Olympia 2024 in Paris - Alexander Megos exklusiv vor den Sommerspielen: "Ich war ein Dirtbag"

Alexander Megos, Lucia Dörffel und Yannick Flohé haben sich die Olympia-Tickets gesichert und bilden das deutsche Sportkletter-Team bei den Sommerspielen in Paris. Es ist erst das zweite Mal, dass Klettern im Olympia-Programm steht. Eurosport hat sich exklusiv mit Megos und Dörffel getroffen. Es geht um die Härten der Qualifikation, Isolation - und die Geheimnisse des richtigen "Hautmanagements".

Medaillensammler Megos: Spezielle Vorfreude aufs Olympische Dorf

Quelle: Eurosport

Alexander Megos gilt als Deutschlands erfolgreichster Sportkletterer. Drei WM-Medaillen in der Disziplin Lead holte der Erlanger bereits, war Vize-Europameister und wurde bei Olympia in Tokio vor drei Jahren Neunter in der Kombination aus Bouldering, Lead und Speed.
Die Vorfreude auf Paris (26. Juli bis 11. August live bei Eurosport und discovery+) ist riesengroß, konkrete Ziele aber sind schwer zu benennen. "Wir sind in Paris und dürfen dort starten. Was dort passiert, ist immer offen, denn wir sind ganz stark vom Routenbau abhängig und was sie dort an die Wand schrauben", erklärt Megos. "Insofern ist hoffentlich alles drin und wenn Yannick, Lucia und ich auch ins Finale klettern, wäre es natürlich noch viel cooler."
Insgesamt haben die Aktiven im Unterschied zu Tokio zwei Events: das Speedklettern und ein kombinierter Wettbewerb aus Leadklettern und Bouldern. "Das Format ist cool, denn Lead und Bouldern sind sich recht ähnlich im Vergleich zu Speed", sagt Dörffel im Eurosport-Gespräch.
Sie habe sich für Paris vorgenommen, "in Paris jeden Boulder zu toppen", sprich bis nach oben durchzukommen. Im Lead, wo eine 15-Meter-Wand in sechs Minuten so hoch wie möglich zu erklettern ist, versuche sie dagegen "in einen Fight Modus zu kommen, sodass ich ultraplatt abfalle und mein Bestes gegeben habe."
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Olympia-Klettererin Dörffel exklusiv: "In den Fight-Modus kommen"

Quelle: Eurosport

Entscheidende Bedeutung komme in allen Wettbewerben dem "Hautmanagement" zu, unterstreicht Megos. "Es ist ganz ganz wichtig, zu schauen, dass man nicht zu viel macht und gute Haut hat. Das kann den Wettkampf ganz massiv erleichtern, wenn man mit guter Haut an den Start geht", erläutert der 30-Jährige im Exklusiv-Interview mit Eurosport-Reporter Matthias Sandten.
Wie lief die Vorbereitung für Olympia in Paris?
Alexander Megos: Die Vorbereitung war richtig stressig und auch die Qualifikation. Alle drei deutschen Athleten, also Yannick, Lucia und ich, haben uns kurz vor knapp qualifiziert in Budapest. Insofern war es relativ stressig, von der letzten Qualifikation bis zur Olympia waren es nur sechs Wochen. Der Medienrummel, der dazukommt, kann manchmal ein bisschen viel sein, aber wir versuchen unser Bestes. Wenn es zu viel wird, sagen wir nein (lacht).
Wie geht es Dir körperlich, mental und was war wichtig in den Wochen vor Paris?
Megos: Körperlich fühle ich mich gut, mental eigentlich auch. Die Woche nach der Qualifikation war ich erst einmal komplett durch und platt. Insofern wird sich das sicher ändern Richtung Olympia hin. Für uns ist es wichtig, weiterhin fokussiert zu trainieren. Unser Ziel haben wir ja mehr oder weniger erreicht, das erste zumindest. Wir sind in Paris und dürfen dort starten.
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Quelle: Eurosport

Mit welchen Zielen?
Megos: Was in Paris passiert, ist offen. Wir sind da ganz stark vom Routenbau abhängig und was dort an die Wand geschraubt wird. Insofern ist hoffentlich alles drin und wenn Yannick, Lucia und ich ins Finale klettern, wäre es natürlich noch viel cooler.
Entscheidend im Klettersport ist die Erholung der Finger.
Megos: Richtig, die Erholung für die Haut ist beim Klettern leider ganz wichtig. Das ist eins der großen Mankos, vor allem im Sommer. Klettern ist ein Sport, der abhängig ist von der Reibung, die man mit den Händen an den Griffen hat. Und die Reibung wird umso schlechter, je weniger Haut man hat und desto wärmer es ist. Natürlich verliert man mehr Haut, je wärmer es ist, weil viel mehr Schweiß produziert wird in den Fingern und die Griffe rau sind. Deswegen ist im Wettkampf und auch in den Tagen davor das Hautmanagement wichtig. Man schaut, dass man nicht zu viel macht, gute Haut hat, weil das kann den Wettkampf massiv erleichtern.
Mit 19 oder 20 bin ich mehr durch Zufall populär geworden in der Kletterwelt und habe dann mit Sponsoren Geld verdient.
Was bedeutet Klettern für Dich persönlich?
Megos: Für mich ist Klettern so cool, dass ich es auch tun würde, wenn ich keinen Cent dafür bekomme. Das habe ich lange so gemacht. Mit 19 oder 20 bin ich mehr durch Zufall populär geworden in der Kletterwelt und habe dann mit Sponsoren Geld verdient. Davor war ich das, was man als klassischen Dirtbag bezeichnet hat. Jemand, der irgendwie komplett low-budgetmäßig irgendwo hingefahren oder hingeflogen ist - und dann halt im Zelt gewohnt hat und im Dreck gekocht hat, um einfach klettern zu gehen.
Stichwort Dirtbag. Hast du dann wie Kletter-Ikone Alex Honnold mit der Kelle aus der Pfanne gegessen?
Megos: Ja, ich bin damals rumgereist, hatte Zelt, Isomatte und Schlafsack. Dann gab es meist einen Topf, da wurde alles drin gekocht, egal was es war. Nach dem Essen habe ich da Wasser reingefüllt, es aufgekocht und Tee gemacht. Egal, was drin war. Wenn man im Yosemite oder in Utah unterwegs ist, irgendwo in der Wüste und nur begrenzt Wasser verfügbar ist, wird man erfinderisch.
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Quelle: Eurosport

Und nun also die Olympischen Spiele in Paris. Worauf freust du Dich neben deinen eigenen Wettkämpfen?
Megos: Dieses Flair im Olympischen Dorf zu erleben, das fand ich schon damals in Tokio einfach megacool. Selbst im Kraftraum gibt es so viele Athleten, die richtig krass und fit sind. Das mitzubekommen, war faszinierend. Insofern freue ich mich auch in Paris darauf. Das Ganze mit zwei Teamkollegen erleben zu dürfen, macht es umso besser.
Was sehen denn die Fernsehzuschauer nicht im TV-Bild, was passiert da?
Megos: Was Zuschauer nie mitbekommen, ist die ganze Vorbereitung. Man sieht ja immer nur das Front End, den Wettbewerb, aber nicht das Back End. Der Tag fängt meist vier oder fünf Stunden vor dem Wettkampf an. Mit Yoga, Frühstück, Warm-Up. Dann gibt es noch Besichtigungen der Routen. Zeitmäßig verbringe ich drei Stunden in der Isolation und bereite mich vor, um diese fünf Minuten an der Wand zu haben.
Vielen Dank für das Gespräch.

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