt erst einmal ihren Urlaub. Im Mai gibt es allerdings auch noch die Q School. Im Juli wird es dann mit den ersten Qualifikationen wieder ernst, bevor Ende Juli mit dem Riga Masters das erste Ranglisten-Turnier folgt.

Video - WM-Pokal! Williams feiert Titel mit seiner Familie

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Wir bei Eurosport werden auch die neue Saison voller Elan, kraftvoll und mit großer Begeisterung angehen.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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