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Olympia 2024: Camilla Kemp als erste deutsche Surferin bei Olympia - Mut zur Angst beim Ritt auf dem Monster
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Update 26/07/2024 um 14:26 GMT+2 Uhr
Camilla Kemp ist als erste deutsche Surferin bei Olympia dabei. Um ihren Traum leben zu können, stellt sie sich auf Tahiti einem Gefühl, das andere hemmt. Knapp 16.000 Kilometer von Paris entfernt geht es für die 28-Jährige auf der französischen Insel um Medaillen. "Es ist ein Privileg, dort zu surfen", sagte Kemp vor den Olympischen Spielen in einem Gespräch mit dem "SID".
Camilla Kemp
Fotocredit: Getty Images
Sie hatte davon gehört, die furchterregenden Videos gesehen, und sich gedacht: Was für ein Monster! Mittlerweile hat Camilla Kemp das Ungeheuer kennengelernt. Und eine zarte Freundschaft geschlossen, wie sie sagt.
Freundschaft zu der Mega-Welle von Teahupoo auf Tahiti, die zu den gefährlichsten der Welt gehört - und im schlimmsten Fall tödlich sein kann.
Camilla Kemp wird diese Welle surfen, sie ist die erste Deutsche in ihrer Sportart bei Olympia. Am Samstag geht es los im französischen Überseegebiet, knapp 16.000 Kilometer vom Hauptschauplatz Paris entfernt. Über Teahupoo ("Mauer der Schädel") mit seinen bis zu zehn Meter hohen Wellen sagt Kemp: "Es ist ein Privileg, dort zu surfen." Sie habe "Respekt und teilweise Angst".
Angst. Kein Gefühl, über das Spitzenathletinnen und -athleten gerne reden. Camilla Kemp tut dies mit einem Selbstverständnis, als würde sie über ihr Mittagessen sprechen. "Es ist ganz normal, dass man Angst spürt", sagt sie. "Aber ich will nicht, dass mich die Angst hindert." Damit das gelinge, mache sie viel Mentaltraining.
Surfen erst zum zweiten Mal olympisch
Zwei Mal hat Kemp im Vorfeld der olympischen Wettkämpfe vor Teahupoo trainiert.
"Es ist die kräftigste Welle, die ich je gesurft bin", erzählt sie. "Massen von Wasser ziehen einen nach unten, das Korallenriff ist super nah." Bei einem Sturz sind Schnittwunden oder Brüche nicht unwahrscheinlich.
Charakteristisch für Teahupoo sind Wellen, die beim Brechen eine Röhre bilden. Durch diese "Tube" zu schießen, fühle sich an, wie mit dem Skateboard eine Halfpipe hinunter zu rauschen, erzählt Kemp. Mit dem Unterschied, dass sie dabei auf den paradiesischen Strand blickt. "In Sekunden kann alles schief laufen oder alles perfekt sein."
Surfen ist erst zum zweiten Mal olympisch, in Tokio 2021 war Leon Glatzer der einzige Deutsche. Kemp hatte sich im März bei der WM für die Spiele qualifiziert, wie auch der 20-jährige Tim Elter.
"Wenn es eine Medaille wird, wäre das natürlich sehr schön."
Erst seit 2018 startet die Olympia-Debütantin für Deutschland, geboren wurde sie als Tochter einer Deutschen und eines Niederländers in Portugal, wo sie lebt und trainiert.
Nach Tahiti, sagt Kemp, sei sie als Underdog gereist. "Aber ich habe die gleichen Chancen wie alle anderen. Wenn es eine Medaille wird, wäre das natürlich sehr schön." Noch wichtiger aber scheint ihr, Vorreiterin zu sein.
Im Surfen sei bei den Frauen noch "viel Luft nach oben". Etwa bei der Verletzungsprävention, der Anzahl weiblicher Coaches und Kampfrichter, den Sponsoren. Kemp will junge Surferinnen inspirieren und "zeigen, dass alles möglich ist".
Sich selbst möchte genau das einmal mehr beweisen. Auf der Monsterwelle von Teahupoo, wo bei Olympia aus zarter Freundschaft ein tiefes Vertrauen erwachsen soll. Auch wenn die Angst bleiben wird.
(SID)
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