Rolf-Kalb-Blog: Xiao Guodong mit dem kompletteren Paket, aber Si Jiahui begeistert bei den Wuhan Open - China dominiert

Xiao Guodong ist der 76. Spieler, der ein Weltranglistenturnier gewonnen hat. Mit seinem 10:7 über Si Jiahui holte er bei den Wuhan Open seinen ersten Titel. Über weite Strecken offerierte Xiao im Finale einfach das komplettere Paket, meint Eurosport-Experte Rolf Kalb in seinem aktuellen Blog. Aber auch für Si Jiahui sieht er eine glänzende Zukunft voraus.

Xiao gewinnt Wuhan Open: Erster Profititel beim Heimspiel

Quelle: Eurosport

Am Ende war es eine taktische Meisterleistung, die Xiao Guodong seinen ersten Titel brachte. Der Snooker hinter Grün im 17. Frame des Finales brach Si Jiahui das Genick. Vielleicht war da auch ein bisschen Glück im Spiel, aber die Zugwirkung bei dem Steilstoß so brillant zu timen war schon großes Kino.
Entscheidend war aber die Phase, in der Xiao von 4:3 auf 9:4 davonzog. Da hatte er das komplettere Spiel. Mit Gelassenheit, Ruhe, Cleverness, Willensstärke und spielerischer Klasse verhinderte er, das Si seine Stärken in die Waagschale werfen konnte. Das war faszinierend zu beobachten.
Schon nach seiner Gala beim 6:2 im Halbfinale über Judd Trump hatte Si Jiahui den Finger in die Wunde gelegt. Er gebe für seine Leistung neun von zahn Punkten, meinte er danach. Einen Punkt zog er ab, weil seine Safeties in seinen Augen nicht gut genug waren.
Und genau das passierte ihm dann auch wieder im Finale. Xiao sorgte mit seinen klugen und sicheren Safeties dafür, dass Si permanent unter Druck stand. Und der 22-Jährige konnte sich von diesem Druck nicht befreien. Natürlich ist das Lochspiel von Si überragend. Aber wenn der Gegner eben nichts Lochbares liegen lässt, dann hilft auch das nicht.
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Si meldet sich mit Century im Final-Duell gegen Xiao zurück

Quelle: Eurosport

Sis Aufholjagd wird nicht belohnt

Umso mehr Moral bewies Si Jiahui dann aber bei seiner Aufholjagd im Finale, als er drei Frames in Folge gewann. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Xiao Guodong selber ausgerechnet mit einer schwachen Safety diesen Sturmlauf eingeleitet hatte.
Breaks von 76, 131 und 83 Punkten spielte Si hintereinander und machte das Finale damit wieder spannend.
Und die Aufholjagd hätte durchaus weitergehen können. Im 17. Frame legte Si ja eine 46 vor. Aber dann übernahm Xiao mit seinen taktischen Qualitäten wieder die Kontrolle über das Geschehen. Punkte einsammeln, wenn es möglich war, aber jeweils auch kontrolliert mit einer starken Safety aus dem Break auszusteigen, das war sein Erfolgsrezept.
Trotz der Niederlage im Endspiel gehört Si Jiahui zu den Gewinnern in Wuhan. Und das nicht nur wegen seines Maximum-Breaks im Halbfinale. Und auch nicht nur wegen seiner unbestrittenen Qualitäten. Sein Stil ist einfach mitreißend und hat auch in Wuhan viele Fans fasziniert. Wenn sein Reifeprozess so weitergeht wie bisher, dann kann er alles erreichen.
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Maximum Break! Si zieht im Halbfinale gegen Trump davon

Quelle: Eurosport

Übernehmen die chinesischen Spieler Snooker?

Das Finale war ein würdiger Schlusspunkt einer Woche, die überwiegend tollen Snookersport geboten hat. Das ist eigentlich die erfreulichste Erkenntnis nach den Wuhan Open.
Viel ist in dieser Woche auch darüber spekuliert worden, ob die chinesischen Spieler jetzt die Kontrolle im Snooker übernehmen. Ein rein chinesisches Finale und drei Chinesen im Halbfinale zeigen die Qualität der Spieler aus dem Reich der Mitte. So weit würde ich aber nicht gehen.
Dass die chinesischen Sportler aber eine größere Rolle in der Weltspitze einnehmen, das war schon länger abzusehen. Die schiere Masse der Spieler in China, die systematische Talentsichtung dort und die konsequente Ausbildung der jungen Snookerspieler und Snookerspielerinnen dort macht sich hier bemerkbar. Diese Strukturen gibt es ansonsten nirgendwo auf der Welt.
Weiter geht es schon in einer Woche. Ab dem 20. Oktober überträgt Eurosport die Northern Ireland Open aus Belfast ausführlich im linearen TV und im Stream bei discovery+. Das wird wieder eine spannende Woche, zumal die Atmosphäre in Belfast immer hervorragend ist.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb

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(SID)
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Trump scheitert an Si: Chinese feiert Heimsieg im Halbfinale

Quelle: Eurosport


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