Jan-Lennard Struff sorgt für Aufsehen - löst er Alexander Zverev als deutsche Nummer eins ab?
Jan-Lennard Struff hielt im ersten Masters-Finale seiner Karriere gegen Carlos Alcaraz nicht nur mit, er war phasenweise der bessere Spieler. Die Leistungsexplosion des Warsteiners verblüfft und schürt Hoffnung auf weitere Glanztaten bei den anstehenden French Open. In der Weltrangliste befindet er sich so hoch wie nie zuvor und wackelt kräftig am Stuhl der deutschen Nummer eins Alexander Zverev.
Struff kann Coup von Madrid nicht fassen: "Verrückte Geschichte"
Quelle: Perform
Nach einer Woche wie im Rausch gönnte sich Jan-Lennard Struff am Montagmittag ein spätes Frühstück und sehnte sich dann nur noch nach Ruhe und seiner Familie.
So sensationell sein Siegeszug auch war, bei dem er unter anderem im Viertelfinale Stefanos Tsitsipas und im Halbfinale Aslan Karatsev aus dem Weg räumte - der 33-Jährige wollte heim zu Frau Madeleine und den beiden kleinen Söhnen, um im beschaulichen Witten den Trubel von Madrid sacken zu lassen.
"Ich glaube, ich war den ganzen April nicht zu Hause, und im März nur vier Tage", sagte der 33-Jährige bei Sky: "Ich freue mich einfach mal auf zwei Tage mit der Familie, dann gucken wir weiter."
Mit dem Einzug ins Finale eines ATP-Masters als erster Lucky Loser überhaupt hatte Struff in der vergangenen Woche Tennis-Geschichte geschrieben.
Struff wackelt an Zverevs Stuhl
Bundestrainer Michael Kohlmann würdigte dies als "eine grandiose Leistung, die gar nicht hoch genug einzuschätzen ist", der frühere deutsche Spitzenspieler Tommy Haas gratulierte bei Instagram zu "einem magischen Lauf". Und auch wenn Struff das Happy End seines persönlichen Märchens durch Carlos Alcaraz verwehrt wurde, machte er sich mit ganz viel Rückenwind auf in Richtung Heimat.
"Das ermutigt mich sehr für die nächsten Wochen und Monate", sagte Struff, nachdem er sogar den spanischen Überflieger Alcaraz beim 4:6, 6:3, 3:6 an den Rand der Verzweiflung getrieben hatte, und freute sich über den "größten Erfolg meiner bisherigen Karriere" - der ihn ganz nebenbei in ungeahnte Höhen katapultierte.
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Jan-Lennard Struff (l.) und Carlos Alcaraz bei der Siegerehrung in Madrid
Fotocredit: Getty Images
In der aktuellen Weltrangliste wird der Warsteiner bereits auf Rang 28 geführt, so hoch wie nie zuvor. Und schon bald könnte Struff sogar Olympiasieger Alexander Zverev den Status als deutsche Nummer eins abluchsen - denn während bei Struff der Trend steil nach oben zeigt, hat der nach seiner Form suchende Zverev (22.) durch seine beiden Halbfinal-Teilnahmen aus dem Vorjahr beim Masters-Turnier in Rom (ab Mittwoch) und den French Open (ab 28. Mai) viele Punkte zu verteidigen.
Struff kann hingegen weiter befreit aufspielen. Er denke, dass er seinen Erfolgslauf, der nach Verletzungssorgen in der vergangenen Saison und dem Absturz im Ranking bis auf Platz 167 zu Jahresbeginn umso erstaunlicher ist, aber erst "in den nächsten Tagen realisieren werde".
Jan-Lennard Struff: Im Race bester Deutscher
Im ATP-Race, also der Jahresbestenliste der Herren, ist Struff gar auf Rang 13 - Zverev rangiert auf dem 29. Platz. "Das ist Wahnsinn", findet der langjährige Eurosport-Kommentator Markus Theil und verweist auf die bestechende körperliche Form des Warsteiners. Schon 47 Matches hat der 33-Jährige im Jahr 2023 gespielt - seine Bilanz: 34 Siege und 13 Niederlagen.
Eine Menge Tennis und der beste Beweis dafür, wie gut die Zusammenarbeit mit Fitnesscoach Uwe Liedtke funktioniert. Seit 2009 ist der gelernte Physiotherapeut und ehemalige Junioren-Weltmeister im Kraftdreikampf (1992 in Sydney) mit Struff unterwegs. "Beide vertrauen sich, kennen sich sehr lange. Sie pflegen ein enges Verhältnis", beschreibt Theil.
Neben der körperlichen Komponente ist Struff in den vergangenen Jahren auch auf mentaler Ebene gereift. 2019 wurde Struff zum ersten Mal Vater. Die Geburt seines Sohnes Henri beflügelte seine Karriere sichtlich. "Ich hatte den Eindruck, das hat auch sein Spiel noch einmal reifen lassen."
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Jan-Lennard Struff in Madrid
Fotocredit: Getty Images
Struff beschrieb die Kombination aus Tennisprofi und Familienvater gegenüber "Behind the racket" einmal so: "Die meisten Niederlagen fühlen sich nicht gut an, aber wenn mein Sohn aus seinem Zimmer kommt, mich anlächelt, dann macht das die Welt wieder schön."
Es ist diese Gelassenheit, die den Deutschen Zeit seiner Karriere auszeichnet. Kaputte Schläger, verbale Ausraster, Schmipftiraden in Richtung eigener Box oder Schiedsrichter? Fehlanzeige. "Struffi" bleibt fast immer bei sich, zieht seinen Matchlpan durch - egal wer auf der anderen Seite des Netzes steht. Im Finale von Madrid trieb er Alcaraz mit unglaublichen 51 Netzangriffen (31 Punktgewinne) schier zur Verzweiflung, hatte im dritten Satz sogar die Chance zum frühen Break.
Struff in Roland Garros: "Das liegt ihm"
Struff hat alle Schläge, alle Waffen, die es in der Weltspitze braucht, stellte Experte Mischa Zverev während der Liveübertragung auf "Sky" fest. Struffs Manager Corrado Tschabuschnig erklärte kürzlich im Interview beim Pay-TV-Sender: "Er weiß jetzt endlich, dass er mächtig ist, dass er groß ist auf dem Platz, dass er stark ist. Er empfindet das auch jetzt immer mehr. Er hat sich ab und zu kleingemacht früher, obwohl er immer die Schläge gehabt hat. Aber jetzt merkt man, man kann nicht an ihm vorbeischlagen. Er ist so riesig auf dem Platz."
Nun kann Struff seine 1,93 Meter und 92 Kilogramm erst einmal im Kreise seiner Familie regenerieren. Auf den geplanten Start in Rom verzichtete er jedenfalls - schließlich hätte er nach dem Finale von Madrid am Sonntagabend bereits am Montag in der Qualifikation aufschlagen müssen.
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Jan-Lennard Struff
Fotocredit: Getty Images
Auch mit solchen Sorgen wird sich Struff in der kommenden Zeit nicht mehr herumschlagen müssen. Nach seinem Aufstieg in der Weltrangliste sind Qualifikationen erst einmal passé. Es winkt sogar ein Platz unter den gesetzten Spielern in Roland Garros - die Aussichten sind blendend.
"Viele Faktoren sprechen für gute French Open. Jan-Lennard hat eine super Position, viele Siege und viel Selbstvertrauen", sagte Davis-Cup-Teamchef Kohlmann dem "SID", wie in der Höhe von Madrid seien auch die Sandplätze in Paris schnell: "Das liegt ihm".
Ein Höhenflug zur rechten Zeit also.
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(mit SID)
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Großes Tennis: Struff verlangt Superstar Alcaraz im Finale alles ab
Quelle: Perform
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