ATP Indian Wells: Novak Djokovic blickt neuer Realität ins Auge - Superstar kämpft gegen seinen eigenen Körper
Update 28/02/2025 um 23:09 GMT+1 Uhr
Novak Djokovic steht nach unzähligen Siegen, Titeln und Glanzmomenten vor einer besonderen Herausforderung - dem Kampf gegen sich selbst. Wie schon seine einstigen Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal blickt nun auch der serbische Superstar einer neuen Realität ins Auge. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, so auch beim 37-Jährigen. Die Nervosität ist Djokovic jedoch anzumerken.
Djokovic gesteht nach Erstrundenaus: "Nicht mehr wie vor zehn Jahren"
Quelle: Perform
Eine weise Frau meinte einst: "Hoffnung ist wie die Sonne. Wenn du nur an sie glaubst, wenn du sie siehst, wirst du die Nacht nicht überstehen."
Nun haben Prinzessin Leia Organa aus dem Film-Universum von Star Wars und Novak Djokovic nur kaum Überschneidungspunkte, in einem Aspekt ähneln sich die beiden aber dennoch - sie sind Rebellen.
"Mein Spiel ist, wie es ist. Ich werde es nicht mehr drastisch ändern", erklärte der 37-Jährige nach dem Erstrunden-Aus gegen Matteo Berrettini bei den Qatar Open den Kampf gegen seinen persönlichen Todesstern. "Natürlich gibt es mehr Verletzungen. Die Dinge sind nicht mehr so wie vor 10 oder 15 Jahren."
Das gezwungene Lächeln, welches der serbische Superstar bei jenem Satz aufsetzt, ist vielsagend. Wie schon seine ehemaligen Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal blickt nun nämlich auch Djokovic einer neuen Realität ins Auge.
Djokovic: "Es ist jetzt schwieriger"
"Ich versuche mein Spiel zu verändern wie jeder andere auch", so Djokovic weiter. "Ich werde nicht Serve and Volley spielen, vielleicht ab und zu."
Der Kern seines Spiels, der ihm in den zurückliegenden Jahren immerhin zu 24 Grand-Slam-Titeln und unzähligen Glanzmomenten verholfen hatte, werde erhalten bleiben. Trotz der jüngsten Rückschläge. Viertelfinale in Brisbane, verletzungsbedingtes Halbfinal-Aus bei den Australian Open und nun die erste Auftaktniederlage seit dem Miami Masters 2018.
Im Gegensatz zur jungen Generation rund um Carlos Alcaraz und Jannik Sinner spielt sich bei Djokovic auch abseits des Courts ein unerbittlicher Schlagabtausch ab - nämlich jener mit sich selbst.
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ATP Doha : Highlights - Berrettini - Djokovic (SNTV)
Quelle: Eurosport
"Ich versuche immer noch, täglich auf meinen Körper aufzupassen. Aber es ist jetzt schwieriger, ohne Zweifel", gab er einen Einblick. "Unter den gegebenen Umständen gebe ich mein Bestes." Einsichtige Worte eines Meisters der klaren Ansprache.
Federer und Nadal erkannten die Zeichen der Zeit einst zu spät, hielten zu lange an ihrem alten Glanz fest. Dieses Muster wiederholt sich nun bei Djokovic - und in ihm rumort es offenbar gewaltig.
Niederlagen werden "langsam ein Problem"
Das Jahr 2023 galt als offizieller Beweis dafür, dass Djokovic das Geheimnis des Jungbrunnens, der Quelle für ewige Jugend, gelüftet hatte. Sieben Titel tütete die Ikone ein, darunter die Australian Open, French Open, US Open und die ATP Finals - die auf der ATP-Tour sein bislang letztes Titel-Kunststück bleiben sollten.
In der zurückliegenden Saison folgte schließlich ein Auf und Ab. Ein Riss im Meniskus zwang ihn zur Absage seines Viertelfinals bei den French Open, trotz einer folgenden Operation am Knie marschierte er bis ins Wimbledon-Finale gegen Alcaraz (2:6, 2:6, 6:7) und eroberte wenig später gegen ebenjenen Spanier die olympische Goldmedaille in Paris.
Das Jahr beendete er trotzdem erstmals seit 2005 ohne einen einzigen ATP-Titel.
"Novak hat sich immer besser erholt als die meisten, besser als wahrscheinlich jeder andere", schwärmte Rennae Stubbs, ehemalige Trainerin von Serena Williams, jüngst in ihrem Podcast, mahnte jedoch gleichzeitig: "Aber es wird langsam ein Problem, dass er keine Matches gewinnt."
Körperliche Beschwerden - auch hier der Verweis auf Federer und Nadal - entwickeln sich laut Stubbs nur allzu schnell zu einem Teufelskreis. "Dann kommt man zurück und ist älter", so die ehemalige Nummer eins der Doppel-Weltrangliste. "Man setzt sich mehr unter Druck, macht ein bisschen mehr, ist nervöser und angespannter. Er kämpft mehr und mehr und mehr."
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Novak Djokovic kam bislang nicht in Fahrt
Fotocredit: Getty Images
Neuer Sonnenschein für Djokovic?
Diesem Negativstrudel will sich Djokovic nun entziehen, bestenfalls bereits beim nächsten Höhepunkt der laufenden Saison.
Zwischen 3. und 16. März findet im kalifornischen Indian Wells das erste Masters-Turnier statt, wenige Tage später komplettieren die Miami Open das "Sunshine Double" - welches Djokovic während seiner Laufbahn übrigens viermal gewann.
"Eine Legende kehrt in die Wüste zurück", wurde der Serbe auf dem offiziellen Instagram-Account des Veranstalters gepriesen. Von seinem einstigen Platz an der Sonne ist die Nummer sieben der Welt aktuell jedoch weit entfernt.
"Das ist wahrscheinlich die neue Realität, die ich akzeptieren muss", schätzte Djokovic seine Situation Ende Januar in Melbourne ein. "Mein Körper wird mich wohl häufiger hintergehen als es sonst in meiner Karriere der Fall war."
Die Vergangenheit offenbarte bereits, das selbst Lichtgestalten vor dem Zerfall nicht gefeit sind. "Wie lange ich dem etwas entgegensetzen kann, weiß ich ehrlicherweise nicht", so Djokovic. "Mal sehen, was diese Saison passiert."
Allzu schnell bekommt man die Hoffnung nicht aus dem Altmeister heraus - genauso wenig wie den Rebellen, der in ihm steckt.
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Quelle: Perform
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