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World Grand Prix - Blog von Rolf Kalb: Der neue Mark Allen - nicht mehr Knall-Bumm, aber ein Siegertyp
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Publiziert 23/01/2023 um 14:27 GMT+1 Uhr
Der neue Mark Allen beeindruckt einmal mehr. Und seine Kritiker kann er getrost ignorieren, findet Eurosport-Kommentator Rolf Kalb. Nach den Triumphen bei den Northern Ireland Open, der UK Championship und dem World Grand Prix ist er nun das zehnte Mitglied im elitären Club derjenigen, die drei oder mehr Titel in einer Saison gewonnen haben. Er muss also einiges richtig gemacht haben.
Turniersieg vor Augen: Allen lässt Trump mit Century keine Chance
Quelle: Eurosport
Mark Allen hat in dieser Saison über 350.000 Pfund mehr an Preisgeld bei Ranglisten-Turnieren eingespielt als der Zweitbeste in der Saison-Rangliste. Noch Fragen? Damit unterstreicht er deutlich, dass er mit Abstand der erfolgreichste Spieler bei Ranglisten-Turnieren in dieser Saison ist. Das kann niemand wegdiskutieren. Er hat einiges, wenn nicht gar alles richtig gemacht.
Der Mark Allen früherer Zeiten hätte das nicht schaffen können. Dazu hätte ihm die Konstanz gefehlt. Und wie oft hat er sich selber früher im Weg gestanden, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Jetzt aber ist alles anders. Er hat sein Leben in Ordnung gebracht (und ich wünsche ihm, dass dies so bleibt), und er hat auch sein Spiel verändert. Genauer gesagt: Er hat sein Spiel weiterentwickelt.
Natürlich spielt er jetzt langsamen als früher. Natürlich ignoriert er oft genug eine riskante Loch-Möglichkeit und spielt lieber eine knallharte Safety. Natürlich macht es nicht mehr regelmäßig Knall-Bumm wenn er die Bälle reinknallt. Es ist alles sachlicher geworden. Das mögen Beobachter bedauern, aber dafür locht er jetzt die entscheidenden Bälle und ist in der Lage, seine Gegner zu kontrollieren. Von einem mitreißenden Spieler, der ab und an mal was gewonnen hat, ist er zu einem Sieger geworden.
Interessant fand ich seine Schilderung, das er mit seinem Sport-Psychologen Paul Gaffney nach der ersten Session des Finales genau das Szenario durchgesprochen hat, dass Judd Trump eine Aufholjagd startet und er unter Druck gerät. Genau so ist es dann ja auch gekommen. Dabei führte Allen zu diesem Zeitpunkt sicher mit 6:2.
Der neue Allen - ein wahrer Siegertyp
Aber ihn ängstigen solche Szenarien nicht mehr, sondern er begreift sie als interessante Herausforderung. Gleichzeitig, so deuten seine Äußerungen an, würde er sich als Person nicht mehr infrage stellen, sollte es schiefgehen. Das ist für mich der Schlüssel, um auch unter Druck das Richtige zu machen.
Natürlich stand das Finale gestern auf des Messers Schneide. Wer weiß, wie das ausgegangen wäre, wenn Trump im letzten Frame Gelb gelocht hätte. Aber dann hat Allen, obwohl er gehörig wackelte, die Chance mit beiden Händen ergriffen. Das ist das, was Siegertypen eben machen.
Trump verliert Finale in der ersten Session
Judd Trump hat gestern mal wieder bewiesen, dass eine Binsenweisheit zutrifft: Man kann ein solches Spiel in der ersten Session nicht gewinnen, aber verlieren. Am Nachmittag passte bei ihm weder das Lochspiel noch das Safespiel. Zu ungenau waren alle seine Aktionen.
Dafür war seine Aufholjagd am Abend umso beeindruckender. Das gilt ebenso spielerisch wie für seinen Charakter. Darauf kann er stolz sein. Überhaupt waren das zwei großartige Wochen für ihn. Obwohl er sich auf sein B-Spiel verlassen musste hat er das Masters gewonnen und beim World Grand Prix das Finale erreicht. Da kann man wohl nicht von einer Enttäuschung sprechen.
Leider hat Snooker in letzter Zeit ja viele negative Nachrichten produziert. Und da sind wir auch noch nicht am Ende. Umso wichtiger, dass die letzten beiden Wochen wieder einmal gezeigt haben, was für ein toller Sport Snooker ist!
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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