Snooker-WM - Rolf-Kalb-Blog: Zhao Xintong spielt Snooker auf einem neuen Level, auf seinem WM-Titel liegt aber auch ein Schatten
VonRolf Kalb
Update 06/05/2025 um 15:57 GMT+2 Uhr
Zhao Xintong muss sich wie in einem Traum vorkommen: Der 28-Jährige hat als erster Chinese und erster Spieler aus Asien die Snooker-Weltmeisterschaft gewonnen. Im Finale gegen Mark Williams legte er mit einer schnellen 7:1-Führung den Grundstein zum Sieg und gewann am Ende klar 18:12. Für den Eurosport-Experten Rolf Kalb war dieser Triumph von Zhao möglicherweise eine Zeitenwende.
Freude pur: Hier bekommt Zhao seinen Weltmeister-Pokal
Quelle: Eurosport
Wenn wir in einigen Jahren auf die WM 2025 zurückblicken, dann kann es gut sein, dass wir diese Titelkämpfe als Zeitenwende wahrnehmen. Es kann gut sein, dass dies der Zeitpunkt ist, an dem etwas Neues entsteht und Snooker sich verändert. Die Konsequenzen für Snooker in China werden auf jeden Fall gravierend sein.
Sportlich gesehen ist der Triumph von Zhao Xintong über jeden Zweifel erhaben. Er hat in der Qualifikation und der WM-Endrunde Unglaubliches geleistet.
111 Frames hat er auf dem Weg zum Titel gewonnen, innerhalb eines Monats. Allerdings liegt natürlich auch ein Schatten auf dem Sieg von Zhao; doch dazu später mehr.
Mark Williams hat ja Recht, wenn er sagt: "Zhao hat uns alle überfahren." Lediglich bei seinem 13:10 im Achtelfinale gegen Lei Peifan wurde es enger. Alle anderen Matches im Crucible Theatre gewann er klar und sicher.
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Der entscheidende Fehler: Williams patzt und öffnet Zhao die Tür
Quelle: Eurosport
Zhao mit spektakulären Bällen
Je nachdem, wie man es sieht, war das sichere Lochspiel von Zhao beeindruckend oder (aus der Sicht seiner Gegner) beängstigend. Seine lang gelochten Bälle waren atemberaubend. Viele seiner Breaks leitete er mit einem spektakulären Shot to Nothing ein. Was er da zeigte war auf einem neuen Level.
Natürlich war das Finale nicht das beste Spiel von Zhao bei dieser WM. Da hing einfach zuviel dran. Trotzdem hat mich die ganzen 17 Tage lang seine Ruhe beeindruckt. Lediglich in der letzten Session war ein Anflug von Nervosität zu sehen. Dabei wird Zhao nicht einmal vom Titel geträumt haben, als er am 7. April in die WM-Qualifikation startete.
Obwohl er im Endspiel klar unterlegen war, hat Mark Williams eine überragende WM gespielt. Sein 13:12 im Viertelfinale über John Higgins wird lange in Erinnerung bleiben. Aber auch sein 17:14 im Halbfinale gegen Judd Trump war eine Meisterleistung. Wer hätte das von einem Spieler erwartet, der vor der WM noch gesagt hat: "Wer mir zugelost wird kann sich freuen."
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Die letzten Bälle: Hier schreibt Zhao Snooker-Geschichte
Quelle: Eurosport
Bei Williams fehlte die Kraft
Natürlich war es schade für ihn, dass er im Finale nicht an diese Gala-Form anknüpfen konnte. Da machten sich halt seine 50 Jahre bemerkbar. Die Matches gegen Higgins und Trump waren Kraftakte. Da war er dann einfach ausgepowert. Und als er in der vierten Session des Finales seine Form wiederfand, da war es schon längst zu spät.
Bitter ist natürlich, dass der Erfolg von Zhao von seiner Verwicklung in den großen Betrugsskandal überschattet wird. Wobei ich noch einmal betonen will: Zhao hat selber keine Matches manipuliert! Aber er wusste von Betrugsfällen, und er hat (wohl aus falsch verstandener Kameraderie) den Mund gehalten. Zudem hat er selber auch auf Snooker-Matches gewettet. Die Details habe ich in meinem letzten Blog geschildert.
Ich will da nichts beschönigen: Das waren schwere Fehler. Ich habe kein Mitleid für Zhao wegen seiner Sperre, die ihn ja auch viel Geld gekostet hat. Er war schuldig, und die Sperre war die angemessene Quittung dafür. Aber die Sperre der WPBSA hat er abgesessen. Und allen, die sich jetzt als gnadenlose Oberrichter produzieren, lege ich die würdigen Worte ans Herz, die Mark Williams nach dem Finale über seinen Bezwinger gefunden hat.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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